Chöre, Solisten und Orchester in Alexanderkirche

Meisterhaftes Finale von Mendelssohns „Paulus“

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Kantor Ralf Grössler (l.) übernahm die musikalische Leitung im ersten Teil: Neben dem Orchester musste der Dirigent drei Chöre und drei Solisten im Blick haben.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Zum Finale kam das „Paulus Oratorium“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy am Sonntag nach Wildeshausen: Das Orchester, drei Chöre und drei Solisten hatten das Werk aus dem 19. Jahrhundert unter der Leitung des Wildeshauser Kantors Ralf Grössler und des Braker Kantors Gebhard von Hirschhausen zuvor bereits zweimal aufgeführt. Nach den erfolgreichen Konzerten in Brake und Oldenburg war auch in der Alexanderkirche kaum ein Platz frei – und das begeisterte Publikum genoss ein wahrlich meisterhaftes Aufführungs-Finale.

Beteiligt waren die Kantorei der Alexanderkirche Wildeshausen, die Braker Kantorei, der Chor für geistliche Musik Oldenburg sowie die namhaften Solisten Miriam Alexandra (Sopran), Jörg Heinemann (Tenor) und Keno Brandt (Bass). In dem professionell besetzten Orchester spielten 34 Musiker aus Wildeshausen, Oldenburg, Bremen, Hamburg und Lohne. Die musikalische Leitung übernahm Grössler im ersten Teil, für die zweite Konzerthälfte nahm Hirschhausen den Dirigentenstab in die Hand.

Das Publikum durfte zahlreiche Gänsehaut-Momente erleben, für die mal das Orchester, mal die rund 170 Stimmen zählenden Chöre und mal die durchweg meisterhaft gesungenen Soli verantwortlich zeichneten. Musik und Gesang hauchten den Worten des Oratoriums, für das Mendelssohns Texter Bibelworte ebenso wie zeitgenössische Kirchen-Choräle einbezogen hatte, eine Lebendigkeit ein, mit der die biblische Apostelgeschichte des Paulus emotional greif- und erlebbar wurde.

Den teils recht schwierigen Text bekamen die Konzertbesucher zum Mitlesen an die Hand. Die verschiedenen dramatischen Höhepunkte der Handlung wurden auf musikalische Weise ganz unterschiedlich umgesetzt, kamen aber genau dadurch beim Publikum stets hochemotional an.

Die Geschichte von Paulus setzt bei Mendelssohn mit der Missionarstätigkeit von Stephanus ein und erreicht mit dessen Steinigung schon früh den ersten dramatischen Höhepunkt. „Steiniget ihn… wer Gott lästert, der soll sterben“, klangen die Chorstimmen durch die Kirche und ließen die Zuhörer erschauern.

Den erzählenden Part teilten sich oft Sopran und Tenor. Ein weiterer Höhepunkt wurde noch im ersten Teil mit der Bekehrung des Christenverfolgers Saulus zum Paulus erreicht. Saulus war zuvor als ein Verantwortlicher für Stephanus‘ Steinigung eingeführt worden. Die Saulus/Paulus-Rolle kam dem Bass zu.

Brandt konnte die Zuhörer durch sein unglaublich tiefes Organ wahrlich „erzittern“ lassen – und verlieh somit dem „Jüngling“, der in der Christengemeinde „wütete“, seine Stimme. Doch kurz darauf folgte der Beginn von Saulus‘ Bekehrung, als er auf dem Weg nach Damaskus war und ihn ein helles Licht blendete. „Saul, was verfolgst du mich?“, formte der Chor leise die Stimme Gottes. Während der folgenden dreitägigen Blindheit erklingt Brandts Bass als „aus tiefer Hölle“ zu Gott betender Saulus.

Und der nächste dramatische Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten. Sich fulminant steigernd, arbeitete das Orchester auf diesen hin. „Und alsbald fiel es ihm wie Schuppen von seinen Augen“, erklang dann Alexandras ebenso kräftiger wie berührender Sopran, der erzählend die Bekehrung des Saulus zum Paulus vollendete. Der Schlusschor des ersten Teils als „Stimme der Christenheit“ unterstrich mit seinem kleinen Finale die Bedeutung dieses Geschehnisses.

Der zweite Teil von Mendelssohns Oratorium bezog sich auf die Missionarstätigkeit von Barnabas (Tenor) und Paulus (Bass) sowie auf Paulus‘ eigenen Märtyrertod.

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