Kurz vor dem Amtsgerichts-Urteil kommt die Wahrheit dennoch ans Licht

Satteldiebstahl: Angeklagte erfindet Geschichte

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg.  Weil sie auf einem Reiterhof in Kleinenkneten zusammen mit einer Freundin einen Sattel gestohlen hatte, wurde eine 23-Jährige aus Colnrade am Montag vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1 200 Euro verurteilt. Hatte die Frau den Diebstahl zunächst nicht zugegeben und behauptet, den Sattel im Internet gekauft zu haben, gab sie die Tat später dann doch zu und beschuldigte ihre Freundin der Mittäterschaft. Diese dürfte nun auch noch vor Gericht landen.

Nach übereinstimmenden Aussagen der Angeklagten und von Zeugen war die damals 22-Jährige am 12. September mit ihrer Freundin auf dem Pferdehof. Sie hatte den Vertrag bereits vorher zum 30. September gekündigt. An diesem Tag kümmerte sich um ihre vier Pferde, räumte ihren Schrank aus und nahm zwei ihrer Pferde mit.

Zeitgleich hatten sich die Mitglieder des Hofes nach einem Arbeitsdienst zum Grillen getroffen. Man kannte sich, die 22-Jährige hingegen war dort weitgehend unbekannt. Als sie und ihre Freundin weggefahren waren, wurde der Diebstahl eines Sattels im Wert von knapp 500 Euro bemerkt, der einem Mädchen gehörte. Die Mitglieder suchten vergeblich in allen Spinden. Dann rief die Hofbesitzerin bei der Colnraderin an und fragte, ob sie vielleicht den Sattel mitgenommen habe. Das wurde jedoch verneint.

Die Angeklagte berichtete in der Beweisaufnahme, dass sie am 15. November in Twistringen einen Sattel über Ebay-Kleinanzeigen gekauft hatte. Bei der polizeilichen Vernehmung war der Verkaufsort noch Bassum gewesen. Es gab zudem einen Verkaufsbeleg, auf dem eine Verkäuferin stand, die in der Region nicht gemeldet ist, das Wort „Bassum“ wurde nur mit einem „s“ geschrieben. Bei dem Sattel handelte es sich ganz offenbar um das gestohlene Exemplar.

Sattel wird von Polizei abgeholt

Mitglieder des Reitvereins berichteten vor Gericht, dass sie trotz intensiver Recherche über mehrere Monate keine derartige Anzeige bei Ebay gesehen hatten. Eine Zeugin hatte sich jedoch bei der Colnraderin wegen einer Reitbeteiligung gemeldet und dann bei einem Besuch am 8. Dezember den Sattel im Schrank entdeckt. Wenig später wurde der Gegenstand zusammen mit der Polizei abgeholt und zweifelsfrei identifiziert.

„Ich glaube Ihnen kein Wort“, richtete sich die Richterin nach der Beweisaufnahme an die Angeklagte. Der Sattel sei weder bei Ebay eingestellt gewesen, noch gebe es eine Verkäuferin aus Bassum oder Twistringen. Noch habe sie die Möglichkeit, zu gestehen.

Was dann auch geschah. Die 23-Jährige berichtete, ihre Freundin habe Sattel und Trense mitgenommen. „Aber Sie waren im selben Fahrzeug?“, fragte die Richterin und stellte fest: „Dann sind sie Mittäterin.“ Außerdem habe man ja den Sattel zweifelsfrei bei der Angeklagten gefunden. Somit habe sie ihn wohl haben wollen.

„Ich war bescheuert, mich mitreißen zu lassen“, gestand die Colnraderin und entschuldigte sich bei der jugendlichen Besitzerin des Sattels, die ebenfalls im Gerichtssaal war. Sie gab auch zu, den Kaufvertrag selbst geschrieben zu haben, weil sie ihre Freundin aus der Sache heraushalten wollte. Diese dürfte nun aller Voraussicht schon bald ebenfalls vor Gericht stehen, denn der Staatsanwalt schrieb eifrig mit.

„Sie müssen lernen, Verantwortung für Ihre Taten zu übernehmen“, erklärte die Richterin in ihrem Urteil. Sie haben ein Mädchen bestohlen. Ich hoffe, die Bestrafung ist Ihnen eine Lehre.“

Während die Staatsanwaltschaft 1. 600 Euro als Strafe gefordert hatte, reduzierte die Richterin diese Summe wegen gemeinschaftlichen Diebstahls auf 1 .200 Euro zuzüglich der Übernahme der Verfahrenskosten. Den Sattel hat die Reiterin übrigens bereits vor Monaten zurückbekommen und nutzt ihn weiter.

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