Ferdinands Feld: 8000 Elektro-Fans feiern auf dem Rotenburger Flugplatz

Im Bann der Beats und Bässe

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15 Stunden mächtige Beats und prachtvolles Sommerwetter – die Besucher erlebten ein rauschendes Festival, das sich vor keinem anderen seiner Art verstecken muss.

Rotenburg - Von Lars Warnecke. Sie sind infiziert von der elektronischen Musik, vom Rhythmus, der nie aufzuhören scheint: die Besucher von „Ferdinands Feld“. 35 DJs aus dem In- und Ausland gaben am Wochenende sämtlichen Spielarten elektronischer Musik eine Plattform. Es war auf dem Rotenburger Flugplatz das zweite Open-Air seiner Art, das rund 8000 Fans aus allen Himmelsrichtungen anlockte. Und immer mittendrin: das namensgebende Maskottchen.

Ferdinand ist beliebt. Kaum ein Augenblick vergeht, dass der betagte Herr samt weißem Schnurrbart, nostalgischer Uniform undFliegermütze nicht von einer das Handy gezückten Menschentraube umringt ist. Die Partysanen wollen Fotos – mit ihm, ohne ihn, aber vor allem: Sie wollen feiern, trinken, sich zu den synthetisch-kraftvollen Klängen in völlige Ekstase tanzen. Sind es in den Vormittagsstunden erst einige hundert, die den Weg auf den Flugplatz gefunden haben, entfaltet das Elektro-Festival gegen Abend dank Tausender zuckender Leiber seine ganze Magie.
Auf Ferdinands Hut gekommen

Schade, haben die Hamburger Minimal-Techno-Veteranen von Moonbootica, immerhin an diesem Tag der bekannteste Name unter den drei Dutzend nationalen wie internationalen Künstlern, zu diesem Zeitpunkt schon ihren Job getan – abseits der Hauptbühne vor eher überschaubarem Publikum.

Sei es drum, auf Namen kommt es bei einer Veranstaltung wie dieser eh nicht an. Eher auf die von den DJs heruntergespielten Sets, auf die große Show mit Konfetti-Kanonen sowie satten Licht- und Pyroeffekten – und auf wuchtige, monoton aus den Boxen schallende Beats. Dass an denen keiner vorbeikommt, ist den drei Bühnen, in diesem Fall „Terminals“, zu verdanken, die das weitläufige Gelände flankieren.

„Ist ja ganz schön Laser hier“, findet Tom (23) aus Groß Mackenstedt bei Bremen. Was er damit eigentlich sagen will: Tom gefällt das Festival ausgesprochen gut. Mit Freunden ist er angereist, der Rausch wird später auf dem Zeltplatz ausgeschlafen. Heute feiert er Junggesellenabschied, im Alligatorenkostüm, nächste Woche dann seine Hochzeit. Toms Eindruck: „Das Konzept ist stimmig, die Musik ist laut, das Wetter prachtvoll, die Leute sind am Abzappeln – und der Jägermeister schmeckt – was will man mehr?“

Bier und Korn statt Tomatensaft

In der Tat überlassen die Veranstalter in Sachen Konzept rein gar nichts dem Zufall. Vor der Kulisse immerzu startender und landender Flugkörper – nur einen Steinwurf vom eingezäunten Festivalgelände entfernt – wähnt sich das Feiervolk nicht nur geographisch auf einem Airport: Es gibt einen Duty-Free-Shop, einen Check-In, eine Departure-Anzeige (mit Angaben, wann und wo welcher Act aufspielt), ja sogar „Stewardessen“, die den Sechzigerjahren entsprungen zu sein scheinen, sind im Einsatz, und servieren dem zahlenden Gast Bier und Korn anstelle von Tomatensaft. Das ist mit einer derartigen Detailverliebtheit umgesetzt, dass es eine wahre Freude ist, an diesem Tag Teil des Spektakels zu sein.

