Fünfte Auflage von „Poetry im Park“ 

Zwischen Humor und Tiefsinn

In guter Slam-Tradition durfte eine Publikums-Jury die Beiträge mit Wertungen zwischen eins und zehn honorieren. - Foto: Heyne

Lauenbrück - Perfektes Open- Air-Wetter, eine ebenso stimmungsvolle wie familiäre Atmosphäre zwischen Exmoor-Ponys und Galloways und viele hochkarätige Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet – die bewährten Zutaten für „Poetry im Park“ machten auch die fünfte Auflage am Freitagabend zu einer runden Sache.

Wie in den Vorjahren führte ein gut aufgelegter Moderator und Organisator Hauke Prigge die mehr als 500 Zuschauer durch eine spannende Vorrunde mit allen Facetten der inzwischen etablierten Kunstform: Viel Poetisches und Lyrisches, Trauriges wie Nadja Salewski mit ihren Gedanken zum Ableben ihres Hundes – und auch wieder eine gute Portion Vergnügliches, wie von Spaßkanone Tobi Kunze mit seinem gerappten „Temperaturrodeo“ deutscher Sommer.

Und doch war so einiges speziell. Das lag vor allem am Amoklauf von München, von dem einige Slammer quasi zeitgleich über die sozialen Medien erfuhren. Finalist Wehwalt Koslowsky: „Ihr habt ein Recht auf Unterhaltung – aber Slammer sind auch nur Menschen.“ Dementsprechend ernst und dramatisch fiel sein dichter Text „Fichthüter“ aus, dessen Lyrik sich nicht jedem mühelos erschloss. Schon vorher hatte Frank Klötgen, der nach Pech beim Losen der Vorgruppen haarscharf gegen Sebastian Hahn unterlag, viel leiser – und von vielen Zuschauern unbemerkt – Akzente gesetzt: Sein nur vordergründig humoriger Text „Hummelfluch“, die Beschreibung eines Kampfs von Insekt gegen Mensch – kommt zu dem Schluss: „Es gibt keine Helden – das schien mir in der Situation angemessen“, so der Münchener, der von Frau und Freunden über Handy über die Situation zuhause informiert worden war.

„Das Publikum ist hier sehr durchmisch“

Er bereute den Weg in den hohen Norden nicht: „Das Publikum ist hier sehr durchmischt.“ Das homogene Publikum der Mittzwanziger gehe dem „taktischen Schreiben“ auf den Leim, „das macht auf Dauer keinen Spaß“, so der Profi, der die „atmosphärisch dichte“ Lauenbrücker Bühne auf seiner Abschieds-Slamreise rund um die Welt nicht missen wollte.

Dass gerade die Jugend im Unterschied zu den Vorjahren fehlte, war auch Organisator Hauke Prigge aufgefallen: „Schade, aber vermutlich dem Termin in den Ferien geschuldet.“

"Poetry im Park" in Lauenbrück

Ein Novum war auch die musikalische Untermalung durch „Universal-Saxofonist“ Edwin Bohlmann aus Hellwege, der spontan für den verhinderten DJ eingesprungen war und den Abend mit seinen Improvisationen bereicherte.

Am Ende gab es wieder lauter Gewinner: Die beiden Sieger Tobias Kunze, der mit seinen Texten gegen Fremdenfeindlichkeit den Nerv des Publikums traf, sowie Wehwalt Koslowsky, die nach mehrfachen „Power-Applaus“-Abstimmungen der Zuschauer gemeinsam das von den Gastgebern Friedrich-Michael und Katharine von Schiller ausgelobte „Goldene Geweih“ des Landparks für sich beanspruchen durften, ein Publikum, das auf seine Kosten gekommen war und jede Menge satter Mücken. Die eigentliche Heldin des Abends war eine leise: Die Besucherin mit der Autanflasche. 

hey

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