LBEG beendet Untersuchungen im Landkreis Rotenburg

Giftstoffe an fünf Erdgasförderplätzen

Was steckt wirklich drin im Boden an den Erdgasförderstätten? Die ersten Ergebnisse liegen vor. - Foto: dpa

Bothel - Von Michael Krüger. Fünf von 36 untersuchten Erdgasförderplätzen im Landkreis Rotenburg weisen nach Angaben des Landesbergamts (LBEG) schädliche Bodenverunreinigungen auf.

Im Juli 2015 hatten die Behörden am Förderplatz Hemsbünde Z 2 unter großer öffentlicher Teilnahme damit begonnen, erste Bodenproben zu nehmen. Bis Ende des Jahres sollen 200 der 455 Förderplätze im Land unter die Lupe genommen werden. Der Ort der ersten Untersuchung war nicht ganz zufällig gewählt: Von Bothel aus wurde die jahrelange Debatte um die Gefahr von Fracking und Co. im September 2014 ins Bewusstsein der Politik und Behörden in Hannover getragen. Eine erhöhte Krebsrate bei älteren Männern, später auch für die Stadt Rotenburg nachgewiesen, und die Frage: Gibt es einen Zusammenhang mit der massiven Erdgasförderung in der Region?

Nun ist klar: An den Erdgasförderplätzen Hemsbünde Z 1 (Dea) und Bötersen Z 1 (ExxonMobil) wurden laut LBEG in Sedimentproben aus Entwässerungsgräben auffällige Werte für Quecksilber festgestellt. An den Erdgasförderplätzen Sottrum Z 1 (ExxonMobil), Hemsbünde Z 2 (Dea) und Hemsbünde Z 4 (Dea) sind auffällige Werte im Boden für sogenannte Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nachgewiesen worden.

Nun schließen sich weitere Untersuchungen an, die nach Angaben des LBEG von den jeweiligen Erdgasförderunternehmen durchzuführen sind. Mit diesen soll ermittelt werden, ob die festgestellten auffälligen Werte Auswirkungen auf Menschen oder die Umwelt haben. Falls dies der Fall sein sollte, folge eine abschließende Gefährdungsbeurteilung. Diese stehe noch aus.

Die vom LBEG beauftragte Ingenieurgesellschaft hat an 36 aktiven Erdgasförderplätzen im Kreisgebiet insgesamt 388 Bodenproben entnommen und die Ergebnisse der chemischen Analysen bewertet. Der Anteil der im Landkreis untersuchten Förderplätze liegt laut LBEG mit 70 Prozent deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von rund 44 Prozent. Für die Untersuchungskampagne im Umfeld von Erdgasförderplätzen wurden in den Erdgasfeldern die jeweils ältesten noch in Betrieb befindlichen Bohrungen ausgewählt. Ziel der Untersuchungen sei es, herauszufinden, ob und wenn ja, wie stark die Erdgasförderung den Boden verändert. Die Kosten der niedersachsenweiten Untersuchungen belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Rotenburg ist der erste Landkreis, für den jetzt die gutachterlichen Bewertungen vollständig vorliegen. Kritiker bemängeln am Untersuchungsdesign des LBEG, dass es keine Analyse von Luftwerten, Wasserwerten oder eine Suche nach Schadstoffen in den Pflanzen der Umgebung gibt.

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