Besucher erleben Justiz beim Tag der offenen Tür hautnah

Staatssekretärin bekräftigt Amtsgerichtsstandort

Polizist Rolf Quickert informierte die Besucher am Simulator über das richtige Verhalten im Straßenverkehr. - Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wo sonst mancher Angeklagter in Erwartung seines Urteils schwitzt, transpirierten am Sonntagvormittag gut 70 Besucher während der Eröffnung des Tags der offenen Tür im Amtsgericht Wildeshausen.

„Sie wollen kein langes Grußwort hören, ich will kein langes halten“, brachte es die Präsidentin des Oberlandesgerichts (OLG) Oldenburg, Anke van Hove, in Saal 1 des Gerichtsgebäudes auf den Punkt. Eine Weisheit, die an manchem der sechs Redner vorbeiging. Was aber nichts daran ändert, dass durchaus Erfreuliches zum Erhalt des Amtsgerichtsstandortes Wildeshausen zu hören war.

„Wie viele Jubiläen stehen noch an? Müssen wir uns Sorgen machen? Ich glaube nicht“, kam Staatssekretärin Stefanie Otte aus dem Justizministerium direkt auf den Punkt. Die Justiz müsse in der Fläche erhalten und für den Bürger erreichbar bleiben. „Es gibt keinen Anlass zur Sorge“, so die Juristin. Anlass für die Diskussion ist die Mitte dieses Jahres geäußerte Forderung des Landesrechnungshofes, kleinere Amtsgerichtsstandorte aus Kostengründen zusammenzulegen. Wildeshausen gehört mit etwas weniger als sechs vollen Richterstellen zu eben diesen kleineren Behörden.

„Ich möchte den Standort unbedingt erhalten“, brach Landrat Carsten Harings eine Lanze für das Amtsgericht Wildeshausen. Der Kreis-Justizverein und der Landkreis seien dafür, den Zuständigkeitsbezirk um die Gemeinde Hatten zu erweitern. Auch die Bürger der Kommune würden das erwarten. Man solle wirtschaftliche Hinweise ernst nehmen, aber „wir sind für den Dienst am Kunden, am Bürger da“, mahnte Harings. Das Landes-Justizministerium hatte sich jedoch gegen einen Wechsel ausgesprochen. Otte verlor dazu am Sonntag kein Wort.

Bürgermeister Jens Kuraschinski brachte neben der auch von ihm gewünschten Zuordnung der Gemeinde Hatten eine Übernahme von Hude ins Gespräch. Dies wäre eine Stärkung des Mittelzentrums Wildeshausen, so der Verwaltungschef. Auch angesichts von einigen Offizieren der Schützengilde ließ Kuraschinski es sich nicht nehmen, scherzhaft den Standort ganz in Frage zu stellen. „Was wollen wir mit einem Amtsgericht? Wir haben schließlich ein Gildegericht, das immer harte, aber gerechte Urteile fällt.“

Neben der Debatte um die Zukunftsaussichten des Gerichts gab es für die Gäste einiges zu sehen und zu hören. „Sie können die Justiz hier realistischer sehen als bei Barbara Salesch“, ermunterte von Hofe die Besucher und kündigte an, sich in den Gefangenenbus, den die Justizvollzugsanstalt Oldenburg zur Verfügung gestellt hatte, zu quetschen.

Die Besucher schwärmten dann auch aus, informierten sich beim Justizverein, schauten in die Dienststuben des Katasteramts, des zentralen IT-Betriebs der Landes-Justiz und beim Service-Desk für IT-Fortbildung vorbei. Draußen nahmen sie mit Gerät des Katasteramts Maß, und drinnen informierte Polizist Rolf Quickert am Simulator über das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Die Behörden zeigten viele Facetten und waren bürgernah wie sonst selten. Aber dafür sind Tage der offenen Tür ja auch da.

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