Einblicke in das Leben eines Schweins in der modernen Landwirtschaft

Nummer „111“ zieht in Tierwohl-Bucht um

Inmitten der anderen Schweine läuft der Eber mit der Ohrmarke „111“ durch einen schmalen Gang. - Fotos: bor

Bühren - Unsere Zeitung begleitet das Schwein mit der Ohrmarke „111“ über seine Lebensabschnitte auf dem Hof Ralf Stöver in Bühren (Landgemeinde Wildeshausen). Es geht darum, wie in der modernen Landwirtschaft gearbeitet wird. Der sechste Serienteil befasst sich mit dem Umzug des „Hundertelfers“ vom Ferkelaufzucht- in den Maststall, in dem er bleiben wird, bis der Transporter ihn zur Schlachterei bringt.

Die Zeit als Ferkel ist abgelaufen. Ab jetzt geht es für den „Hundertelfer“ darum, zuzunehmen. Und zwar durchschnittlich rund 900 Gramm pro Tag. Am Ende soll er 125 Kilogramm wiegen, was ein Schlachtgewicht von etwa 96 Kilo bedeutet. Noch bringt Schwein Nummer „111“ um die 35 Kilogramm auf die Waage.

Kürzlich stand der Umzug vom Ferkelaufzucht- in den Maststall an, die auf dem Betrieb von Ralf Stöver in Bühren dicht beieinander liegen. In der alten Bucht des „Hundertelfers“ war es recht beengt geworden. Die Tiere hatten ordentlich zugelegt. Als das Presseschwein unserer Zeitung vor neun Wochen in die Box gekommen war, hatte es rund 8,5 Kilo gewogen. Jetzt haben die Eber und Sauen fast das Vierfache auf den Rippen, da wird der Platz naturgemäß knapp.

Schweine bekommen eine Impfung

Der „Huntertelfer“ ahnt vorher vermutlich nichts von seinem Umzug, er gehört zu der ersten Gruppe, die aus dem Stall getrieben wird. Landwirt Stöver und ein Helfer haben jeweils einen paddelförmigen Stab und ein etwa 130 mal 80 Zentimeter großes Brett – beides aus Plastik –, mit denen sie die Tiere aus ihrer Bucht durch einen schmalen Gang heraus und in eine Transportbox scheuchen, die an einem Traktor hängt. Als die 22 Schweine, alle aus der Bucht von „111“, drinnen sind, bekommen sie eine Impfung. Schon nach der Geburt hatten sie Spritzen gegen Erreger, die typisch für den Betrieb Stöver sind, erhalten. Doch deren Wirkung hat sich nun abgebaut, erklärt der Landwirt. Jeder Betrieb hat seine eigenen Stämme von Bakterien. Die Bauern bemühen sich zwar, die Keime möglichst fern zu halten, aber ganz steril ist ein Stall nie. Erst muss er seine Bucht verlassen, jetzt auch noch die Spritze in den Hals. Nummer „111“ passt das nicht so recht. Der Eber quiekt empört, aber es hilft ihm nicht.

Stöver fährt mit dem Traktor kurz zum Wiegen. Denn die Tiere wechseln nicht nur den Stall, sondern formal auch den Betrieb. Auf dem Hof Stöver werden die Ferkel aufgezogen und gemästet. Beide Vorgänge sind einem unterschiedlichen Unternehmen zugeordnet. Der Landwirt spricht hier auch vom geschlossenen System. Andere Bauern kaufen die Ferkel und mästen sie dann.

Wie beim Ausstallen, nur eben andersrum

Ob das den „Hundertelfer“ kratzt, darf bezweifelt werden. Was ihn sehr wohl interessiert, ist seine neue Bucht, in die Stöver ihn nach dem Wiegen bringt. Der Vorgang läuft genau wie beim Ausstallen ab, nur eben andersrum. Die Bucht im Maststall bietet einiges, was das Presseschwein noch nicht kennt. Sie ist nach Tierwohlkriterien gestaltet. Das bedeutet, die Fenster sind größer, es kommt mehr Licht herein. Und an der Wand steckt eine Holzlatte in einer Metallhalterung, die die Schweine anfressen können. Gleich daneben können sie Rohfaser fressen. Beschäftigungsmaterial, hier in Form eines Balls an einer Kette, gibt es wie in der alten Box auch. Es ist gesetzlich vorgeschrieben. Die anderen „Entertainment-Möglichkeiten“ sind freiwillig. Landwirte, die sie geschaffen haben, konnten einen Antrag auf Gelder aus einem Topf stellen, den die Lebensmittelhändler zur Verfügung gestellt hatten.

Dem „Hundertelfer“ gefällt’s. Zu allererst die Rohfaser. Anschließend legt er sich mit seinem „Wurfbruder“ erstmal in die Ecke. So ein Umzug ist ja auch stressig. Die alte Bucht wird nun mit einem Hochdruckreiniger und Reinigungsmitteln gesäubert. Am Donnerstag kommen dort neue Ferkel herein.

Lesen Sie auch

Teil 4: Ferkel „111“ lernt, sich durchzusetzen

Teil 3: Eber kommt um Kastration herum

Teil 2: Routinierte Geburtshilfe hilft Ferkel auf die Welt

Teil 1: Die erste Milch ist entscheidend für ein Ferkel

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