Bremervörder müssen sich verantworten

Gaffer-Prozess beginnt

Die Szene, die bundesweit für Aufsehen sorgte: Gaffer liefern sich während der Rettungsarbeiten beim Eisdielen-Unfall eine handfeste Rangelei mit Polizisten und Einsatzkräften der Feuerwehr. - Foto: Bick

Bremervörde - Von Corvin Borgardt. Ihr Verhalten hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und sogar eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht. Jetzt müssen sich die drei Gaffer, die sich beim tödlichen Eisdielen-Unfall im vergangen Jahr in Bremervörde eine Rangelei mit Einsatzkräften lieferten, vor Gericht verantworten. Das Verfahren gegen die drei Bremervörder beginnt am 29. September vor dem Amtsgericht der Ostestadt.

Die 20, 26 und 35 Jahre alten Männer hatten mit ihrem Verhalten am Unfallort an der Neuen Straße bundesweit für Empörung gesorgt. Nachdem eine 59-jährige Bremervörderin am 5. Juli 2015 mit ihrem Mercedes in das Verkauffenster der Eisdiele „Pinocchio“ gefahren war und sich die Rettungskräfte um die Verletzten kümmerten, hatte einer der Männer die Rettungsarbeiten mit seinem Handy gefilmt. Der Aufforderung der Polizei, das Filmen zu unterlassen, kam der Mann nicht nach – ebenso wenig einem Platzverweis. Stattdessen kam es zu einer handfesten Rangelei zwischen zwei Polizeibeamten, den drei Bremervörden und mehreren Feuerwehrleuten. Die beiden Polizisten wurden bei der Auseinandersetzung verletzt.

Bereits am 15. März hatte die Staatsanwaltschaft Stade die Anklageschrift gegen die Männer verfasst. Mehr als ein halbes Jahr später startet nun der Prozess am Donnerstag, 29. September, um 9.15 Uhr am Bremervörder Amtsgericht. Verhandelt wird gegen alle drei Männer vor der Jugendkammer, da einer der Angeklagten zur Tatzeit Heranwachsender war.

Sogar Haftstrafen drohen

Laut Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas habe sich das Trio gleich mehrfach strafbar gemacht. Die Vorwürfe gegen die Männer reichen von gefährlicher Körperverletzung über Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung, Bedrohung bis hin zu Beleidigung und Erpressung.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Stade dem 26 Jahre alten Angeklagten vor, sich wegen Bedrohung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung strafbar gemacht zu haben. Wie das Amtsgericht Bremervörde mitteilte, habe er, als die Einsatzkräfte die beim Unfall verstorbenen Personen bargen, auf eine Aufforderung, den abgesperrten Bereich zu verlassen, geantwortet: „...dich werde ich noch umbringen, ich bringe Waffen mit“. Einem ihm dann durch einen Polizisten erteilten Platzverweis sei er nicht nachgekommen und habe gegen den Versuch, ihn wegzuführen, Widerstand geleistet und im Verlauf der sich daraus ergebenden Auseinandersetzung zwei Polizisten verletzt.

Dem 20-Jährigen wird vorgeworfen, dem 26-Jährigen Hilfe geleistet und eine Körperverletzung begangen zu haben. „Er habe einen Feuerwehrmann, der den Polizisten habe helfen wollen, in den Rücken geschlagen oder getreten und anschließend ins Gesicht geschlagen“, heißt es in der Pressemitteilung des Amtsgerichts.

Dem 35 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, eine versuchte Nötigung begangen zu haben. Als der 26-Jährige sein Handy, das einer seiner Begleiter hatte, von einem Polizisten verlangte, der es aber nicht im Besitz hatte, soll der 35-Jährige dem Polizisten gedroht haben, ihn „fertig zu machen“. „Er werde ihn kriegen, er solle das Handy herausrücken, ansonsten werde er ihn verprügeln“, soll der Angeklagte gesagt haben.

Das Interesse der Medien dürfte groß sein, da der Vorfall eine Diskussion über die Bestrafung von Gaffern in Gang gebracht hatte. Wer aus Sensationsgier hilflose Unfallopfer fotografiert oder Rettungskräfte behindert, soll künftig leichter bestraft werden können. Der Bundesrat hat im Frühjahr eine Gesetzesinitiative des Landes Niedersachsen beraten, mit der das deutsche Strafgesetzbuch entsprechend ergänzt werden soll. Die Gesetzesinitiative sieht Geld- oder sogar Haftstrafen für Gaffer vor, die Rettungsarbeiten behindern und stellt das Anfertigen von Aufnahmen toter Unfallopfer unter Strafe. 

bz

Mehr zum Thema

Anklage gegen Unfallfahrerin

Anklage gegen 60-Jährige erhoben

Nach dem Eisdielen-Unfall: Anklage gegen Gaffer steht

Mehr zum Thema:

Späte Tore lassen Werder jubeln

Späte Tore lassen Werder jubeln

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Meistgelesene Artikel

Bereicherung für beide Seiten

Bereicherung für beide Seiten

Erstklässler von Bibliothek begeistert

Erstklässler von Bibliothek begeistert

Schwerer Unfall in Ahausen

Schwerer Unfall in Ahausen

Der Name soll bleiben

Der Name soll bleiben

Kommentare