Suchtberatungsangebot wird eingestellt

Beim Verein für Sozialmedizin gehen langsam die Lichter aus

Alkoholsucht spielt in der Beratung des VSM eine ganz zentrale Rolle. Das Angebot gibt es allerdings nur noch bis Ende dieses Jahres. Der Verein löst sich sehr wahrscheinlich auf. - Foto: dpa

Rotenburg - Von Guido Menker. Im Verein für Sozialmedizin (VSM) gehen die Lichter aus. Wie Melanie Lüdemann auf Anfrage der Kreiszeitung mitteilt, seien die Weichen auf Vereinsauflösung gestellt. Nach 40 Jahren.

Fakt ist: Die Vorsitzende hat allen elf hauptamtlichen Mitarbeitern die Kündigung zum Ende dieses Jahres zukommen lassen – weil es für das umfangreiche Angebot in der Suchtberatung mitsamt der ambulanten Nachsorge nach stationärer Behandlung, Krisenintervention und psychosozialen Begleitung sowie der Suchtprävention keine Zukunft mehr gibt.

Der Verein bietet Anlaufstellen in Rotenburg, Bremervörde, Zeven und Visselhövede. Diese werden nicht nur von Suchtkranken und -gefährdeten, sondern auch von ihren Angehörigen, Freunden und Kollegen sowie Arbeitgebern, Betriebsräten und Schulen, aber auch von Jugendhilfeeinrichtungen und Vereinen genutzt, die Rat, Hilfe und Informationen suchen. 

Der Verein beschäftigt neben fünf Therapeuten eine Verwaltungsangestellte, eine Sekretärin, drei Raumpflegerinnen und auf Honorarbasis einen Arzt. Doch damit ist bald Schluss. „Das macht man nicht gerne, aber es geht nicht anders“, sagt Melanie Lüdemann. In erster Linie denke sie zurzeit an die Klienten, aber natürlich auch an die Mitarbeiter. Entsprechend schlecht sei zurzeit die Stimmung.

Hintergrund für die Entscheidung sei ein Vertrag mit dem Landkreis. Dieser sei vor zwei Jahren eingefordert und unterschrieben worden, um die Förderung der Arbeit in der Suchtberatung klar zu regeln. Dieser Vertrag sei mit einer Pilotphase von zwei Jahren verbunden und beinhalte klare Voraussetzungen, die vom Verein für Sozialmedizin zu erfüllen seien, so Lüdemann. „Diese Voraussetzungen können wir aber dauerhaft unter den finanziellen Voraussetzungen nicht mehr erfüllen“, erklärt sie. Der Landkreis habe auf die Entscheidung, dass am Ende des Jahres die Kooperation endet, überrascht reagiert.

Der Verein selbst bereitet die Abwicklung vor. Geplant sei eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Einen Termin dafür nennt Lüdemann nicht. Die rund 75 Mitglieder müssen sich am Ende entscheiden, ob der Verein dennoch bestehen oder sich eben zum Ende des Jahres auflösen soll. Letzteres werde Lüdemann ihnen vorschlagen. Unabhängig von dieser Entscheidung sei es möglich, dass die Selbsthilfegruppen weiterhin bestehen bleiben, sagt die Vorsitzende.

„Überrascht zur Kenntnis genommen“

„Der Landkreis hat bereits langjährig den Verein für Sozialmedizin über freiwillige Leistungen für die öffentliche Suchtberatung gefördert. Dies geschah aus einer historischen Entwicklung heraus seit den 1980er-Jahren, ohne dass es eine umfassendere schriftliche Vereinbarung zwischen dem Landkreis Rotenburg und dem VSM über die geförderten Leistungen gab“, teilt der Landkreis auf Anfrage mit. 2013 seien daher Gespräche mit dem Verein aufgenommen worden, um eine schriftliche Fördervereinbarung abschließen zu können. 

In dieser sei gemeinsam die Verteilung der Aufgaben in der Suchtkrankenhilfe zwischen dem Landkreis und dem VSM eindeutiger definiert worden – inklusive der Festlegung, welche konkreten Aufgaben der VSM in der öffentlichen Suchthilfe und Beratung übernimmt und welche qualitativen Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Aufgaben erforderlich sind. Die Vereinbarung sei im Vorfeld ausführlich diskutiert worden und am 1. Januar 2014 in Kraft getreten. Der Landkreis: „Vorgesehen war dafür auch eine zweijährige Projektphase, um dem VSM zeitlich und organisatorisch die Möglichkeit zu geben, die in der neuen Vereinbarung vertraglich festgelegten Aufgaben erfüllen zu können.“

Im Sommer dieses Jahres seien dann mit dem VSM entsprechend der Vereinbarung Gespräche über den Entwicklungsprozess geführt, die noch die Notwendigkeit für einige Nacharbeiten erkennen ließen. In der Folge hat es mehrfache unterstützende Beratungsgespräche gegeben, da dem Landkreis sehr an einer auch zukünftigen Zusammenarbeit gelegen sei. Und weiter: „Dass der VSM dem Landkreis dann schriftlich mitteilte, die Fördervereinbarung nicht fortsetzen zu wollen, wurde hier überrascht zur Kenntnis genommen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Entscheidung des Vereins nicht mehr verhandelbar.“ 

Die Verwaltung werde als Interimslösung zunächst eine „Notversorgung“ in der Suchtberatung in Form eigener Sprechstunden sicherstellen. Parallel liefen interne Planungen, wie die Unterstützung von Menschen mit einer Suchtproblematik zukünftig sichergestellt werden kann. Aufgrund der kurzfristigen und nicht vorhersehbaren Vertragsbeendigung durch den VSM seien diese noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen.

Substanzmissbrauch und Suchterkrankungen kämen in der Bevölkerung häufig vor. Insofern gebe es auch im Landkreis Betroffene, die einen Bedarf an niedrigschwelliger Beratung, professioneller Begleitung zum Beispiel im Rahmen von Motivationsgruppen oder an Vermittlung in längerfristige Therapien haben. „Ein guter Teil dieses Bedarfes wurde bisher durch die Beratungsstellen des VSM abgedeckt. Hier gilt es, für qualitativ hochwertigen Ersatz zu sorgen“, schreibt der Landkreis. 

Gleichzeitig sei ihm daran gelegen, dass die Thematik des Umgangs mit Suchtmitteln auch präventiv angegangen wird. Dabei seien vor allem „junge Drogen“, wie Cannabis und synthetische Rauschmittel, aber auch neue Suchtformen wie Computerspiel- oder Medienkonsumsucht zu nennen.

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