Königsdisziplin des Kartenspiels verlangt Aufmerksamkeit

Bridge ist kein Oma-Spiel

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Sind alle Karten an einem Tisch ausgespielt, wird das Ergebnis notiert und die Karten werden an den nächsten Tisch weitergereicht. Dabei kommen am Ende aller Partien an den Tischen oft ganz unterschiedliche Ergebnisse heraus. 

Rotenburg/Hamersen - Von Heinz Goldstein. Bridge – nur ein Kartenspiel, das von alten englischen Damen beim Kaffeekränzchen gespielt wird? Von wegen. Mit diesem hartnäckigen Gerücht räumt Clarita Spranger, Vorsitzende vom Bridge-Club Sittensen, im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung erst einmal auf: „Es ist das faszinierendste Spiel, das ich je kennengelernt habe, und ich komme nicht mehr davon los.“ Inzwischen treffen sich jeden Mittwoch rund 20 Mitglieder des Clubs aus dem Süd- und Nordkreis Rotenburgs in Hamersen, um gemeinsam von 19 bis 22 Uhr einen spannenden Kartenspielabend zu erleben.

Es ist Mittwochabend, die Damen und Herren des Clubs im Alter zwischen 40 und 88 Jahren, die im Landgasthaus „Zur alten Linde“ in Hamersen eintreffen, sind gut gelaunt, denn es ist wieder ein Bridge-Abend angesagt. Dafür nehmen sie auch gerne eine längere Anfahrt unter anderem aus Sittensen, Lauenbrück, Zeven oder Groß Meckelsen in Kauf. Sie sind alle ebenso wie die Vorsitzende irgendwann vom Bridge-Virus infiziert worden.

„Obwohl ich schon 30 Jahre spiele, hat mich Bridge noch nicht einmal gelangweilt“, erklärt Heinz Müller aus Sittensen. Nachdem die Tische mit den Spielern ausgelost worden sind und die Teilnehmer Platz genommen haben, geht es los. Es wird geboten das sogenannte Reizen –, und die Karten werden ausgespielt. Eine Spielrunde dauert rund 20 Minuten. Dann wird das Ergebnis notiert.

Die Spieler sitzen sich beim Bridge gegenüber.

Zu den Regeln: Vier Spieler sitzen an einem Tisch und spielen paarweise mit insgesamt 52 Karten. Ziel ist es, mit den 13 Karten, die jeder erhält, möglichst viele Stiche zu machen. So sitzen die Spieler sich gegenüber, und mittels der Reizung findet zunächst eine Bewertung der eigenen Karten statt – ähnlich wie beim Skat. Beim Reizen versuchen die Karteninhaber möglichst genau vorauszusagen, wie viele Stiche – mindestens sieben, höchstens 13 – sie mit einem gewählten Trumpf erzielen wollen. Das Ass ist die höchste Karte. Es folgen König, Dame, Bube, Zehn bis runter zur Zwei und das in allen Farben. Ist das Reizen beendet, kann ausgespielt werden. Der Sieger versucht, die versprochene Anzahl an Stichen oder mehr zu bekommen. Das Ergebnis wird dann notiert. Dabei bleiben die Karten jeweils vor den Spielern liegen.

Aufmerksamkeit und Nachdenken

Ein Bridge-Board mit jeweils 13 Karten in den Fächern Nord, Süd, Ost und West und den dazu gehörenden Karten für das Reizen.

„Genau dieses Blatt wird nämlich in unveränderter Form an weitere Spieltische gereicht, wo auch wieder mittels Reizung herausgefunden werden muss, wer welches Spiel zu spielen hat – aber ohne die Ergebnisse von den vorher gespielten Tisch zu kennen“, so die Vorsitzende. Sie sei bei der Auswertung oft erstaunt, welche unterschiedlichen Wege zum Ende einer Reizung möglich gewesen sind und wie gespielt worden ist, so Spranger. Am Ende aller gespielten Partien würden dann die Ergebnisse verglichen und die Sieger des Abends „gefunden“, stellt Spranger fest.

Was aber macht nun den Reiz des Spiels aus? Die Vorsitzende hat sofort eine Antwort parat: „Bridge ist alles andere als ein Spiel für Senioren. Es ist kein Glücksspiel, sondern erfordert viel Aufmerksamkeit und Nachdenken.“ Es sei eine geistig anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung, aber auch den geselligen Aspekt des Spiel durch aufschlussreiche Kommunikation und Strategien zum Beispiel beim Reizen gelte es zu erwähnen.

Der Club habe sich in Grundschulen aktiv an Bridge-Arbeitsgemeinschaften beteiligt, um junge Menschen für dieses Kartenspiel zu begeistern und es populärer zu machen. Mit Teilerfolg, denn „Bridge ist nicht einfach. Man lernt es wie eine Fremdsprache und man sollte sich immer wieder mit der Sache auseinandersetzen“, so Spranger. „Leider gibt es nicht genügend Ehrenamtliche, die solche Arbeitsgemeinschaften am Leben erhalten“, so die Vorsitzende.

Wer aber Lust hat, Bridge zu lernen und mal schnuppern möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0170 /  1718168 bei Clarita Spranger informieren oder an einem Mittwochabend nach Hamersen kommen.

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