„Vereinbarkeit“ ist ein Schlüsselfaktor / Fachkräftemangel begegnen / Zertifizierung wird gefördert

Familie im Fokus der Auditoren

Warben bei Unternehmern für mehr Familienfreundlichkeit im Betrieb (v.l.): Heiko Sulimma, Friederike Husheer, Susanne Jahn, Ina Wenhold und Gerd Hachmöller, der Leiter der Landkreis-Wirtschaftsförderung.

Rotenburg - KREIS ROTENBURG (sf) · Der demografische Wandel ist da, der Fachkräftemangel zeichnet sich ab. Auch kleine und mittlere Unternehmen, im Jargon der Wirtschaftsförderer kurz KMU, sind gut beraten, sich darauf einzustellen. Eine Möglichkeit, sich als Betrieb attraktiv zu positionieren, ist die Familienfreundlichkeit. Und um die ging es bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für Qualitätsentwicklung, die das „audit berufundfamilie“ empfiehlt. Gerd Hachmöller, Leiter der Wirtschaftsförderung, konnte zwei Dutzend Interessierte aus Wirtschaft und Verwaltung dazu am Montagabend im Kreishaus begrüßen.

Eingangs machte Hachmöller die Dringlichkeit des Themas an Zahlen deutlich. Bis 2005 habe der Landkreis noch einen positiven Wanderungssaldo verbuchen können. Seither habe sich der Zuzug verlangsamt und im Verein mit dem merklichen Rückgang der Geburtenzahl kündige sich eine „relativ dramatische Entwicklung“ an. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften könne nur bedingt von den heutigen Auspendlern aufgefangen werden, die einen Arbeitsplatz im Landkreis finden könnten. Um dieses Reservoir anzuzapfen, müssten die Betriebe attraktive Arbeitsbedingungen bieten.

Eine „familienbewusste Personalpolitik“ ist für Friederike Husheer ein „Schlüsselfaktor“ in dem Bemühen. Auf dem Weg dorthin bietet die Gesellschaft für Qualitätsentwicklung die Auditierung an. Betrieben mit bis zu 250 Beschäftigten werde dabei eine 50-prozentige Förderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und vom Land Niedersachsen angeboten. Das Projekt läuft allerdings zum Jahresende aus. Wer in den Genuss der Zuschüsse kommen möchte, sollte sich sputen. Für ein Auditing mitsamt dreijähriger Begleitung werden einem Unternehmen mit bis zu 25 Beschäftigten 5000 Euro in Rechnung gestellt. Die Hälfte davon übernehmen EU und Land. 11 000 Euro kostet das Auditing für einen Betrieb, der zwischen 101 und 250 Mitarbeiter zählt. Wer es ganz genau wissen möchte, wird im Internet unter „http://www.beruf-und-familie.de“ fündig.

Wie so ein Auditing funktioniert, erläuterte Heiko Sulimma. Für ihn ist der „demografische Wandel“ zum Unwort des Jahres aufgestiegen, nur vor dem „Mangel an Arbeitskräften bei ständig steigenden Qualifikationen“ dürfe man nicht die Augen verschließen. Wer mehr Frauen ins Erwerbsleben integrieren möchte, müsse an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf feilen. Befragungen jüngerer Arbeitnehmer, auch solcher ohne Kinder, hätten ergeben, dass Familienfreundlichkeit den gleichen Stellenwert habe wie das Gehalt. Insbesondere die KMU hätten da Nachholbedarf. Das Audit unterstütze betriebliche Prozesse, mit dem geschützten Logo lasse sich trefflich nach außen werben.

Ihre Erfahrungen mit dem Audit schilderten Susanne Jahn, deren Verein „Musikspielplatz Thedinghausen“ mittlerweile 24 Musiklehrer beschäftigt und auf dem Weg zu einem Franchisegeber ist, und Ina Wenhold aus Hanstedt, Personalleiterin bei der Deerberg-Unternehmensgruppe, einem rapide gewachsenen Versandhandelsunternehmen mit drei Standorten und mittlerweile 250 Mitarbeitern. Die Praktikerinnen betonten den Sinn der Auditierung; der Blick von außen helfe, „Betriebsblindheit“ zu korrigieren.

Kommentare

Kommentar verfassen