Anklage will Fahrerin „zur Rechenschaft ziehen“

Prozess gegen Verursacherin von tödlichem Eisdielen-Unfall beginnt

Ungebremst rast am 5. Juli 2015 der Mercedes Kombi einer 59-jährigen Bremervörderin in das Eiscafé „Pinocchio“. Dabei werden ein zweijähriges Kind und ein 65-jähriger Bremervörder tödlich verletzt. Donnerstag beginnt der Prozess gegen die Fahrerin. - Archivfoto: bz

Bremervörde - Von Rainer Klöfkorn. Mehr als 16 Monate sind seit dem tragischen Verkehrsunfall vor dem Eiscafé „Pinocchio“ vergangen, bei dem am 5. Juli 2015 zwei Menschen starben.

+++Update Mittwoch, 15 Uhr+++Neuen Informationen zufolge wird der Prozess nicht am Donnerstag, 17. November, beginnen. Alles Weitere lesen Sie hier.

 

Am Donnerstag um 9 Uhr soll vor dem Bremervörder Amtsgericht der Prozess gegen die 60-jährige Unfallfahrerin aus Bremervörde beginnen. Der Richter hat bislang einen Verhandlungstag angesetzt. Ob ein Tag ausreichen wird, den Prozess bereits am Donnerstag mit dem Urteil abschließen zu können, wird sich zeigen. 

Immerhin hat das Gericht drei Zeugen – darunter zwei Polizisten – geladen, die zu dem Unfallhergang befragt werden sollen. Außerdem sollen zwei Gutachter ihre Untersuchungen über die Angeklagte beziehungsweise den Zustand ihres Autos vorstellen. Allerdings steht hinter dem ganzen Verfahren noch ein dickes Fragezeichen. Denn am Dinerstagabend hieß es im Umfeld der Unfallfahrerin, sie sei krank. Offiziell bestätigt wurde die Meldung vom Amtsgericht noch nicht – am Mittwoch soll eine Entscheidung fallen.

Als Nebenkläger der beiden Unfallopfer wollen sich die Ehefrau und die beiden Töchter des 65-jährigen ehemaligen Polizisten aus Bremervörde und die Eltern des zweijährigen Jungen aus Bevern von Anwälten vertreten lassen.

Zwei Tote und mehrere Verletzte

Gemeinsam mit anderen Personen standen die beiden Opfer am 5. Juli 2015 gegen 17.30 Uhr vor dem Eiscafé, als der Mercedes Kombi der Bremervörderin ungebremst von der Ludwigstraße über die Neue Straße fuhr und in das Fenster des Außenverkaufs raste. Der 65-Jährige und das kleine Kind waren sofort tot. Sechs weitere Personen, darunter die Mutter des getöteten Jungen und der Besitzer des „Pinocchio“, wurden zum Teil schwer verletzt.

Über Monate machte die damals 59-jährige Verursacherin gegenüber den Ermittlungsbehörden keine Angaben. Im Juni erhob die Stader Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Bremervörderin. Ein technischer Defekt am Unfallauto wird ausgeschlossen, hieß es damals.

Die Staatsanwaltschaft geht von Fahrlässigkeit aus. Entsprechend sei die Fahrerin deshalb „zur Verantwortung zu ziehen“. Weitere Angaben machte die Justizbehörde damals nicht, Grund dafür seien „zu achtende Persönlichkeitsrechte der Angeklagten“.

Im August terminierte das Amtsgericht in Bremervörde die Verhandlung gegen die Angeklagte auf den 17. November. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, hieß es in der Pressemitteilung, „dass die Angeschuldigte kurz vor dem Unfall einen epileptischen Anfall erlitt und so die Kontrolle über das Fahrzeug verlor.“ Die Bremervörderin habe die Medikamente gegen die ihr bekannte Erkrankung nicht eingenommen. Sie hätte erkennen können, dass sie nicht mehr fahrtüchtig war, wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor.

Prozessbeginn gegen Gaffer weiter offen

Unklar ist weiterhin, wann der Prozess gegen die drei sogenannten Gaffer fortgesetzt wird. Die Bremervörder Brüder im Alter von 20, 26 und 35 Jahren sollen versucht haben, die Rettungsarbeiten vor dem „Pinocchio“ mit dem Handy zu fotografieren und der Aufforderung der Polizei, dies zu unterlassen, nicht gefolgt sein. 

Dabei kam es zu einer handfesten Rangelei mit Polizisten und Feuerwehrmännern. Der 26-Jährige soll mit seinem Handy fotografiert haben, als die Leichen der beiden Unfallopfer geborgen worden seien. Daraufhin habe ihm ein Polizist einen Platzverweis erteilt, dem der Angeklagte nicht nachgekommen sei. Er soll stattdessen einen Polizisten geschlagen und bedroht haben.

Die Verhandlung gegen die drei Angeklagten vor dem Jugendgericht fand jedoch am 29. September ein schnelles Ende. Ihre Verteidiger beantragten, dass für den weiteren Prozess die Hauptakte des Unfall herangezogen werden sollte. Dem Antrag stimmte das Gericht zu, die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Vor Gaffer-Prozess: Hauptprozess muss beendet sein

Wann der nächste Prozesstag stattfinden wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Erst müsse der Hauptprozess gegen die Unfallfahrerin beendet sein, heißt es aus Justizkreisen. Danach erhielten die Anwälte der Angeklagten die Hauptakte zur Einsicht. 

Erst danach könne die Verhandlung wieder aufgenommen werden. Die Schwierigkeit dabei: Gericht und Verteidigung müssten sich auf einen Termin einigen, der in den Kalender aller Beteiligten passt. Insofern sei kaum damit zu rechnen, dass der „Gaffer-Prozess“ vor Frühjahr 2017 fortgesetzt werde.

Der Auftakt dieses Prozesses fand unter einem großen Medieninteresse statt. Davon sei bei der für Donnerstag geplanten Verhandlung nicht auszugehen, heißt es vom Bremervörder Amtsgerichtsdirektor Helmut Claudé.

bz

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