Einblicke in das Leben eines Schweins in der modernen Landwirtschaft

1,52 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht

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Schwein Nummer „111“ und seinem Wurfbruder „112“ geht es gut. Der „Hundertelfer“ wiegt inzwischen rund 90 Kilogramm.

Bühren - Von Ove Bornholt. Unsere Zeitung begleitet das Schwein mit der Ohrmarke „111“ über seine Lebensabschnitte auf dem Hof Ralf Stöver in Bühren (Landgemeinde Wildeshausen). Es geht darum, wie in der modernen Landwirtschaft gearbeitet wird. Der siebte Serienteil befasst sich damit, was der „Huntertelfer“ und die anderen Schweine dem Bauern einbringen und wie der Preis ermittelt wird.

Mittwochnachmittags verrät Bauer Ralf Stöver der Blick auf sein Smartphone, was er für seine Schweine bekommt, wenn sie bis zum folgenden Mittwoch geschlachtet werden. „Der Schweinepreis vom 3.11. bis zum 9.11. ist 1,52 Euro (Veränderung zur Vorwoche +/-0)“, steht in der SMS, die er an diesem Mittwoch von der Raiffeisen Viehzentrale in Ganderkesee bekommen hat. Damit sind 1,52 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht gemeint. Vor sechs Wochen haben die Schlachtereien noch 1,72 Euro gezahlt. Anfang des Jahres waren es 1,28 Euro.

Ausgehend von etwa 125 Kilogramm schweren Schweinen und einem Ausschlachtungsanteil von 78 Prozent – der Rest sind unter anderem Innereien und Hoden – bedeutet das, dass Stöver Anfang des Jahres im Schnitt rund 130 Euro für ein Tier erhalten hat. Im Sommer waren es um die 170 Euro und jetzt sind es zirka 150 Euro. Je nachdem, wie viel mageres Fleisch ein Schwein hat und ob es von der Masse in das von der Fleischerei vorgegebene Raster von 85 bis 103 Kilogramm Schlachtgewicht passt, gibt es noch individuelle Zu- und Abschläge.

Bleibt noch zu klären, was für den Landwirt übrig bleibt. Bei den Kosten pro Tier fallen vor allem der Preis für das Ferkel (70 Euro) und das Futter (60 Euro) ins Gewicht. Hinzu kommen zehn Euro unter anderem für Impfungen, die Tierseuchenkasse, Energie und Wasser. Das heißt, Anfang des Jahres machte Stöver pro Tier sogar einen kleinen Verlust. Aber auch wenn die Preise so stabil sind wie jetzt und zehn bis 20 Euro pro Tier übrig bleiben, muss Stöver noch die Fixkosten wie Personal, seine Arbeitszeit, Abschreibungen für Gebäude und Maschinen abziehen. Und dann fehlen immer noch Investitionen und Rückstellungen für die Altersvorsorge.

Zahl der kleineren Betriebe geht weiter zurück

Der Preis pro Kilo Schlachtgewicht wird von den Schlachtereien, der „Roten Seite“, wie Stöver sagt, und den Landwirten, der „Grünen Seite“, verhandelt. „Der Absturz von 1,72 Euro auf 1,52 Euro ging relativ flott“, meint er. Sonst sei der Markt etwas träge, wobei An- und Abstieg in diesem Jahr außergewöhnlich seien. „Früher war das nicht so extrem.“

Das könnte daran liegen, dass es nur noch wenige große Schlachtereien gibt. Zudem geht die Zahl der kleineren Betriebe weiter zurück, wie der Deutsche Fleischer-Verband mit Sitz in Frankfurt in seinem Geschäftsbericht für 2015 schreibt.

Der Preis werde durch die Zahl der Schlachtungen beeinflusst, sagt Stöver. „Sobald die deutschlandweit auf unter eine Million sinken, wollen die Schlachtereien ihre Produktionsstätten auslasten, der Preis sinkt.“ Ansonsten läge die Verhandlungsmacht eindeutig auf der „Roten Seite“. Bauern wie Stöver müssen liefern, egal wo der Preis steht. Wenn sie die Tiere länger behalten und füttern, werden sie zu schwer, passen nicht mehr in die Maske der Schlachtereien. Außerdem rücken die jüngeren Schweine nach, die den Platz in den Ställen brauchen.

Die Bildung der Preise lässt den „Hundertelfer“ naturgemäß recht kalt. Mitte September brachte Stöver ihn in den Maststall. Dort hat er ordentlich zugelegt, wiegt jetzt um die 90 Kilogramm. Schon nach der Geburt war Nummer „111“ eines der stärksten Tiere, dabei ist es geblieben. Auch jetzt ist er um einiges kräftiger als die meisten der anderen zehn Schweine in seiner Box, die nach Tierwohl-Kriterien unter anderem mit zusätzlichem Spielmaterial ausgestattet ist. „Jetzt zahlt sich aus, was man vorher gemacht hat“, meint Stöver und bezieht sich damit unter anderem auf Impfungen und das richtige Futter. Die gute Verfassung des „Hundertelfers“ hat allerdings auch eine Schattenseite: Die kräftigen Tiere werden zuerst geschlachtet, die leichteren noch eine Weile gemästet. Und bald ist es soweit: In ein paar Wochen geht das Schweineleben von „111“ zu Ende.

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Teil 5: Nummer „111“ zieht in Tierwohl-Bucht um

Teil 4: Ferkel „111“ lernt, sich durchzusetzen

Teil 3: Eber kommt um Kastration herum

Teil 2: Routinierte Geburtshilfe hilft Ferkel auf die Welt

Teil 1: Die erste Milch ist entscheidend für ein Ferkel

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