Zuhörer erleben Premiere vom „WortFASSetten-Open-Air“

Ein Abend wie gemalt

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Mehrere hundert Besucher hatten es sich auf Bierbänken, Campingstühlen und Picknickdecken gemütlich gemacht.

Rotenburg - Neun Slammer aus der Region und darüber hinaus viele große Worte und eine Publikumsjury – also alles wie gehabt beim Rotenburger Poetry Slam-Wettbewerb „WortFASSetten“? Mitnichten: Statt am Kneipentischen sitzen die Zuschauer auf Bierbänken, mitgebrachten Campingstühlen oder Picknickdecken; neben der eingeschworenen Slammer-Fangemeinde viele neue Gesichter aller Altersstufen, darunter einige Familien, hinter der Bühne funkeln beleuchtete Apfelbäume, darüber hängt der halbe Mond.

Lebensfreude bei den Akteuren auf der Bühne und davor, dazu ein stimmiges Ambiente: So machten die ersten „WortFASSetten“ unter freiem Himmel Spaß. Initiatorin Nadja Salewski (4.v.r.) hatte die Seiten gewechselt und moderierte den Abend. - Fotos: hey

Dass die „WortFASSetten“ erstmals open air auf dem Hartmannshof zu erleben waren, ist Wortakrobatin Nadja Salewski zu verdanken, die erstmals auch die Moderation übernahm. Nach anderen Slams unter freiem Himmel wie dem Lauenbrücker „Poetry im Park“ hatte sie immer von einer solchen Veranstaltung für Rotenburg geträumt – ein Traum, der am Samstagabend in Erfüllung ging. „Wenn wir den Abend vorher hätten malen sollen, genau so hätte er ausgesehen“, meinte Veranstalter Ralf Schirdewahn im Anschluss an gute drei Stunden feinster Wortgefechte beglückt.

Besucherin Henrike Luisa Schmidt aus Bremen, die nach einem „konventionellen“ Slam und einigen „YouTube“-Videos neugierig geworden, in Rotenburg ihren ersten Open-Air-Wettbewerb erlebte, brachte die Begeisterung der rund 300 Besucher auf den Punkt: „Ein gute, nicht zu hochgestochene Mischung, eine Wohlfühl-Atmosphäre – einfach toll!“

Das ist auch das Verdienst der Bewohner vom Hartmannshof, die bei Aufbau, Catering und Organisation eingebunden waren. „Gelebte Inklusion“ ist für Corinna Bartels vom Hartmannshof denn auch der Grund, die lauschige Obstwiese für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen: „Wir sind froh, wenn Menschen zu uns auf den Hof kommen“, meinte sie. „Nach dem Flohmarkt und zwei Sinfoniekonzerten in der Scheune sind wir ein eingespieltes Team.“

Inhaltlich warfen die zu dem Zeitpunkt noch bevorstehenden Kommunalwahlen einen Schatten voraus. Auch wenn – wie immer ohne Themenvorgabe – die Texte wie beim „Kessel Buntes“ von nachdenklich über heiter (wie bei der altbekannten Bremerin Rita Apel mit ihren Betrachtungen über uncoole Straßen- und Ortsnamen – „Farvella klingt sexier als Cottbus“) bis schrill (wie bei Stefan Jaschek mit seinem Einfall Außerirdischer bei Dodenhof) reichen: Es ging mehr als sonst politisch zu.

Schnellsprecher Mirko Gilster übte Kritik an Kapitalismus und Politik; der surrealistische Kampf von Einhörnern gegen Putin brachte ihm den Einzug ins Finale ein.

1. „Wortfassetten“ Open-Air in Rotenburg

Auch wenn am Ende Khaaro den Siegertitel davon trug: Der beste Abschluss war Gilster vorbehalten: Er durfte, ganz Dichter und Denker, wie Diogenes im zum Schlafabteil umfunktionierten Hartmannshof-eigenen Fass übernachten. 

hey

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