Amtsgericht verurteilt Räuber zu langjähriger Gefängnisstrafe

Lebensinhalt Diebstahl

+
Für 31 Diebstähle aus Schwimmbad-Schränken ist der 52-Jährige nun verurteilt worden. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wird er die Kurve noch einmal bekommen? Alle Beteiligten haben an diesem Dienstagmorgen im Verhandlungsraum des Rotenburger Amtsgerichts so ihre Bedenken. Selbst der Verurteilte. „Ich möchte mein Leben ändern, aber alleine schaffe ich es nicht“, sagt der 52-Jährige aus Cottbus. Wie ein neues Leben aussehen könnte, darüber kann sich der mehrfach rückfällige Dieb nun in aller Ruhe Gedanken machen – für drei Jahre und neun Monate schickt ihn das Schöffengericht ins Gefängnis.

Die Formalien nehmen in der zweieinhalbstündigen Hauptverhandlung viel Zeit ein. Strafrichterin Petra Stein-Simon obliegt es, aus dem umfangreichen Vorstrafenregister von Mathias W. zu zitieren. 15 Einträge gibt es, zumeist Diebstähle, aber auch Wohnungseinbrüche, rund 300 Taten. Viele Jahre hat W. hinter Gittern verbracht, Mitte der 90er-Jahre begann seine kriminelle Karriere. Die sei „beeindruckend“, sagt Stein-Simon, und auch die aktuellen Fälle, die gebündelt in Rotenburg verhandelt werden, haben es in sich.

Zehn Anklageschriften

Es geht um Diebstähle von Wertsachen aus Spinden in Schwimmbädern, Fitness-Centern und Kliniken. Zehn Anklageschriften muss Staatsanwalt Jann Scheerer verlesen, einige aus seiner Zuständigkeit in Verden, die meisten anderen aus Sachsen, aber auch aus Lüneburg und Braunschweig. W. ist ein Umherreisender in Sachen Diebstahl, das leugnet er auch nicht. Eine Operation am Knie habe es nötig gemacht, dass er viel Wassergymnastik betreibe, also setzt er sich in den Zug und besuchte Bäder, die er in Prospekten gesehen hatte. Eins davon ist das Rotenburger Ronolulu, wo er am 25. Juli 2014 sieben Schränke in der Herrenumkleide mit einem Schuhlöffel aufbricht. 

In einem wird er fündig, nimmt 150 Euro aus einer Geldbörse, in sechs weiteren findet er nichts Brauchbares. In allen anderen Fällen geht er ähnlich vor. Bargeld, Digitalkameras, Autoschlüssel, Armbänder, Uhren, EC-Karten, Fahrzeugscheine: W. nimmt das an sich, was er zu Geld machen oder direkt ausgeben kann. Mit seiner kleinen Rente komme er kaum aus, und wenn er mit Kumpels los wollte, brauchte er Bares: „Freunde habe ich nur, wenn ich Geld habe“, sagt der im Prozess oftmals schluchzende Mann. Seit einem Monat sitzt er in der JVA Bremervörde in Untersuchungshaft.

Diebstähle seien vorbereitet worden

Auch wenn die Taten klar sind, bleiben Fragen: Ist W. noch zu helfen? Ist er überhaupt fähig, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Tatsächlich fordert der Angeklagte für sich eine Therapie, um ein anderes Leben in Angriff nehmen zu können. Zudem wurde ein Gutachter zurate gezogen. Der attestiert W. zwar eine „Zuordnung zum Merkmal Schwachsinn“, weil er „unterdurchschnittlich intelligente Fähigkeiten“ aufweise, an der Steuerungsfähigkeit des Mannes zweifelt er aber nicht. Es liege keine psychische Krankheit vor, auch seien sexuelle oder andere zwanghafte Motive bei den Taten nicht ausschlaggebend. Die Reisen zu den Tatorten und die Durchführung der Diebstähle seien in allen Details vorbereitet worden. Auch seien dem nunmehr Verurteilten alle erforderlichen Rechte und Normen bekannt – W. wisse um seine Schuld.

Pflichtverteidiger Michael Helwig schließt sich der Straf-Forderung von Staatsanwalt Scheerer an, auch das Gericht folgt dem Strafmaß. „Ein unverbesserlicher Fall“, sagt Ankläger Scheerer. Mit drei Jahren und neun Monaten Haft liegt das Gericht noch knapp innerhalb seiner Zuständigkeit. 31-facher schwerer Diebstahl und 25-facher versuchter schwerer Diebstahl schlagen zu Buche, bei einer Verhandlung im Landgericht hätte die Strafe schnell noch höher ausfallen können, sagt Stein-Simon. Anders als sonst in ihrer Urteilsbegründung verzichtet sie in diesem Fall auf mahnende Worte – das habe die bisherige Erfahrung gezeigt: „Es fällt schwer, zu sagen, dass sie im Gefängnis bisher etwas gelernt haben.“ Aber dieses Handeln könne nicht weiter Lebensinhalt sein, weswegen die Strafe auch weiteren Taten vorbeugt: „Wir können hier nur die Scherben auffegen.“

Lesen Sie auch:

Geburtstag endet in der Zelle

Mehr zum Thema:

Wintersport in der Skihalle Neuss

Wintersport in der Skihalle Neuss

Was aktuelle Smartwatches wirklich können

Was aktuelle Smartwatches wirklich können

Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub

Ab in die Berge: Das sind die Trends beim Winterurlaub

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Meistgelesene Artikel

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Mehrheitsgruppe bringt die Jagdsteuer zur Strecke

Mehrheitsgruppe bringt die Jagdsteuer zur Strecke

Kommentare