Supervisitation im Kirchenkreis

Der Blick durch fremde Augen

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Hans Christian Brandy und Susanne Briese haben gut lachen: Der Kirchenkreis Rotenburg scheint gut aufgestellt für die Herausforderungen der kommenden Jahre.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Einige wenige Besuche und etwa 15 Seiten Bericht stehen Hans Christian Brandy noch bevor, dann hat der Landessuperintendent die Supervisitation in allen neun Kirchenkreisen des Sprengels Stade hinter sich. Zwar dauert die zweiwöchige Stippvisite noch bis Sonntag, doch schon jetzt zieht er ein Fazit: Den Kirchenkreis Rotenburg sieht er gut aufgestellt.

Jeden Tag geht es mit dem neuen Dienstwagen aus Stade, wo der 57-Jährige lebt, in den Kirchenkreis Rotenburg. 3000 werde der Kilometerstand dann wohl Donnerstag anzeigen, erzählt er beim Treffen in der Superintendentur. Viele Gespräche habe er geführt, mit Kirchenvertretern, Politik, Landvolk, Kulturinitiativen, Feuerwehr und Polizei. „Viele Begegnungen, die viel Freude gemacht haben“, lautet sein Fazit.

Aber was ist eine Supervisitation überhaupt? „Es ist ein Instrument, das wir schon seit der Reformation haben, um die Einheit der Kirche zu fördern“, erklärt Brandy. Auch Superintendentin Susanne Briese bereist binnen sechs Jahren alle Kirchengemeinden. Eine Ebene darüber steht der Landessuperintendent, der binnen sechs Jahren die neun Kirchenkreise des Sprengels besucht, um einen Eindruck zu erhalten.

Briese empfindet den Blick durch „fremde Augen“ als hilfreich. „Manchmal gibt es schon so etwas wie Betriebsblindheit. Die Supervisitation hilft uns, Dinge anders wahrzunehmen“, sagt sie. Am Ende gibt es einen Bericht, in dem Vorschläge für gemeinsame Zielvereinbarungen festgehalten sind.

Der Besuch habe aufs Neue gezeigt, schildert Brandy, dass der Kirchenkreis gut aufgestellt sei, das habe er in einigen Kreisen schon anders erlebt. Und er hebt Besonderheiten hervor. Zum Beispiel die Gesprächskultur: „Es gibt ein gutes Miteinander.“ Nicht nur zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, auch zwischen den verschiedenen Berufsgruppen.

„Der Kirchenkreis lebt von seinen Gemeinden“, stellt er klar. In Rotenburg – zum Kirchenkreis gehört auch die Schneverdinger Kirchengemeinde Peter und Paul – habe er zum Teil sehr leistungsstarke Gemeinden erlebt. An jedem Sonntag stand auch ein Gottesdienst in einer anderen Gemeinde auf dem Programm, um einen größeren Überblick zu erhalten. „Ich kann leider nicht in jeden Gottesdienst gehen“, sagt Brandy. Da seien die Grenzen einer solchen Visitation erreicht.

Auch zu den anderen Religionen gebe es ein gutes Verhältnis. Besonders richtet er in diesen Zeiten seinen Blick auf den Kontakt zum Islam. „Ich habe auch eine Moschee besucht“, erzählt er. Dort sei Brandy außerordentlich gastfreundlich begrüßt worden. Auch dort habe man ihm geschildert, dass das Miteinander zum Kirchenkreis als gut empfunden werde.

Von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über die Diakonie bis hin zur theologischen Ausrichtung – Brandy findet lobende Worte. Gibt es denn nichts, was ihm negativ aufgefallen ist? Zumindest nennt er nichts, was speziell auf den Kirchenkreis zutrifft. Es gebe einige Herausforderungen, die allen Kirchenkreisen bevorstünden. So hält er die Integration der Flüchtlinge und die professionelle Begleitung der Ehrenamtlichen, die sich um diese kümmern, für einen Schwerpunkt der kommenden Jahrzehnte für die gesamte Gesellschaft.

Im Kirchenkreis sind 2,5 Stellen für die Flüchtlingshilfe geschaffen worden. Mit 50 000 Euro hat die Landeskirche Hannover den Kreis 2015 und 2016 jeweils unterstützt und ermöglicht so verschiedene Sprach- und Musikprojekte, erklärt Briese. Mittel, die der Kirchenkreis auch braucht. „Wenn wir das für das kommende Jahr nicht bekommen, sieht es schlecht aus“, macht Briese deutlich. Manche Projekte müssten sonst wegfallen.

Eine weitere Herausforderung seien die Kirchenaustritte. „Wir müssen unseren Glauben so zur Sprache bringen, dass er Menschen immer wieder neu anspricht. Das ist inhaltlich sicher die größte Herausforderung“, so Brandy. Einige Veränderungen hat es in der Vergangenheit schon gegeben. „Natürlich haben wir weniger Mitarbeiter als noch vor 20 Jahren“, sagt er. Aber: „In anderen Kirchenkreise sind die Umstellungsschmerzen größer.“

Derzeit erlebe der Kirchenkreis aber eine ruhigere Phase. Bleibt also Zeit, um sich endlich mit inhaltlichen Fragen und einem großen Jahrestag im kommenden Jahr auseinanderzusetzen: 500 Jahre Reformation will man auch im Kirchenkreis Rotenburg mit einem vielseitigen Programm feiern.

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