Rotenburger Polaroid-Fotograf stellt beim „RAW“ aus

„Es brauchte ein paar Anläufe“

Thorsten Finner

Rotenburg - Er hat sich unter anderem mit seiner Musik und seinen Aktivitäten als Gewerbetreibender in Scheeßel einen Namen gemacht. Jetzt zeigt der Rotenburger Thorsten Finner seine Polaroidfotos im Rahmen einer Ausstellung des ambitionierten ersten Foto-Festivals „RAW“ in Worpswede. Wie sich Polaroids mit Heinrich Vogeler und der digitalen Welt in Einklang bringen lassen, verriet er uns im Interview.

Herr Finner, was gibt‘s in Worpswede von Ihnen zu sehen?

Thorsten Finner: Ich zeige acht aus insgesamt 30 Werken, die ich speziell für diese Ausstellung mit Motiven aus Worpswede erstellt habe. Allen gemeinsam ist das Selbstbildnis Heinrich Vogelers als einem der bedeutendsten Vertreter der Worpsweder Maler. Mein Anspruch ist es, ihn mithilfe einer Filtertechnik, die ich vorher bereits erprobt hatte, aus der Vergangenheit ins Hier und Jetzt zu stellen.

Bei den Worpsweder Motiven, mit denen Sie Vogeler in Dialog bringen, fehlt das, wofür die Künstlerkolonie bekannt wurde: Die weite Landschaft.

Finner: Ja. Ich habe bewusst nach einem anderen Umfeld gesucht: Vogeler blickt auf einen Zeitschriftenladen, eine Statue, einen Hund. Es war mit viel Vorstellungskraft verbunden, den Bezug herzustellen, da ich die auf den Film projizierte Figur Vogelers nicht im Sucher sah. Es brauchte ein paar Anläufe, bis Größenverhältnis und Interaktion stimmten. Bei Testversuchen hatte ich ein fast ein Bansky-Gefühl.

Wie kam es eigentlich zu der Verbindung nach Worpswede?

Finner: Die Organisatoren des „RAW“ waren über das Thema Polaroid im Netz auf mich gestoßen. Beim „Summer’s Tale“-Festival hatte sich Andras Wilhelm zu einem meiner Polaroid-Workshops angemeldet, der in Worpswede in Künstlerkreisen unterwegs ist. So entstand die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung.

Ist die Einladung eines so anspruchsvollen neuen Fotofestivals für Sie, aber auch für die „Nische Polaroid“ eine Art Ritterschlag, ein Aufstieg vom „trendigen Retro-Knipsen“ in den Stand der Kunst?

Finner: Ich freue mich, dass es dafür eine Plattform gibt, gerade bei der RAW, die ja schon vom Namen her digital ausgerichtet ist. Bei meiner Vernissage vor einem Jahr in Berlin wurde ich von einer Kunstkritikerin zerrissen. Ob Kunst oder nicht: Ich will etwas machen, womit die Leute sich auseinandersetzen, Diskussionen anstoßen, im besten Fall positive Provokation lostreten.

Ist denn die Komposition mit der Schablone überhaupt noch Fotografie?

Finner: Für mich ist es eine gesteigerte Form der gut überlegten Fotografie: Ich gehe genauso vor, wenn nicht akribischer. Es sind definitiv keine Schnappschüsse – gerade durch den Preis steckt da schon viel Überlegung dahinter. Wenn man sich näher mit der Polaroidfotografie auseinandersetzt, stellt man fest, dass es – schon durch die Vielseitigkeit der erhältlichen Filme, Schwarzweiß, Roundframes, – eine größere Streuung gibt.

In Ihren beiden Workshops wird es aber nicht um diese spezielle Filtertechnik gehen, oder?

Finner: Nein, da werde ich die Technik allgemein zeigen und einige der Möglichkeiten. Und hoffentlich die Lust darauf wecken, sich mit dem Medium näher auseinander zu setzen. 

hey

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