Interview mit dem Sprecher der Initiative Pro-IGS Frank Uhrhammer

„Hoffen auf eine breite Teilnahme an der Umfrage“

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Frank Uhrhammer

Visselhövede - In diesen Tagen bekommen die Eltern der Visselhöveder Grundschüler Post vom Landkreis. Die Behörde möchte den Bedarf einer Integrierten Gesamtschule und die von den Eltern favorisierten Standorte ermitteln. Unsere Zeitung sprach mit Frank Uhrhammer, Sprecher der Initiative Pro-IGS Visselhövede.

Herr Uhrhammer, obwohl die Oberschule in Visselhövede gut läuft, verfolgt die Gruppe Pro-IGS immer noch die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule. Warum?

Uhrhammer:Nun, eine Oberschule ist keine Integrierte Gesamtschule. In der Umfrage zum Elternwillen 2009 gab es ein beachtliches Votum für die Gesamtschule. Landkreisweit lag die Zustimmung bei rund 60 Prozent. Für eine zusammengelegte Haupt- und Realschule – und das ist die Oberschule schließlich – hatten sich lediglich 1,5 Prozent der Eltern ausgesprochen. Das kommt einer glatten Ablehnung gleich. Infolge des breiten Widerstandes aus allen Richtungen hatte die Landesregierung die Oberschule mit einigen Zugeständnissen garniert. Aufgrund dessen, die Erhaltung des wichtigen Angebotes eines Hauptschulzweiges sowie eine Bewahrung des gymnasialen Angebots war die Annahme und Entwicklung zur Oberschule mit gymnasialem Zweig ein folgerichtiger Schritt.

Mit welchen Fragen müssen die Eltern rechnen, die Post vom Landkreis bekommen? Uhrhammer:Wie erwartet, wird es zunächst eine Abfrage nach der gewünschten Schulform geben und anschließend eine standortbezogene Frage. Allerdings ist der Fragebogen nicht ganz ohne Tücken. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den Antwortvarianten ist zu empfehlen. Für die zukünftige Planung ist es von Bedeutung, möglichst sichere Angaben über die Wünsche und Vorstellungen der Eltern zu erreichen. Deshalb bitten wir auch alle Betroffenen und Interessierten um Teilnahme an der Umfrage.

Wie bereiten Sie die Eltern auf die Befragung vor?

Uhrhammer: Wir suchen natürlich den Kontakt mit allen Eltern und Erziehungsberechtigten. Über die Schulen wird ein Informationsbrief versendet. Dabei liegt der Schwerpunkt auf die Herausarbeitung der jetzigen Entwicklung im Rahmen der Möglichkeiten der Oberschule und die weiteren Möglichkeiten und Vorzüge einer Weiterentwicklung zu einer IGS. Wir wünschen uns aber das Interesse und die Unterstützung aller Visselhöveder im Einsatz um eine familien- und bildungsfreundliche Schule in unserer Stadt. Außerdem können sich alle Interessierten weiterhin auf unserer Homepage http://www.pro-igs-visselhövede.de informieren.

Wo  sollten die Eltern ihre Kreuze machen, damit in Sachen IGS wieder ein wenig Bewegung hineinkommt? Uhrhammer:Im Rahmen der vielen Gespräche mit Eltern vornehmlich im ländlichen Raum hat sich klar herausgestellt, dass sie sich ein möglichst entwicklungsoffenes und ortsnahes Schulangebot wünschen. Erst jetzt wurde durch eine aktuelle repräsentative TNS-Emnid-Umfrage klar belegt, dass sich Eltern ein längeres gemeinsames Lernen wünschen, bevor es auf die jeweiligen Schulabschlüsse zugeht. So haben sich 60 Prozent für sechs und 15 Prozent sogar für neun gemeinsame Jahre ausgesprochen. Wir wünschen uns natürlich ein klares Bekenntnis, wie vor drei Jahren für die IGS. Wie die Befragten dann mit ihrer Zweit- beziehungsweise Drittstimme umgehen, ist eine persönliche Entscheidung, für die wir keine Empfehlung geben möchten.

Wie viele Schüler braucht Visselhövede aktuell, um die gesetzlichen Vorgaben für die Errichtung einer IGS zu erfüllen?

Uhrhammer:Leider sind ja die Errichtungshürden für eine IGS mit einer Forderung von mindestens fünf Zügen unverändert geblieben. Diese Forderung nach 130 Schülern pro Jahrgang ist frühestens ab einer Gemeindegröße von etwa 15 000 Einwohnern realistisch. Das sehen wir aktuell in Oyten. Dort entsteht nach langem Einsatz von Eltern und Lehrern eine IGS. Ursprünglich fünfzügig geplant, startet sie jetzt sechszügig. Kleinere Gemeinden können diese unbegründete Errichtungshürde nicht erreichen. Jedenfalls nicht, ohne erhebliche Schülerzahlen andernorts „abzuwerben“. Dass es aber auch mit kleineren Gesamtschulen geht, zeigen uns bereits andere Bundesländer, wo es vier- beziehungsweise dreizügige Gesamtschulen gibt.

Rechnen Sie damit, dass nach der Landtagswahl bei einem möglichen Erfolg der Sozialdemokraten die hohen Hürden abgebaut werden?

Uhrhammer:Davon gehe ich sicher aus. Wir haben uns im Rahmen des Volksbegehrens für gute Schulen in Niedersachsen über zwei Jahre eng mit den bildungspolitischen Sprecherinnen der Oppositionsparteien Frauke Heiligenstadt, Ina Korter und Christa Reichwaldt ausgetauscht und uns um Veränderungen bemüht. Auch der SPD-Spitzenkandidat Stefan Weil hat sich im Januar hierzu in unserem Sinne geäußert.

Wo können sich die Eltern noch informieren?

Uhrhammer:Wir bieten heute ab 20 Uhr in der Aula der Oberschule mit der Stadtverwaltung eine Info-Veranstaltung an. Wir erwarten eine ganze Reihe Experten, die den Eltern und allen Interessierten Rede und Antwort stehen werden. · jw

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