Ursula und Hans Sternberg nach 30 Jahren in den Ruhestand

Ein Stück Wildeshausen geht: Kiosk schließt seine Türen

Ursula und Hans Sternberg gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand. - Fotos: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Der Abschied fällt ihnen schon schwer. „30 Jahre können eben nicht so einfach weggewischt und vergessen werden“, sagen Ursula und Hans Sternberg, die ihren Kiosk an der Harpstedter Straße in der Kreisstadt am Silvestertag zum letzten Mal auf- und zuschließen – dann ist endgültig Schluss. „Wir wollen unseren Ruhestand noch genießen, immerhin ist Hans schon 75 und ich bin 74 Jahre alt.“

Derzeit suchen die Eheleute einen Mieter für die Räumlichkeiten. „Fakt ist aber, dass hier kein Kiosk und auch kein Imbiss reinkommt“, betont Ursula Sternberg. „Nicht nur, dass wir das Lager in unserem privaten Keller haben, wir würden damit auch nicht fertig werden, wenn hier wieder ein Kiosk eröffnet. Besonders Hans würde dann immer wieder ein Auge darauf haben, ob auch alles stimmt und außen sauber ist.“ Interessierte können sich am Kiosk oder unter der Telefonnummer 04431/4947 melden.

Die Kunden können sich gar nicht damit anfreunden, dass ihnen der Service von Uschi und Hans bald nicht mehr zur Verfügung steht. Auch während unseres Besuchs bei Sternbergs melden sich einige zu Wort und drücken ihre Traurigkeit aus. „Plötzlich zeigt Ursula Sternberg auf ein Bild, es zeigt den Kiosk: „Das hat mir eine Fünfjährige gemalt. Die Kleine sagte, dass Tante Uschi dann später immer wüsste, wie der Kiosk mal ausgesehen habe.“

Verstehen können die Eheleute die Kunden sehr gut, die sich nun völlig umorientieren müssen. „Viele davon sind uns seit 30 Jahren treu. Sie kommen nicht nur zum Einkaufen, sondern auch, um zu klönen und ihre Probleme loszuwerden. Manchmal fühle ich mich wie eine Beichtmutter.“ Aber das sei auch gut so: „Uns war es immer wichtig, das Familiäre zu erhalten. Die Kunden sollten eben keine Nummern sein.“

Dass der Dienst am Kunden stets groß geschrieben wird, beweisen einige Kladden die die Eheleute aufschlagen: „Darin ist genau festgehalten, wer an welchem Tag wie viele und welche Brötchen bekommt. Am Sonnabend gehen bei uns immerhin mehr als 500 Brötchen über den Tresen.“ Wichtig sei auch, dass die verschiedenen Zeitschriften sofort nach dem Eintreffen sortiert würden: „Auch dafür haben wir eine Liste, wer welche Fernsehzeitung oder so bekommt.“ Ein Blick unter den Tresen zeigt, dass dort die verschiedenen Kisten mit den Zeitschriften stehen, die bestellt sind.

Dann zeigt die 74-Jährige auf eine weitere Kladde: „Hier drin schreibe ich an, so wie es früher ganz normal war. Es kommt oft vor, dass jemand mal sein Geld vergisst. Natürlich gebe ich auch dem die Ware mit.“ Selbst Lkw-Fahrer die bei ihr einkauften, kämen hin und wieder ohne Geld: „Ich habe niemals schlechte Erfahrungen gemacht, habe stets mein Geld bekommen.“

Hatten Sternbergs zuvor die Gaststätte „Unter den Eichen“ an der Hermannstraße und etwas später den „Birkenkrug“ an der Harpstedter Straße, so wurde der Kiosk Ende Januar 1986 eröffnet. Grund dafür war die Tatsache, dass der kleine Edeka-Laden an der Mittelstraße seine Türen geschlossen hatte. „Immer mehr Kunden fragten uns, ob wir im Lokal nicht wenigstens Zeitungen und Brötchen verkaufen könnten“, erinnern sich Hans und Ursula. Diese Belastung hätten sie sich seinerzeit aber nicht auch noch antun wollen: „Unser Sohn Jörg hat uns dann den Vorschlag gemacht, einen Kiosk zu bauen: „Nach 20 Jahren Kneipe haben wir uns also umentschieden.“ Begonnen habe alles auf einer Grundfläche von nur neun Quadratmetern.

Von Beginn an hätten die Leute den Kiosk sehr gut angenommen. „Hier oben gab es ja damals noch gar nichts. So waren die Kunden froh, wenigsten das Nötigste bei uns zu bekommen, um nicht den Weg in die Stadt zurücklegen zu müssen“, so Ursula Sternberg. Schon bald habe sich herausgestellt, dass der Kiosk zu klein ist. Bereits drei Jahre nach der Eröffnung haben wir auf die heutige Größe von 40 Quadratmetern erweitert“, so Hans Sternberg.

Über all die Jahre hat er sich rührend um die Kunden gekümmert. „Wenn jemand von den Älteren mal nicht gekommen ist, dann habe ich kurz nachgeschaut, ob alles okay ist. Natürlich habe ich dann auch die Zeitung gleich frei Haus geliefert.“

Auf diesem Wege bedanken sich die Eheleute bei den Mitarbeitern Ilse Zubel, die seit mehr als 25 Jahre im Kiosk gestanden hat, und Brigitte Hovinga, die ihnen sechs Jahren treu zur Seite stand.

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