Ein von @kreiszeitung.de gepostetes Foto am

So sehen es auch Laura, Nora und Marie aus Zeven. Mit ihrem Blumenschmuck im Haar erinnert das Trio an selige Woodstock-Zeiten. Nostalgie trifft auf Moderne, möchte man meinen. Gerade sind die Anfangzwanziger auf dem Weg zur nächsten Bar. „Wir machen es uns jetzt erstmal gemütlich, Sitzmöglichkeiten gibt es hier ja zum Glück reichlich“, kündigen sie an. Auch wenn das Festival bis weit nach Mitternacht läuft, haben sie sich extra früh auf den Weg gemacht. „Für 45 Euro Eintritt muss man den Tag ja auch ausnutzen“, erklärt Laura und erzählt, dass die Einlasskontrolle sehr genau war: „Die haben an meinen Zigaretten geschnüffelt.“ – „Bei mir haben sie ins Portemonnaie geguckt, wohl auf der Suche nach Drogen“, ergänzt Nora.

Feiern, so lehren es die Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit, ist das eine – Sicherheit das andere. So patrouilliert auch heute das Security-Personal mit wachsamem Auge – und das nicht nur vor den Bühnen. Eingreifen muss es nicht, wie am Tag danach aus Polizeikreisen zu vernehmen ist. Das bestätigt auch ein völlig erschöpfter Roland Nielebock vom Veranstalter: „Es gab keine Zwischenfälle, am Toiletten- und am Foodtruckkonzept werden wir aber noch arbeiten müssen.“

Darauf hoffen auch einige Festival-Fans im Netz, die zwar begeistert von der Idee und dem Geschehen auf den Bühnen waren, sich allerdings von dem Drumherum enttäuscht zeigten. Das schrieben sie auch direkt auf die Facebook-Seite von Ferdi:

Spätestens bis zum 5. August nächsten Jahres bleiben Nielebock und seinem Team dafür Zeit – dann soll die dritte Ausgabe stattfinden. „Der Vorverkauf startet schon Ende dieses Monats“, verrät er.

„Friedlich – und familiär“, das ist auch der Eindruck von Wolfgang Masemann. Den 53-jährigen hat es zum ersten Mal auf das „Ferdinands Feld“ verschlagen, gemeinsam mit einigen Spielern seiner Fußballmannschaft. Eigentlich höre er ja lieber die Musik von Pur, Peter Maffay und Bruce Springsteen. „Einige der Jungs haben mir vorgeschlagen, mit hierher zu kommen und ich dachte, ich schau’s mir mal an“, sagt Masemann. Und es hat sich gelohnt: Vor „Terminal 2“ tanzt der Familienvater in einem Pulk junger Musikfans zu der Mischung aus House und Techno von Steve Norton: „Die Menschen und die Atmosphäre hier sind wunderbar“, schwärmt er.

Jan Leyk, Moonbootica und andere Acts beim Ferdinands Feld 

23 Uhr, die Luft über der Hauptbühne zittert, während das aus Augsburg stammende Dj-Duo Gigo’n’Migo langsam den Bass hochdreht. Im Publikum recken sich tausende Hände in die Höhe, als ob sie den Beat greifen wollten. Wie schon so oft in den vergangenen Stunden. Das letzte DJ-Set unter der Mondsichel treibt die Stimmung der Festivalgänger noch einmal auf den Siedepunkt. Nur die wenigsten wissen, wer dort hinter dem Pult im Stroboskopgewitter die Knöpfchen dreht. Und es ist auch egal. Nur ein Name dürfte nach dem 15-Stunden-Feiermarathon wohl jedem geläufig sein: der Ferdinand mit seinem weißen Schnurrbart, der nostalgischen Uniform und seiner Fliegermütze.

Die Fotos vom Festival

Blumenmädchen bei Ferdinands Feld Festival

Party auf Ferdinands Feld

Tanzen und Konfetti: Beste Stimmung auf Ferdinands Feld 

Ferdinands Feld Festival - der Abend

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