Landkreis steht bei BBS und Gymnasium in Bremervörde vor teurer Entscheidung

„Dieser Patient ist nicht zu retten“

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Sanierung oder Neubau der Berufsbildenden Schulen und des Gymnasiums in Bremervörde? Mit dieser Frage wird sich in naher Zukunft die Kreispolitik beschäftigen müssen. 

Bremervörde - Von Matthias Röhrs. Mangelhafte Flucht- und Rettungswege, erhöhtes Gesundheitsrisiko – die etwa 1 800 Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) und des angebauten Gymnasiums in Bremervörde haben einiges zu erdulden, was Sicherheit und Wohlbefinden angeht. Nun stellt sich die Frage, sanieren oder neu bauen? Bis es darauf eine Antwort gibt, wird noch einige Zeit vergehen. Eines ist allerdings absehbar: Die Angelegenheit wird eine ziemlich teure.

Es ist eine Investition, die Kreiskämmerer Sven Höhl in seinen mehr als 20 Jahren Dienst beim Landkreis Rotenburg in dieser Größenordnung noch nicht erlebt hat. Das Hamburger Beratungsunternehmen Drees und Sommer hat in den vergangenen Monaten viel Zeit in den beiden Schulen verbracht und eine Bestandsanalyse unter anderem von Konstruktion, der technischen Gebäudeausrüstung und der Flächennutzung durchgeführt sowie eine erste Kostenschätzung abgegeben. Die Auswertung hat sie nun dem Kreisschulausschuss präsentiert.

Im Falle eines Neubaus hat sie einen Betrag von mehr als 61 Millionen Euro errechnet, für eine Sanierung mit einem Anbau knapp über 50 Millionen. Zahlen, die allerdings lediglich eine erste Orientierung bieten, vorab jeglicher Bauplanung. Eine reine Sanierungsmaßnahme steht nicht zur Diskussion, beide in den 70er-Jahren errichteten Schulen haben zusammen etwa 5 000 Quadratmeter zu wenig Fläche.

Rechnet man die Betriebskosten und die Baumaßnahme auf 40 Jahre hoch, könnte ein Neubau am Ende mit insgesamt 99,1 Millionen Euro zu Buche schlagen, bei einer Sanierung hat Drewes und Sommer 95,8 Millionen Euro ausgerechnet.

Etwa 1,5 Millionen Euro „bis zur Ziellinie“

Eine Empfehlung hat es bei der Ausschusssitzung nicht gefällt. Einig waren sich die Ausschussmitglieder über die nächsten Schritte. So haben sie nun das zukünftige Raumprogramm mit dem Bestreben nach möglichst vielen Synergien zwischen den beiden Schulen, die Ausschreibung der Stelle eines Projektkoordinators und die Beseitigung der dringlichsten Mängel auf den Weg gebracht.

Letzteres veranschlagt Drees und Sommer mit etwa 1,5 Millionen Euro – nur „um das Gebäude über die Ziellinie zu bringen“, so Gutachter Sebastian Spitra. Und in diesem Punkt ist einiges zu tun. Spitra attestiert den Schulen wesentliche Mängel bei Lüftung, Brandschutz, Starkstromanlagen und bei den stagnierenden Trinkwasserleitungen.

Das etwas getan werden muss, ist daher unbestritten. Bis aber tatsächlich alles fertig ist – in welcher Weise auch immer – gehen aber noch einige Jahre ins Land. 2024 ist für die Wieder- beziehungsweise Neueröffnung angepeilt, bei Baubeginn im Jahr 2021. Zu spät, wenn es nach Volker Kullik (SPD) geht, einer Meinung, der sich auch Reinhard Lindenberg von der WFB anschließt, der sich aus diesem Grund auch für einen schnellen funktionalen Zweckbau einsetzt. Kulliks Parteifreundin Doris Brandt hatte ebenfalls eine klare Sicht mit Blick auf den Zeitplan: „Acht Jahre kann man den Schülern nicht zumuten.“

Auch wenn weder eine Entscheidung pro Sanierung oder Neubau gefallen ist, haben sich während der Sitzung schon die ersten Positionen herauskristallisiert. „Dieser Patient ist nicht mehr zu retten“, sagte Kullik, der sich für einen Neubau einsetzt – ganz gemäß dem Wunsch der beiden Schulleiter, die in der zwischenzeitlich unterbrochenen Sitzung ebenfalls zu Wort kommen durften. BBS-Direktorin Bjela Witassek: „Lasst uns neu bauen und den Schrott versenken.“ Sie und der Leiter des Gymnasiums, Tammo Löffler, legen aber Wert, dass beide Schulen – wie jetzt auch – zusammenhängen, um auch weiterhin Synergien zu erzeugen und Räume gemeinsam zu nutzen.

Doch bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg. So ist die Umzugsplanung der Schulen ebenso offen – die alte und vor dem Abriss stehende Bremervörder Realschule könnte laut dem Ersten Kreisrat Thorsten Lühring genutzt werden, um eine Containerlösung zu umgehen –, wie das angestrebte Raumkonzept, das eine moderne Pädadogik ermöglichen soll, der genaue Standort oder überhaupt jegliche Architektur.

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