Info-Veranstaltung zum Thema „Wasserqualität in Gefahr“ in Lauenbrück

Schaumkronen sind ein klares Indiz

Karsten Frömming (v.l.), Kai Siegel, Olaf Wilkens, Jörn Ehlers, Hans-Jürgen Schnellrieder, Hans-Joachim Janßen, Gabriele Schnellrieder, Volker Meyer, Manfred Radtke und Rainer Kruse waren bei der Info-Veranstaltung als Referenten oder Organisatoren tätig. - Fotos: she

Lauenbrück - Von Stefanie Heitmann. Bei einer vom Ortsverband in der Samtgemeinde Fintel von Bündnis 90/Die Grünen organisierten Informations-Veranstaltung zum Thema „Wasserqualität in Gefahr“ im Landpark Lauenbrück waren sich Referenten und Zuhörer einig: An der Wasserqualität im Landkreis muss weiter gearbeitet werden. Denn eines der Hauptprobleme des Landkreises ist, dass der Nitratwert im Grundwasser stellenweise die Obergrenze von 50 Milligramm pro Kubikmeter Wasser übersteigt.

Dies führte zu Beginn des Abends Hans-Joachim Janßen, Mitglied des Landtags für die Grünen, in seinem Vortrag aus. Ja, es gebe wie im Landkreis Cloppenburg auch hier vor Ort zu viele Nährstoffe im Boden, so Janßen. Die Anforderungen an das Wasser, den Grenzwert nicht zu überschreiten, hielten das Land Niedersachsen und die Bundesrepublik nicht ein. Deshalb habe die Europäische Union im Frühjahr Klage eingereicht.

„Drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland werden aus Grundwasser gewonnen, aber mehr als die Hälfte der Grundwassermessstellen weist inzwischen zu hohe Nitratwerte auf“, führte Janßen aus. Diese Belastung des Wassers sei durch eine zu intensive landwirtschaftliche Nutzung, etwa eine zu hohe Tierhaltungsrate und dem damit verbunden Anfall von Gülle sowie den Einsatz von weiteren Düngemitteln zu erklären, so der Landespolitiker. Der chemische Zustand der Wasserproben sei auch im Landkreis Rotenburg punktuell bedenklich, so der Politiker – wohl auch, weil leichte Sandböden das Versickern von Nitrat begünstigen. Eine Überarbeitung des Düngegesetzes sei deshalb wichtig, bei der etwa standortspezifische Obergrenzen oder auch längere Sperrzeiten für das Ausbringen von Düngemitteln festgelegt werden.

Dass es im Landkreis beim Wasser hinsichtlich der Nitratbelastung nicht gut aussieht, bestätigte auch Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbands Rotenburg-Land. „Die Hälfte der Fläche der Wümme-Niederung überschreitet den Stickstoff-Grenzwert“, so Meyer. Teilweise seien bei Messungen dreifach höhere Stickstoff-Werte zu finden. Auch seien Pflanzenschutzmittel in den obersten Wasserschichten nachweisbar. Für die Trinkwasserversorgung sei dies aber kein Thema, führte Meyer aus, da das bereitgestellte Trinkwasser aus der Rotenburger Rinne aus sehr tiefen Gesteinsschichten gefördert werde und dieses Wasser mehrere hundert Jahre alt sei.

„Dennoch geht es darum, auch den kommenden Generationen sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen“, sagte der Experte. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Region solle ein Bewusstsein für den bedachten Einsatz von Düngemitteln schaffen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Zudem sei es notwendig, die Grenzwerte einzuhalten, da das belastete Wasser aus oberen Gesteinsschichten vor allem für die Versorgung der Nutztiere und dem Anbau von Lebensmitteln verwendet werde und deshalb auch wieder in den Nahrungskreislauf und bei den Menschen lande.

Ungehemmter Algenwuchs

Dass die hohe Nitrat-Belastung real ist, bestätigte Rainer Kruse. Der erste Vorsitzende des ASV Forelle in Lauenbrück: „Die Schaumkronen auf der Wümme im Frühjahr sind ein klares Indiz für zu viel Nitrat.“ Zudem sei eine Störung des biologischen Gleichgewichts festzustellen, etwa in Form von ungehemmtem Algenwuchs und Pflanzenwucherungen wie dem Hornkraut auf Gewässern, dass den Fischen den Lebensraum nimmt.

Jörn Ehlers, Vorsitzender des Regionalverbands Rotenburg/Verden des Niedersächsischen Landvolks, erörterte die Situation aus Sicht der Landwirte: „Wir müssen im Landkreis Rotenburg 8 000 Tonnen Stickstoff einsparen, um auf einen Grenzwert von 50 Milligramm Stickstoff pro Kubikmeter Wasser zu kommen. Das können wir erreichen, indem wir weniger Mineraldünger ausbringen. Aber auch indem wir aufhören, Dünger aus anderen Landkreisen zu importieren wie etwa Hühnermist aus dem Landkreis Cloppenburg, der hier abgeladen wird“, so Ehlers. Die Zusammenarbeit zwischen Wasserschutzbeauftragten und rund 150 Landwirten zeige, dass viele bereit seien, aktiv Wasserschutz zu betreiben. Auch, wenn dies eine freiwillige Kooperation sei. Um etwa längere Zeiten ein Ausbringen von Dünger und Gülle zu verhindern, seien aber Lagerungsmöglichkeiten notwendig, führte Kai Siegel vom Verein Landberatung aus. Dies sei aber meistens mit Investitionen verbunden.

Das Ziel: Nitratbelastung senken

Die Absicht mancher Landwirte, aktiv weniger zu düngen, stellte aber ein Zuhörer infrage. Er berichtete vom sogenannten „Gülle-Silvester“, wenn am 31. Oktober jeden Jahres die Landwirte ausfahren, um die überschüssige Gülle loszuwerden. Das schade allen. Ehlers forderte deshalb, das Geld, das den Bauern in den Wasserschutzgebieten zur Verfügung gestellt wird, auch den Landwirten in anderen Regionen zukommen zu lassen, um die Nitratbelastung in allen Gebieten des Landkreises zu senken.

Dass es auch ökologische Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft gibt, führte Olaf Wilkens aus. Der Landwirt vom Bioland-Hof Riepholm setzt statt auf Dünger auf Feldfrüchte, die wenig Nährstoffe brauchen.

Lupine, Quinoa, Buchweizen oder auch Erbsen baut Wilkens an und kann von den Erträgen laut eigener Aussage gut leben. Doch Bio-Landwirtschaft sei eben kein Garantie-Geschäft: „Natürlich ist das Anbauen ein langwieriger Prozess. Man muss ausprobieren, was auf dem vorhandenen Boden gut wächst. Rückschläge gehören dazu. Aber Landwirtschaft ist auch so ertragreich möglich“, so Wilkens.

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