Neun Kandidaten stellen sich Fragen zur Lokalpolitik

Stadtrat: Wer bekommt einen Sitz?

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Viele Kandidaten wollen am 11. September bei der Kommunalwahl einen Platz im Rotenburger Stadtrat bekommen. Die Stühle dort haben sie am Dienstagabend schon getestet. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. An seinen Stuhl hätte sich der ein oder andere Kandidat sicher schon gewöhnen können: Das Rotenburger Wirtschaftsforum (RWF) und die Mediengruppe Kreiszeitung hatten am Dienstagabend im Saal des Rathauses gemeinsam zur Podiumsdiskussion mit Anwärtern auf einen Platz im Stadtrat geladen. Alle neun Parteien haben einen Kandidaten ins Rennen geschickt, der sich potenziellen Wählern vorstellen sollte. Blieb die Frage: Wer hat sich am besten verkauft?

Neue Menschen mit neuen Ideen in den Rat bekommen, schilderte RWF-Vorsitzender Heiko Kehrstephan, der gemeinsam mit Michael Krüger, Redaktionsleiter der Rotenburger Kreiszeitung, durch den Abend führte. Das sei die Idee hinter der Veranstaltung gewesen. Und so waren es tatsächlich viele neue Gesichter, die sich in der vordersten Stuhlreihe wiederfanden, um sich den Fragen der Moderatoren und des Publikums zu stellen.

Fahrradsituation ist Thema

Wirtschaft, Jugend, Kultur Umwelt, Flüchtlinge, aber auch speziell lokale Knackpunkte – die Liste der Themen, mit denen Krüger und Kehrstephan die Kandidaten konfrontierten, war lang. Ein Thema war die Fahrradsituation in der Stadt. Während Dirk Schenckenberg, der für die Wählerinitiative Rotenburg (WIR) antritt, fand, dass es bis auf ein paar Mankos daran nichts auszusetzen gebe, sah Marc Andreßen (Grüne) sogar Potenzial, mithilfe einer verbesserten Fahrradinfrastruktur auch den sonstigen Verkehr zu entlasten und so die Wirtschaft zu stärken.

Die Schuldenlast der Stadt hatte Alexander Künzle von der FDP im Blick. Man sei auf der Grenze zur Zwangsverwaltung durch den Landkreis. Sein Vorschlag: „Wir sind für die Rasenmäher-Methode: Die Ausgaben überall um zehn Prozent kürzen.“ Philipp Lennartz von der CDU konzentriert sich seinen Angaben zufolge vor allem darauf, die Wirtschaft und den Tourismus zu fördern für eine gesunde Innenstadt. „Damit unsere Gäste dort vielleicht mehr machen, als zwei Minuten durchzugehen“, so der Hotelfachmann.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, sei es wichtig, zunächst neue Gewerbeflächen zu schaffen, machte Schenckenberg deutlich: „Das sollten wir schnell in Angriff nehmen.“ So sah es auch Günter Scheunemann von den Freien Wählern. Dafür müsse aber auch die passende Infrastruktur hergestellt werden, „dass dann auch neue Umgehungsstraßen geschaffen werden müssen, ist klar“. Besonders mit einer florierenden Wirtschaft könne man junge Menschen, auf die sich gerade Scheunemann fokussierte, halten und „die Stadt lebendig gestalten“. AfD-Kandidat Thomas Ossadnik hoffte, mit einer guten Akquise auch innovative Unternehmen anzulocken: „Junge Menschen brauchen Arbeitsplätze.“

Thies (SPD): Mindestlohn wird nicht eingehalten

Er könne sich gleichzeitig vorstellen, für Hartz-IV-Bezieher Bürgerarbeit einzuführen. Früher habe es auch schon gemeinnützige Arbeit gegeben, „das sollte man vielleicht steigern“, so Ossadnik. Um Arbeit ging es auch bei Manuela Thies, die für die SPD antritt. „Gerade im Zusammenhang mit den Flüchtlingen halten einige Firmen den Mindestlohn nicht ein“, bemängelte sie. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass es wichtig sei, Firmen an den Standort zu holen und Bildung zu fördern. Da aber auf kommunaler Ebene viele andere lokale Themen im Fokus stehen, ging es auch um die zweite Stufe in Sachen Baugebiet Stockforthsweg. Hubert Fiedler von der Wählergemeinschaft Freier Bürger (WFB) hielt die derzeit im Stadtrat favorisierte Reihenhäuser-Lösung für „gut“: „Wichtig ist, dass es genügend Mietwohnungen gibt.“

Podiumsdiskussion mit Rotenburger Stadtrat-Kandidaten

Dennoch: Auf vielen Wahlplakaten, auf die sich Kehrstephan in seinen Fragen fokussiert hatte, geht es auch um die Politik in Berlin oder Hannover. Die AfD thematisiert beispielsweise die Sicherheit. „Es dauert zum Teil ellenlang bis die Polizei zu einer Straftat kommt“, so Ossadnik. „Daran kann der Rotenburger Stadtrat etwas ändern?“, fragte Kehrstephan mit Blick darauf, dass Entscheidungen über die Polizei Ländersache sind. In eine ähnliche Richtung ging ein Vorschlag des Alfa-Kandidaten Helmut Bogatka, der eine bessere Ausrüstung für die Polizei forderte. Dass Alfa nur wenig mit direktem Bezug zu Rotenburg thematisiere, liege daran, dass es die Partei noch nicht so lange gebe. „Es gab zu wenig Zeit, sich vorzubereiten“, so Bogatka.

In der Abstimmung durch das Publikum zeigte sich am Ende, dass Marc Andreßen beim Publikum punkten konnte. Große Chancen, dass er bald gemeinsam mit 33 anderen Stadträten tatsächlich wieder an ähnlicher Stelle sitzt, rechnet sich Andreßen aber nicht aus, wie er im Anschluss noch sagte – dafür reiche Listenplatz 8 bei den Grünen wohl nicht aus.

Der Sieger

Die Abstimmung im Anschluss an die Podiumsdiskussion ergab, dass das Publikum Marc Andreßen (Grüne) am besten bewertete. Er bekam 28,049 Prozent der Stimmen. Philipp Lennartz (CDU) erhielt 19,512 Prozent, genau wie Dirk Schenckenberg (WIR). Manuela Thies (SPD) bekam 12,195 Prozent, Alexander Künzle (FDP) 7,317 und Günter Scheunemann (Freie Wähler) 4,878 Prozent, ebenso wie Thomas Ossadnik (AfD). 2,439 Prozent aus dem Publikum wählten Hubert Fiedler (WFB) und 1,22 Prozent Helmut Bogatka (Alfa).

Lesen Sie den Kommentar "Selbst entlarvt" von Michael Krüger zur Podiumsdiskussion.

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