Der 18-jährige Moritz Lübben aus Rotenburg arbeitet als Musikausbilder in Palästina

Zwischen Posaune und Passkontrollen

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Moritz Lübben dirigiert seine Schüler bei einem Konzert. Bei seiner Arbeit ist er für 50 junge Musiker verantwortlich.

Rotenburg - Von Jessica Ginter. Mehr als 5000 Kilometer von der Heimat entfernt ist der Rotenburger Moritz Lübben in ein neues Land, eine andere Sprache und eine ganz andere Kultur eingetaucht. Palästina heißt das neue Zuhause des 18-Jährigen. Dort unterrichtet er seit vergangenem Sommer an drei Schulen.

Nachdem Lübben im Juli sein Abitur bestanden hatte, flog er bereits einen Monat später – am 13. August – nach Palästina. Genauer nach Beit Jala, das etwas östlich von Bethlehem liegt. Als Ausbilder für Blechblasinstrumente arbeitet er an den lutherischen Schulen in Beit Sahour und Bethlehem sowie an der deutschen Auslandsschule „Talitha Kumi“ in Beit Jala selbst.

Dieses Abenteuer möglich gemacht hat der Verein „Brass for Peace“, der jährlich für ein gesamtes Schuljahr zwei engagierte Bläser sucht. Diese sollen die Arbeit mit den bisher ausgebildeten Blechbläsern und Neuanfängern an den Schulen fortsetzen. Lübben bewarb sich dort für einen Posten als Volontär – und hatte Glück: Der Vereinsvorstand wählte ihn zusammen mit der 24-jährigen Posaune- und Musikstudentin Carolin Modersohn für die Aufgabe aus.

„Die Bewerbungsvoraussetzungen waren recht anspruchsvoll“, erinnert sich Lübben. Aber er hätte durch eine mehrjährige Ausbildung im Einzelunterricht nicht nur ausreichend Erfahrung als Lehrer für Blechblasinstrumente vorzuweisen, sondern konnte zudem organisatorische Erfahrung mitbringen, um die eigenständige Arbeit vor Ort zu organisieren, erzählt der 18-Jährige weiter.

Zu Lübbens Kern-Aufgaben, die nun seit mehr als vier Monaten seinen Alltag prägen, gehören neben dem Einzel- und Gruppenunterricht für die rund 50 Schüler – unter denen sich sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene befinden – ebenso die Verwaltung des Instrumentariums. Der Ausbilder erzählt: „Es sind auch die kleinen, nebensächlichen Dinge, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Beispielsweise die Organisation des Stundenplans und die Planung sowie Durchführung von Auftritten.“ Für die Konzerte bei Gottesdiensten müssten häufig auch die Wochenenden und freien Tage geopfert werden.

Die ersten Erfahrungen? „Ich habe gemerkt, dass ich sehr deutsch bin“, sagt Lübben. Es gäbe viele kulturelle Unterschiede, die anstrengend seien und an die er sich selbst nach über vier Monaten noch immer nicht gewöhnt habe. Fehlende Disziplin und viel Unruhe während der Proben sowie das nicht Einhalten von Terminen und Uhrzeiten würden dazu gehören, erklärt er. „Ohne einen Terminkalender und feste Uhrzeiten würde ich nicht klarkommen.“

Und auch die Kommunikation gestaltet sich manchmal schwierig. „Gute Englischkenntnisse waren auch eine der Voraussetzungen. Das bekommt man vor allem im Unterricht zu spüren“, erklärt Lübben. „Die Unterrichtssprache ist Englisch, wobei gerade die jüngeren Kinder allerdings nur den Stammwortschatz kennen.“ Da sei Kreativität und pädagogisches Geschick gefragt.

Lübben: „Anfangs hat man versucht, sich mit Händen und Füßen zu verständigen, aber mittlerweile kann ich relativ gut Arabisch und auch die Kinder sprechen immer besser Englisch und sogar ein bisschen Deutsch.“

Seine 50 Schüler sind zwischen acht und 17 Jahre alt, allerdings würden die einzelnen Ensembles und Gruppen nicht nach Alter, sondern nach Können zusammengestellt werden, erklärt der Rotenburger.

Der Verein „Brass for Peace“ bietet – in Zusammenarbeit mit dem Berliner Missionswerk – auch die Unterkunft für die Freiwilligen. „Ich lebe gemeinsam mit Carolin und drei anderen Volontären aus Deutschland in einer WG in der Schule.“ Doch nicht nur die Ausbilder, sondern auch einige der palästinensischen Schüler wohnen unter der Woche in der „Talitha Kumi“-Schule. „Man kann es sich wie eine Art Internat vorstellen“, ergänzt Lübben.

Der Verein sei laut Lübben auch eine Chance für die Kinder, denn seinetwegen hätten die jungen Musiker die Möglichkeit, auch einmal im Ausland zu spielen, wie beispielsweise im vergangenem Jahr in Deutschland. „Für die Kinder ist es eine große Ehre.“

Der „Brass for Peace“-Vorstand legt Wert darauf, dass die Freiwilligen bewusst mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im Land umgehen. Die Menschen in Palästina würden häufig zu spüren bekommen, wie es um die aktuelle Lage zwischen Israel und Palästina steht, so Lübben.

„Wenn ich nach Jerusalem fahre, kommen an der Grenze Soldaten in den Bus und kontrollieren jeden Pass. Manchmal werde ich auch abgetastet“. Denn: „Palästinenser dürfen nicht nach Jerusalem. Diejenigen, die dort arbeiten, sind dazu verpflichtet, eine Arbeitsgenehmigung vorzuzeigen“, erzählt der Rotenburger weiter.

Für Lübben wird die angespannte Situation im Land sehr deutlich, wenn beispielsweise viel Polizeipräsenz herrscht oder Einkaufsläden geschlossen sind. Und auch seine Arbeit leidet manchmal unter dem Konflikt. „In Bethlehem wurden neulich Kinder erschossen, die auf Soldaten losgegangen sind. An diesem Tag blieb die Schule geschlossen.“

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