Denkmalschützer erhalten Mauerwerk und tolerieren „uneinheitliches Farbenspiel“

Rathausfassade: Nicht alle Fugen bekommen neuen Kalk

Bis Mitte Juli hämmerten die Arbeiter den kompletten Putz aus den Mauerfugen. Danach wurde nur noch partiell repariert.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Das Gerüst am Wildeshauser Rathaus wird schon bald abgebaut, die Verfugungsarbeiten sind beendet, obwohl bei weitem nicht alle Fugen ausgekratzt und neu gefüllt wurden. Auf Weisung der Oberen Denkmalschutzbehörde aus Oldenburg soll nun doch nicht die ganze Fassade des historischen Gebäudes saniert werden. Das dürfte für ein uneinheitliches Bild des Mauerwerks sorgen. Aber damit hat die Behörde kein Problem – sie befürwortet es sogar.

Mit der jetzt vorzeitig beendeten Maßnahme ist auch die Geschichte einer zunächst ganz anders geplanten Sanierung beendet. Ursprünglich war vorgesehen, die Fugen des zuletzt im Jahr 2001 überarbeiteten und in der Vergangenheit schon nicht einheitlichen Backsteinmauerwerks komplett auszukratzen. Danach sollte das unter Denkmalschutz stehende Gebäude überall mit Muschelkalk gefugt werden, um nach der Reinigung eine Versiegelung vorzunehmen.

Im Rahmen einer Begehung mit dem Denkmalschutz aus Oldenburg und des Landkreises wurde nun aber die Versiegelung komplett gestrichen. Die Experten erläuterten, dass im Mauerwerk feine Risse seien, die von einer Versiegelung nicht erfasst werden könnten. In der kühlen und nassen Jahreszeit könnte Feuchtigkeit durch diese Risse in das Mauerwerk eindringen und wegen der Versiegelung nicht wieder austreten. Das wiederum könnte zu massiven Schädigungen führen, die größer wären als ein Schaden, der ohne Versiegelung zu erwarten wäre.

Auf dem Gerüst stellten die Denkmalschützer auch fest, dass Teile der Fassade gar nicht so geschädigt sind, wie es ursprünglich angenommen worden war. Somit ordneten sie an, diese Bereiche so zu belassen und nur noch stellenweise Reparaturen vorzunehmen.

Wenn das Gerüst abgebaut wird, dürfte sich dem Betrachter ein uneinheitliches Mauerwerk mit alten Fugen und neuen Muschelkalkfugen bieten. Nach Einschätzung des Denkmalschutzes ist aber ungleichmäßiges und uneinheitliches Farbenspiel zu tolerieren, weil es die mittelalterliche Praxis ständiger Reparaturen auch auf kleineren Flächen widerspiegelt.

Neben den Mauerarbeiten standen in den vergangenen Wochen noch Malerarbeiten an Fenstern und Türen an. Für die gesamte Maßnahme sind im Etat der Stadt 70. 000 Euro eingeplant.

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