SPD und Bürgermeister lenken beim Stockforthsweg II ein

Das Ende der Geschossbauten

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Am Stockforthsweg wird weiter gebaut – allerdings nicht mehr höher als acht Meter. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Rolle Rückwärts beim Thema Stockforthsweg II in Rotenburg: Nach dem massiven Protest der Anwohner des ersten Bauabschnitts und einer munter geführten politischen Diskussion wird es nun wohl doch keinen Geschosswohnungsbau für das als „An der Rodau“ geführte Erweiterungsgebiet geben. 

Am Donnerstag haben wie die CDU auch die SPD und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) für die Verwaltung mitgeteilt, dass stattdessen vermehrt auf Reihenhäuser gesetzt wird.

„Das ist genial“, sagt Torben Schmidt. Er war einer der Initiatoren der Unterschriftenliste, mit der nahezu alle Anwohner des ersten Bauabschnitts bekundet hatten, keinen weiteren Geschosswohnungsbau haben zu wollen. Die Unterzeichner befürchten einen Preisverfall ihrer Häuser und Grundstücke durch eine die Nachbarschaft entwertende Bauweise, viel Verkehr und damit Gefahr für die Kinder auf den Straßen, Schattenwurf sowie einen Verlust von Privatsphäre durch die Blicke aus den höheren Stockwerken. Am Montag hatten sie ihre Standpunkte auf einer Bürgerversammlung im Rathaus vertreten. „Ohne die öffentliche Diskussion wären wir übergangen worden“, so Schmidt.

Pläne werden überarbeitet

Mit dem Einlenken der SPD und der Verwaltung um Bürgermeister Weber ist klar: Bis zur Planungsausschuss-Sitzung des Stadtrates am Montag werden die Pläne noch einmal überarbeitet.

Grundsätzlich werde gar nicht viel verändert, so Bauamtsleiter Clemens Bumann. Die im nördlichen Bereich vorgesehenen Geschossbauten werden durch Reihenhäuser ersetzt. Der östliche Bereich, in Richtung der Kleingärtner, könnte komplett für Reihenhäuser reserviert werden, wenn nach dem Planungsausschuss auch der Stadtrat zustimmt. Bumann geht jetzt für Stockforthsweg II von rund 45 Einfamilienhäusern, zwei bis drei Reihenhäusern und dem Bauprojekt der Rotenburger Werke aus. Laut Bürgermeister Weber seien es so rund 15 Wohnungen weniger – mit entsprechend weniger Verkehr. Knackpunkt der Diskussion war auch die Höhe der Bauten. Diese ist nun laut Baumann von den maximal 12,50 Metern für Geschosswohnungen auf acht Meter für Reihenhäuser gesunken.

Durchmischung des Wohngebiets wichtig

„Die Gestaltung des Wohngebiets muss sozial verträglich sein, dazu gehört auch, dass es die Nachbarschaft akzeptiert“, so Weber zum Einlenken. Wichtig sei im Grundsatz eine Durchmischung eines Wohngebiets mit allen Gesellschaftsschichten, dies könne man aber auch mit mehr Reihenhäusern erreichen. „Damit werden auch Befürchtungen der Anlieger, dass durch eine zu große Wohndichte der Verkehr unverhältnismäßig zunehmen könnte, Rechnung getragen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Planungsausschusses, Hermann Martin (SPD).

Den Protest der Anwohner habe er gut verstehen können, betont Weber. Die durchaus harschen Angriffe in der Debatte dürfe man nicht persönlich nehmen. Allerdings bestreitet er, dass die ersten Grundstückskäufer über die Ausbaupläne für Stockforthsweg II getäuscht worden seien: „Wir haben immer gesagt, dass das Gebiet wie Stockforthsweg I entwickelt werden soll – und auch dort gibt es Geschosswohnungsbau.“ Auch wenn er grundsätzlich nie ein Freund der Stockforthsweg-Neubaupläne gewesen sei, müsse man nun mit dieser politischen Entscheidung leben. Und dazu gehöre die zweite Ausbaustufe: „Stockforthsweg I wäre ohne II nicht wirtschaftlich.“

Politische Diskussion geht weiter

Die politische Diskussion ist damit wohl aber noch nicht beendet. Auch wenn die Entscheidung im Planungsausschuss am Montag einstimmig fallen dürfte, wird die CDU den „Sieg“ für sich deklarieren. Tatsächlich hatte sie eine erste Anwohnerversammlung vor Ort initiiert, woraufhin der Protest laut wurde. „Unser unermüdlicher Einsatz hat sich gelohnt. Wir begrüßen das Einlenken von Bürgermeister Weber sowie der SPD“, heißt es von CDU-Ratsherr Eike Holsten.

Es wird in Nuancen aber auch noch um Inhaltliches gehen. Denn: Die CDU bringt Überlegungen ins Spiel, auf Reihenhäuser zu verzichten, wenn die Nachfrage geringer ist als erwartet. Stadtplaner Bumann hat diese Option bereits im Hinterkopf: „Falls die Werke oder die Reihenhäuser nicht verwirklicht werden, könnten je Reihenhaus oder Bauvorhaben der Werke bis zu drei weitere Einfamilienhäuser entstehen.“

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