Diebe auf dem Wildeshauser Friedhof

Selbst vor „Sternenkindern“ wird nicht Halt gemacht

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Maria Kathmann kümmert sich regelmäßig um die Grabstelle der „Sternenkinder“. Sie kann das Verhalten der Menschen nicht verstehen, die sogar vor dem Friedhof nicht Halt machen und Gegenstände klauen.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Die Wildeshauserin Maria Kathmann versteht die Welt nicht mehr, sie ist überaus verärgert. Kopfschüttelnd steht sie am Grab der „Sternenkinder“, denn wieder wurde etwas vom Grabschmuck gestohlen. „Was sind das nur für Menschen?“, fragt Kathmann, die mit anderen Mitgliedern der Hospizhilfe die Pflege der Grabstelle übernommen hat.

„Bei den Sternenkindern handelt es sich um Tod- und Fehlgeburten unter 500 Gramm, die hier in Urnen beigesetzt werden“, erklärt Kathmann. „Hier haben die Familien einen Platz zum Trauern. Die Grabstelle wurde 2004 von uns eingeweiht. Wir begleiten auch die regelmäßigen Trauerfeiern zu den Urnenbeisetzungen.“

Da sei es selbstverständlich, dass die Eltern auch Engel, Leuchten oder andere Gegenstände aufstellen. „Es kann doch nicht sein, dass einige uneinsichtige Zeitgenossen selbst vor Gräbern nicht Halt machen und sich an diesen Dingen vergreifen“, so Kathmann. Erst kürzlich sei wieder ein größerer Engel gestohlen worden: „Ganz abgesehen von den Kosten, hat gerade solcher Grabschmuck für die Angehörigen einen hohen ideellen Wert.“ Sie selbst habe allein im vergangenen Jahr fünf Mal eine neue Gießkanne kaufen müssen, weil die alte gestohlen worden sei.

Laternen und Kupferbuchstaben entwendet

Aber das ist längst noch nicht alles. Von anderen Trauernden weiß Kathmann, dass auch von ihren Grabstellen immer wieder etwas gestohlen wurde: „Es sind zum Beispiel schon kupferne Laternen weggekommen, die mit einem Stein fest in den Boden eingelassen sind. Die Sachen werden komplett ausgebuddelt und mitgenommen. „Solche Laternen kosten mehrere Hundert Euro. Mir wurde auch schon erzählt, dass die Kupferbuchstaben von Grabsteinen geschlagen und gestohlen wurden. Wahrscheinlich werden diese dann verkauft, weil Kupfer ja nicht gerade billig ist.“

Immer wieder stellen Angehörige Grabschmuck auf die Stelle der „Sternenkinder“ – immer wieder wird er gestohlen.

Auch der Leiter des städtischen Friedhofs, Heiko Witt- rock, kennt das Problem: „Allerdings ist mir in den vergangenen Wochen nichts mehr zu Ohren gekommen.“ Es sei wichtig, dass sich die Geschädigten bei ihm und der Polizei melden, um den Diebstahl anzuzeigen: „Egal welchen Wert das Gestohlene hat, auf dem Friedhof etwas klauen ist wirklich das Letzte, eine große Schweinerei.“ So gebe es schließlich auch Frauen, die von ihrer recht knappen Rente Grabschmuck kaufen: „Für sie ist es dann besonders schlimm, wenn er nach wenigen Tagen schon gestohlen wird.“

Ein Lied davon kann auch Gertrud Rosenbusch-von Deetzen, Floristin im Team des Blumengeschäfts „Zaubergarten“ singen: „Immer wieder kommen Kunden zu uns und berichten, dass ihr schöner Grabschmuck, Vasen, Gestecke oder Blumen entwendet wurden.“ An Dreistigkeit kaum zu überbieten scheint ein Vorfall zu sein, mit dem sich auch die Polizei beschäftigt habe: „Mehrere Enkel hatten auf eine große Laterne ihre Namen eingravieren lassen und sie dem verstorbenen Großvater aufs Grab gestellt. Wenige Tage später war die Laterne verschwunden.“ Umgehend sei die Polizei eingeschaltet worden: „Die Laterne wurde dann doch tatsächlich im Vorgarten eines Wildeshausers wiedergefunden.“

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