Mutmaßlicher Täter muss in Entziehungsanstalt

Schlag in Shisha-Bar wird nicht geahndet

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Wegen einer Körperverletzung wurde am 2. April um 7.33 Uhr die Polizei zu einer Shisha-Bar an der Kleinen Straße in Wildeshausen gerufen. Ein 43-jähriger aus der Kreisstadt sollte dort von einem 36-jährigen, ebenfalls aus Wildeshausen, mit der Faust im Gesicht getroffen worden sein.

Am Montag trafen sich die damaligen Kontrahenten zur Verhandlung im Amtsgericht und machten unterschiedliche Aussagen. Eine Bewertung der Vorfälle musste die Richterin jedoch nicht vornehmen. Sie stellte das Verfahren ein, da der Angeklagte voraussichtlich wegen weiterer Taten zwei Jahre und einen Monat in Haft muss und eine Einweisung des Oberlandesgerichts Oldenburg in eine Entziehungsanstalt hat, um seine Alkoholprobleme in den Griff zu bekommen.

Angesichts der Einträge im Bundeszentralregister, die von Diebstahl über Sachbeschädigung, das Aufsprengen von drei Geldautomaten bis hin zu Taten unter Alkoholeinfluss reichen, nahm sich die Anklage der Körperverletzung eher gering aus. Der Wildeshauser soll den anderen Gast grundlos geschlagen haben, beteuerte aber, er habe seinen Kontrahenten nur weggeschubst, woraufhin dieser offenbar gestürzt sei. „Er wollte sich an der Theke immer wieder dazwischendrängeln“, so der Angeklagte. Und weiter: „Der war besoffen.“

Davon wollte das 43-jährige Opfer nichts wissen. Er habe lediglich zwei bis drei Biere getrunken, sagte der Mann. Dann sei ihm, während er mit einem Kumpel an einem Tisch saß, grundlos von dem Angeklagten mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen worden.

Es gibt einige Ungereimtheiten bei dem Vorfall: Die Polizei hatte einen Atemalkoholwert von 2,74 Promille bei dem Opfer gemessen, der nicht von bis zu drei Bieren zeugt. Der Kumpel des Angegriffenen, ein 34-Jähriger aus Bielefeld, sprach anders als sein Freund von einem Faustschlag. Der Wirt behauptete, dass es keine Plätze an der Theke gebe, während die anderen Beteiligten sehr wohl davon sprachen. So ganz klar war auch nicht, wie viele Menschen sich um diese Uhrzeit in der Bar befanden. „Das einzige Objektivierbare hier ist der Alkoholwert“, stellte der Verteidiger nüchtern fest.

Eine Klärung musste dann aber nicht herbeigeführt werden, da auch laut Bewährungshelfer auffallend ist, dass die vergangenen Straftaten nach starkem Alkoholkonsum verübt wurden.

Deshalb stellte die Richterin das Verfahren ein, weil zunächst ein Entziehungsaufenthalt anliegt. Immerhin entschuldigte sich der Angeklagte mit den Worten: „Wenn ich etwas falsch gemacht habe“. Das mutmaßliche Opfer zeigte sich am Ende der Verhandlung enttäuscht darüber, dass keine Bestrafung herauskommt, wenn jemand geschlagen wird.

dr

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