Die Faszination des gesprochenen Wortes

Poetry im Park: „Besser als jede RTL-Comedy“

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Hauke Prigge auf der Naturbühne im Landpark. Von Anfang an ist er als Moderator dabei. 

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Es gibt sicher viele Menschen, die Texte schreiben – jedoch treten die wenigsten damit auf. Nicht so bei „Poetry im Park“, dem Dichterwettstreit im Lauenbrücker Landpark. Der ist mittlerweile schon zu einer kleinen Tradition geworden, findet am Freitagabend doch bereits die fünfte Ausgabe statt. Kurz vor dem Startschuss haben wir den gebürtig aus Helvesiek stammenden Moderator und Mitbegründer, Hauke Prigge, zum Interview gebeten.

Herr Prigge, hat sich im fünften Jahr der „Poetry im Park“ etabliert?

Hauke Prigge: Das hat er schon im zweiten oder dritten Jahr, würde ich sagen. Aber vor allem das vergangene mit 600 Zuschauern hat uns gezeigt, dass wir definitiv zu den begehrtesten Kulturevents in der Region, vielleicht sogar überregional zählen. Klar, an große Musikgroßveranstaltungen kommen wir nicht heran – aber bei uns ist die Unterhaltung eben auch gepaart mit schöner Natur und familiärem Flair.

Sie sind selbst in Deutschlands Poetry-Slam-Szene unterwegs. Wie funktioniert diese?

Prigge: Die Poetry Slam ist stark gewachsen in den vergangenen fünf Jahren. Deswegen ist es viel schwerer, die Szene in Worte zu fassen als früher. Aber im Kern sind es immer noch so gefühlt hundert bis zweihundert Leute, die einfach Spaß am Herumreisen haben und ihre Texte vor Publikum performen. Gleichzeitig ist eine Aufsplittung hin zu Einladungs-Slams, die reine Unterhaltungsveranstaltungen werden, und kleinen Slams, die eher für Newcomer gedacht sind, sichtbar. Wir wollen das Beste aus beiden Welten vereinen.

Was genau trägt man bei einem Poetry Slam eigentlich vor und wie kann man sich den Ablauf vorstellen?

Prigge: Es müssen immer selbstverfasste Spoken-Word-Texte sein. Dabei sind der Kreativität und dem Ausdruck nahezu keine Grenzen gesetzt. Ob lustige Kurzgeschichten, ernste Gedichte, die tief ins Herz gehen oder experimentelle Sachen – alles ist möglich. Man darf lediglich nicht Singen, keine Requisiten benutzen und muss ein Zeitlimit einhalten. Bei uns am Freitagabend treten die Slammer nacheinander in einer Vorrunde auf und das Publikum entscheidet mit Wertungstafeln, wer ins Finale der besten zwei oder drei Slammer kommt. Im Finale wird noch ein Text vorgetragen und das Publikum entscheidet per Applaus über den Gewinner.

Würden Sie sagen, dass heitere, leichte Texte beim Publikum besser ankommen als ernste, lyrische Prosa?

Prigge: Das ist gemischt. Bei den meisten Slams gewinnen in der Regel lustige Texte, weil die den Geschmack der Masse oft eher treffen. Es ist leichter mit einem mittelmäßigen lustigen Text das Publikum zumindest zu erfreuen, als mit einem mittelmäßigen ernsten. Gleichzeitig können aber auch ernste, tiefsinnige Beiträge, die wirklich von Herzen kommen, manchmal eine Magie entfalten, die jedem den Mund offen stehen lässt.

Was reizt die Menschen denn so am gesprochenen Wort, wo man doch heutzutage am liebsten ins Kino geht, Fernsehen schaut oder im Internet surft?

Prigge: Ich glaube nicht, dass jeder das am liebsten tut. Massenmedien und seichte Unterhaltung sind oftmals eher eine Ablenkung, zum Beispiel vom Alltag. Ich glaube, jeder Mensch sehnt sich nach Substanz und beim Poetry Slam sind oft viele Leute versammelt, die neben Talent auch sehr viel Substanz haben. Da kommen manchmal Humortexte, die RTL-Comedy bei weitem in den Schatten stellen, aber auch Beiträge, die Wachrütteln. Außerdem ist das Publikum als Wertungsjury eben auch mittendrin und beteiligt am Geschehen. Das hat man im Kino nicht.

Was war die beste oder auch schlimmste Erfahrung, die Sie als Moderator beim „Poetry im Park“ gemacht haben?

Prigge: Bei der ersten Ausgabe gab es einen Slammer, der etwas zu tief ins Glas geschaut hatte. Beim Versuch über einen Zaun zu klettern, gab es für ihn eine klaffende Wunde am Arm. Der Schock saß damals wirklich tief. Zum Glück war ein Arzt im Publikum.

Drinnen oder draußen?

Die Wetterprognosen für Freitagabend sagen Regen und Gewitter voraus. Keine guten Voraussetzungen für den Open-Air-Slam, der gegen 19.30 Uhr starten soll. Dennoch haben die Organisatoren Vorkehrungen getroffen. Sollten sich die Vorhersagen bewahrheiten, findet die Veranstaltung nicht wie geplant auf der Naturbühne, sondern im Innenhof des Landparks in einem großen Zelt statt. Platz für mindestens 300 Zuschauer würde diese Ausweichlösung immerhin bieten, ein frühes Erscheinen wäre aufgrund der begrenzten Plätze in diesem Fall empfehlenswert, heißt es von Veranstalterseite. Karten zum Preis von neun Euro (ermäßigt sieben Euro) sind an der Abendkasse erhältlich. Der Einlass erfolgt ab 17.30 Uhr. Informationen zum Line-up und zum aktuellen Stand der Dinge gibt es im Internet, unter anderem auf den Social-Media-Kanälen.

www.landpark.de

"Poetry im Park" in Lauenbrück

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