Bundestagsabgeordneter Kindler spricht über Rechtsruck – und wirbt für Grün

„AfD ist die falsche Antwort“

Grüne unter sich: Kreistagsmitglied Ulrich Thiart (v.l.), Stadträtin Elisabeth Dembowski, Bundestagsabgeordneter Sven-Christian Kindler, seine Mitarbeiterin Hedi Schmidt und Stadtrat-Kandidat Marc Andreßen hatten am Mittwoch einiges zu besprechen. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Typischerweise sprechen sie über sich: Kandidaten im Kommunalwahlkampf wollen bei öffentlichen Auftritten für sich werben, meist auch für ihre Partei. Bei Sven-Christian Kindler ist das an diesem Mittwoch anders.

Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, zuständig auch für den hiesigen Wahlkreis, spricht über andere: vornehmlich die AfD. Er will warnen – und Lösungen anbieten gegen einen zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft.

„Klare Kante gegen Rechts – mit Gerechtigkeit und Weltoffenheit in die Offensive kommen“ lautet sein Thema am Abend in der Rotenburger Cafesitobar, am Nachmittag standen bei Kaffee und Butterkuchen in Hemslingen und Visselhövede auch der Nahverkehr und Finanzen auf dem grünen Themenzettel. Aber in erster Linie eben: die AfD. Gerade im Lokalen sagt Kindler, in dessen Gefolge die Kandidaten für die Kreis-, Stadt- und Gemeinderatswahlen durch die Region tingeln, sei die Partei doch gar nicht wählbar: „Sie hat an Sacharbeit kein Interesse.“

Antifaschismus, Neonazis, Islamophobie: Es sind Themen wie diese im Spektrum links und rechts, die den immer noch jüngsten Abgeordneten der Grünen und haushaltspolitischen Sprecher, mittlerweile 31 Jahre alt, umtreiben. Dabei spart er nicht mit markigen Worten, die nicht nur dem Wahlkampf geschuldet scheinen. Kindlers Sorge klingt ernst, wenn er Sätze sagt wie: „Der Gewalt der Worte folgt die Gewalt der Taten.“

Weil sich die Menschen sorgten, Ängste haben vor der Globalisierung und sozialer Spaltung, würden sich viele zu den einfachen Parolen der Rechtspopulisten hingezogen fühlen, sagt er. Dabei würde deren Politik die Sorgen der Menschen noch verstärken: „Die AfD ist die falsche Antwort.“ Sie sei „neoliberaler als die FDP“, „nicht die Partei des kleinen Mannes, sondern des Großkapitals“. Statt ihnen in populistischen Debatten wie dem Burka-Verbot hinterher zu laufen, müsste man ihnen die Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Weltoffenheit entgegen stellen. Denn: „Fakt ist doch, dass die meisten sie nicht haben wollen.“ Und für die Kommunalpolitik hätten sie eh nichts zu bieten.

Dennoch bestehen Sorgen. Vor allem für die Kreiswahl befürchten die Grünen durchaus viele Stimmen für die AfD. Der Grünen-Kreisvorsitzende Ulrich Thiart: „Ich gehe zumindest beim Kreistag davon aus, dass es etliche Abgeordnete der AfD geben wird.“ Gerade mit dem Politikwissenschaftler Karsten Dustin Hoffmann aus Rotenburg, der die AfD im Kreis aufgebaut hat, habe die Partei einen Kandidaten, der „nicht dumpf-nationalistisch“ auftritt, sagt der Rotenburger Stadtrat-Kandidat Marc Andreßen. „Sie sind hier sehr im Fahrwasser dessen, was früher die CDU abgegriffen hat.“ Ungeachtet dessen sei das Thema „Rechts“ aber kein großes in der Region. „Nur beim Schützenfest nach dem zehnten Bier kommen die entsprechenden Sprüche“, so Thiart.

„Wir wollen aber keinen Wahlkampf über die AfD führen“, beteuert Kindler an diesem Mittwoch auch noch, nachdem vieles zur AfD gesagt wurde. Tatsächlich haben sich die Rotenburger Grünen in Kreis und Stadt auch mit anderen, ihnen eigenen Themen beschäftigt: Fracking, Landwirtschaft und Co. Nachzulesen seit Mittwoch in ihrer Wahlkampfzeitung. Die Besinnung auf sich selbst, auf eigene Themen, dürfte der Partei ganz gut zu Gesicht stehen. Interne Querelen gab es zuletzt genug: „Es geht wieder aufwärts“, sagt Kreistag-Kandidat Thiart. Ob das erneut für fast 13 Prozent im Kreis oder 19 in Rotenburg reicht, wird man in eineinhalb Wochen wissen.

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