„Ich mache alles außer Särge“

Romina Lis gestaltet Gemüsebeet in einen Halloween-Friedhof um

Zwei Tage hat Romina Lis an der Mumie gearbeitet, die heute Abend in der Berliner Straße zu sehen sein wird. - Foto: Heyne

Lauenbrück - Von Ulla Heyne. Wenn Montagabend der Gemüsegarten von Günter Gruß an der Berliner Straße zum Treffpunkt für Gruselfans, Untote und Vampire wird, steckt dahinter Romina Lis. Im Interview verrät uns die Lauenbrückerin, wie sie zu ihrem ungewöhnlichen Hobby kam und was sie von Reformationstag, Pentagrammen und Kindersärgen hält.

Frau Lis, Sie stecken viel Zeit und auch einiges Geld in den Lauenbrücker Halloween-Friedhof. Woher kommt Ihre Begeisterung für Halloween?

Romina Lis: Fasziniert hat es mich schon immer. Konkret angefangen hat es 2005, als meine Schwester und mein Schwager eine Halloweenparty veranstaltet und den Garten dekoriert haben. Da habe ich den Vorbau des Hauses mit Folie zum Steinkerker umgebaut – mit Steinhänden, die aus der Wand kamen. Und mit einem Nachbarn Kürbisse geschnitzt – er wegen der Kerne, ich wegen der Fratzen.

Was ist der besondere Kick – Sie könnten ja auch Herbst- oder Weihnachtsdeko basteln?

Adventsdekoration mache ich auch, mit beleuchteten Rentieren auf dem Vordach und Balkon. Generell finde ich es schön, selbst Dinge zu gestalten. Kaufen kann jeder!

Aber Särge und Mumien – das ist ja schon etwas morbid. Werden Sie dafür schräg angeguckt oder sogar kritisiert?

Ja, gelegentlich. Ein Nachbar hat sich vor Jahren mal bei der Gemeinde beschwert, weil ich zu Halloween einen „Sarg“ in meinem Garten hatte – ein zweckentfremdeter Tapetenkarton. Dabei hat das ja nichts mit Teufelsanbetung zu tun, sondern ist nur ein Angebot für alle, die daran Spaß haben.

Was sagen Sie zu dem Argument, man solle lieber den Reformationstag feiern?

Die Leute, von denen so etwas kommt, leben oft gar nicht christlich – wenn man mal nachfragt, wissen sie in den seltensten Fällen, worum es in der eigenen Religion eigentlich geht. Oder sogar was am Reformationstag geschah. Ich bin Kirchenmitglied, singe im Gospelchor – und habe kein Problem damit, darüber zu diskutieren! Und wenn man es genau nimmt, kam der Reformationstag erst nach Halloween. Denn dieses entstand aus dem Glauben heraus, dass an Allerheiligen, die Seelen der Verstorbenen sich unter die Lebenden mischen, sie wurden mit Lebensmitteln versorgt, um sie gütlich zustimmen. Hieraus entstand das Süßigkeiten verteilen. Die Menschen verkleideten sich, als Tote, um dem Tod ein „Schnippchen“ zu schlagen. Der Tag begann damals um 0 Uhr und Halloween kommt vom „All Hallows Eve“.

Und Ihre Veranstaltung hat ja auch ausgesprochene Fans...

Ja, das hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt. Letztes Jahr waren die 100 Würstchen, die ich gekauft hatte, um halb Acht alle.

Was ist für Sie der schönste Moment?

Die Vorbereitungen machen schon Spaß, aber am schönsten ist es, wenn die Kinder kommen, wenn Leute sich über die lustigen oder skurrilen Grabinschriften freuen, oder Leute mit irren Kostümen oder geschminkt kommen.

Gibt es dieses Jahr auch etwas Neues?

Ja, Prinz Pentawere, einer der Söhne Ramses III. Das ist der ehemalige Körper der Figur „Kürbisköpfchen“, einer Schaufensterpuppe. Die habe ich mit Steinen, Vogelsand und Styropor gefüllt; jetzt kommen noch ein paar Schichten Mullbinden. Nach zwei Tagen Arbeit dürfte er fertig sein. Eigentlich hätte ich noch einige Grabsteine neu machen wollen – einiges aus der Anfangszeit war noch aus Karton und im Lauf der Zeit so feucht geworden, dass ich es letztes Jahr entsorgen musste, aber das ist auch eine Frage der Zeit. Ideen für Grabsteininschriften habe ich jedenfalls noch jede Menge!

Wo bekommen Sie die Inspiration dafür her – fallen die Ihnen einfach so ein?

Die meisten existieren tatsächlich irgendwo, meistens im irischen oder amerikanischen Sprachraum. Ich schnappe viel auf, in Zeitungsartikeln oder im Internet. Meine Sprüche und auch Bastelanleitungen, Rezepte und Tipps gebe ich auch über meine Website weiter.

Gibt es für Sie Tabus?

Ich mache keine Särge oder Figuren in Kindergröße – das muss nicht sein. Es gibt keine Pentagramme oder Teufelssymbole, und bei mir werden auch keine christlichen Symbole entweiht. Da hört der Spaß auf.

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