Test mit Mini-Flugzeugen Kamera- und Steuerungstechnik

Airbus startet in Rotenburg

Ein Modell eines Mini-Flugzeugs, das in der Realität eine Spannweite von etwas vier Meter haben wird. An der Spitze ist das Kamersystem installiert, um das es bei den Tests in Rotenburg in erster Linie gehen soll. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Forschungsstützpunkt Rotenburg – noch vor wenigen Monaten hätten viele angesichts dieser Formulierung nur müde gelächelt. Doch die Vision, die Kreisstadt als Standort auf der Hightech-Landkarte zu verankern, ist Realität geworden. Am Dienstag beginnt ein Airbus-Tochterunternehmen am Flugplatz mit Technik-Tests an Mini-Flugzeugen.

In zwei Jahren könnte man an den Markt gehen. Das hoffen die Ingenieure von „Airbus DS Airborne Solutions“, die das unter dem Namen „Scout“ laufende Projekt am Donnerstag im Rathaus vorgestellt haben. Schon seit drei Jahren arbeite man daran. Im Kern gehe es um die Fortführung von „Systemintelligenz“. Konkret bedeutet das: Mit den unbemannten Mini-Flugzeugen, die eine Spannweite von rund vier Metern aufweisen, soll Steuerungs- und vor allem Kameratechnik getestet werden. Später soll diese vor allem im zivilen Bereich eingesetzt werden, versichern die Airbus-Konstrukteure. Denkbar seien Einsätze bei der Vermisstensuche, für die Landvermessung, in der Landwirtschaft oder beim Katastrophenschutz. Die Technik, die in Rotenburg erprobt werde, könne später an Flugzeuge und Drohnen aller Art verbaut werden. Die Airbus-Tochter hat allerdings auch an der militärischen Aufklärungsdrohne „Heron 1“ mitgearbeitet.

Bislang hatte die Airbus-Tochter in Mindelheim (Bayern) und Bremerhaven getestet. Nachdem der Verkehrslandeplatz Bremerhaven-Luneort allerdings im März geschlossen wurde, musste sich das Unternehmen nach einem neuen Standort umschauen. Und da kam dem Flugplatz Rotenburg zugute, dass er schon wegen zwei anderer Projekte ähnlicher Art im Gespräch war: als Schauplatz von Raketenstarts des „CanSat“-Satelliten-Wettbewerbs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und wegen der seit April laufenden Drohnen-Forschung des Bundesverbands für unbemannte Systeme. „Wir wollten ein Heimspiel haben“, sagt Wilfried Müller, zuständiger Ingenieur für die Flugversuche beim Bremer Airbus-Unternehmen.

„Zukunftsweisend und Standort sichernd“

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) zeigt sich zufrieden angesichts der Entwicklung des Flugplatzes. Es habe viele Gespräche unter anderem mit der „Flugplatz Rotenburg Wümme GmbH“ um Geschäftsführer Werner Meyer gegeben. Auch sei er mit der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann beim Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) gewesen, um Kooperationen auszuloten. Nun zeichne sich ab, dass sich Rotenburg tatsächlich zu einem Forschungszentrum entwickle. „Zukunftsweisend und Standort sichernd“, sagt Weber. Er setzt auf die Ansiedlung von Firmen im benachbarten Gewerbegebiet Hohenesch, die sich in dem Bereich dieser Flugsysteme spezialisiert haben.

Aber auch für die angrenzende Lent-Kaserne ist die Entwicklung positiv, so Flugplatz-Chef Meyer. Das Militär nutze das Areal schon lange für eigene Drohnen-Tests, auch sei es denkbar, dass künftig Fallschirmjäger aus Seedorf von hier aus ihre Übungen durchführen. Während andere kleine Flugplätze hohe Subventionen einstreichen würden oder dicht gemacht werden, verdiene die Kreisstadt am hiesigen Betrieb: 700 000 Euro ergebnisabhängige Pacht seien in den vergangenen 20 Jahren in die Stadtkasse geflossen. Und mit der Initiative „Niedersachsen Aviation“ des Landes zur Unterstützung der Luft- und Raumfahrtindustrie in Niedersachsen habe sich bereits ein weiterer Interessent gemeldet – die ersten Gespräche soll es in den kommenden Wochen geben.

Die neuen Testflüge, die beim Luftfahrtbundesamt vorerst bis April beantragt sind, sollen, das versichern Airbus und die Stadt, die Anwohner nicht belästigen. Die Acht-PS-Minimaschinen sind leiser als Ultraleichtflugzeuge, zudem fliegen sie nicht über bewohntes Gebiet, heißt es. 300 Meter hoch steigen die Flugzeuge auf, die Kameras blicken auch nicht in die Gärten der Rotenburger, versichert Bürgermeister Weber.

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