Eine Doppelhochzeit und lebenslange Pferdeliebe

Zwillinge angeln sich jeweils eine Schneiderin

Im Jahr 1965 feierten sie schon ihre Verlobung gemeinsam, heute nun begehen sie einen ganz besonderen Ehrentag – nämlich ihre Doppelgoldhochzeit (von links): Jupp und Renate sowie Marlies und Willi Middelbeck. - Foto: Nosthoff

Kleinenkneten - Von Anja Nosthoff. Dass Zwillinge oft eine besondere Verbundenheit zueinander haben, ist allgemein bekannt. Dass zwei Zwillingsbrüder jedoch auch am gleichen Tag heiraten, ist nicht unbedingt alltäglich. Bei Jupp und Willi Middelbeck war genau das am 22. September 1966 der Fall. An diesem Datum nahmen die beiden Rechterfelder Jungs zwei Schneiderinnen zur Frau. So feiern heute Jupp und Renate, geborene Klingenberg, aus Rechterfeld, sowie Willi und Marlies, geborene Sieverding, aus Kleinenkneten, gemeinsam ihre goldene Hochzeit.

Wie sie ihre Herzdamen kennen lernten, daran erinnern sich die Middelbeck-Zwillinge noch genau. Zufällig trafen sie beide im Jahr 1961 auf die Liebe ihres Lebens. Damals waren sie 21 Jahre alt.

Jupp traf seine Renate auf der Visbeker Oktober-Kirmes. „Das war die schönste Kirmes meines Lebens“, schwärmt der 76-Jährige noch heute. „Danach sind wir lange zusammen gelaufen, bis wir geheiratet haben“, berichtet Renate, die 18 Jahre alt war, als sie ihren Mann kennenlernte. Auch Marlies und Willi erinnern sich gerne an ihr erstes Zusammentreffen: „Das war auf einem Weinachtsball in der Bauerschaft Hausstette bei Bakum“, erzählen sie.

„1966 bis 2016“

Aus diesen ersten Begegnungen wurde Liebe, die nun schon beinahe ewig hält. Der goldene Kranz um die Haustür der Middelbecks und die großen Schilder, für die die Nachbarn verantwortlich zeichnen, sprechen für sich. „Das Beste am Norden sind unsere GOLDIGEN Nachbarn“ oder „Nichts ist unmöglich“ und „1966 bis 2016“ ist dort etwa zu lesen.

Die Middelbeck-Zwillinge waren sich übrigens nicht nur bei ihrem Hochzeitsdatum einig, auch sonst haben sie jede Menge Gemeinsamkeiten. „Es ist schon seltsam, aber obwohl sie sich nie vorher absprechen, sind sie oft in ähnlicher Kleidung und in derselben Farbe gekleidet“, verrät Monika, die älteste Tochter von Renate und Jupp. Bei beiden zog sich auch die gleiche große Leidenschaft, nämlich die Begeisterung für Pferde, durch das ganze Leben. Erfolgreich waren und sind die Eheleute in der Pferdezucht aktiv. Damit steckten die Brüder ihre Frauen ein wenig an.

„Mit uns konnten sie keine Verwechslungsspielchen treiben“

Die Zwillinge sind ebenso wie ihre Frauen von klein auf landwirtschaftlich geprägt. „Immer noch halten sie Haus und Hof in Schuss und sind, wenn das Wetter es zulässt, gerne mit den Fahrrädern unterwegs“, erzählt Annette, die jüngste Tochter von Marlies und Willi.

Ebenso wie Jupp und Willi sich in vielem einig sind, halten auch ihre Frauen zusammen: „Wir haben unsere Männer von Anfang an immer sofort erkannt. Mit uns konnten sie keine Verwechslungsspielchen treiben“, stellen die beiden klar. Und das geben die Zwillinge freimütig zu: „Damit war es ab dem Jahr 1961 vorbei.“

Denn zuvor war das gleiche Aussehen der Brüder durchaus das eine oder andere Mal als Grundlage für einen kleinen Streich genutzt worden. So erinnern sich die Zwillinge beispielsweise lachend an ihr unvergessenes „Schokokuss-Essen“.

„Wir fuhren damals jeden Tag mit dem Zug zur Landwirtschaftsschule. Wenn wir dann am frühen Nachmittag wieder am Bahnhof in Rechterfeld ankamen, holten wir uns am Kiosk immer ein bisschen Proviant für den Nachhauseweg“, erinnert sich Willi. Der Kioskverkäufer wunderte sich bald über die Unmengen an Schokoküssen, die die Brüder verdrücken konnten. „Da kriege ich wohl 20 Stück von auf“, hatte Willi dann einmal geprahlt. Das sollte er allerdings erst einmal beweisen – und zur Belohnung diese Schokoküsse dann gratis erhalten. „Ich habe sofort gesagt, das mache ich – wenn ich einmal zwischendurch rausgehen darf“, so Willi. Natürlich schickte der clevere Zwilling während dieser Pause dann seinen Bruder zum Weiteressen. „Hinterher haben wir uns aber gestellt – und mussten trotzdem nichts bezahlen“, stellt Willi klar.

Unter den Enkeln auch ein Zwillingspaar

Ihre Zwillings- und damit vielleicht auch ihre Schabernacksgene haben die Middelbecks übrigens weitergegeben, damit allerdings eine Generation übersprungen: Unter den Enkeln von Marlies und Willi findet sich ein 16-jähriges Zwillingspaar. Die Schar der Kinder und Enkel ist sowieso groß: Bei Renate und Jupp sind es vier Kinder und acht Enkel, bei Marlies und Jupp, drei Kinder und sieben Enkel – die Jüngste ist dreieinhalb Monate alt.

Der Ehrentag der Goldpaare beginnt heute mit einem Dankgottesdienst in der St.-Antonius-Kirche in Rechterfeld, in der sich die Ehepaare vor 50 Jahren das Ja-Wort gaben und in der ebenso der Gottesdienst zur Silberhochzeit gefeiert wurde. Mit der Kutsche machen sie sich anschließend auf den Weg nach Erlte, wo das Fest mit der Familie, Verwandten, Nachbarn und Freunden gefeiert wird.

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