Umweltausschuss: Hohenbökener Moor soll Schutzgebiet werden

Landwirtschaft und Naturschutz abwägen

Wildeshausen - Von Phillip Petzold. Das Hohenbökener Moor soll zum Landschaftsschutzgebiet werden. Dafür hat sich eine Mehrheit des Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschusses des Kreistages am Dienstagabend ausgesprochen.

Die Interessen der Landwirtschaft und den Naturschutz unter einen Hut zu bekommen, ist keine leichte Aufgabe. Das verdeutlichten gleich eingangs zwei Wortbeiträge in der Bürgerfragestunde.

So sorgte sich eine ältere Bürgerin um die Einkünfte aus der Verpachtung ihres Grundstückes: „Wie soll ich das Land verpachten, das zu dem neuen Schutzgebiet gehören würde?“, fragte sie und kritisierte, dass die Politik sich der Folgen ihrer Beschlüsse oft nicht im Klaren sei. Von zahlreichen Zuhörern der Sitzung bekam sie dafür Applaus. Das Statement eines vogelkundigen Bürgers illustrierte jedoch die Gegenseite: „Wenn Flächen drei-, viermal im Jahr gemäht werden, dann haben die Vögel in den Feldern keine Chance. So ein Schutzgebiet hätte schon vor 30 Jahren ausgewiesen werden müssen“, beklagte er.

Dieser Konflikt zwischen agrarischer Nutzbarkeit und dem Grünerhalt zog sich durch den weiteren Verlauf der Diskussion.

So wurde im landwirtschaftlichen Interesse gefordert, eine oberflächliche Bodenbearbeitung zuzulassen und auch Drainagen erneuern zu können, um die Flächen, falls nötig, zu entfeuchten.

Martin Brinkmann von den Grünen hielt dagegen: „Senken und Feuchtigkeit sind genau das, was wir wollen. Grade solche Bedingungen brauchen die Vögel doch.“ Zudem warf er der Landwirtschaft vor, kurz vor der Abstimmung noch mit öffentlichem Druck etwas an der Verordnung verändern zu wollen: „Das finde ich wirklich schlimm. Die Landwirte sollten endlich zum Artenschutz stehen“, so Brinkmann weiter.

Interessen der Landwirte bedenken

Ernst-August Bode von der FDP forderte die Interessen der Landwirte abzuwägen und schloss sich Franz Josef Dasenbrock vom Landvolk bei dessen Forderung an, genauer zu konkretisieren, welche Maßnahmen erlaubt seien und welche nicht. Ein entsprechender Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Eva-Maria Langfermann, Leiterin des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege, verwies auf die Möglichkeit, im Einzelfall über geplante Eingriffe in das Gebiet zu entscheiden: „Drainagen müssen ja nicht jährlich erneuert werden, in Ausnahmefällen können auch tiefe Drainagen neu gelegt werden, der Moorboden ist nicht als Schutzzweck in der Vorlage vermerkt.“ Bis zu einem gewissen Grad solle eine extensive Grünlandnutzung weiterhin möglich sein: „Die landwirtschaftlichen Flächen können weiter betrieben, der Status Quo, Stand 2016, erhalten werden.“

Mit dem Status Quo unzufrieden zeigte sich Carola Becker, die in der Sitzung die Naturschutzverbände vertrat. Sie erklärte: „Diese Vorlage ist einer der wenigen wirklich großen Erfolge für den hiesigen Naturschutz, kommt aber tatsächlich 30 Jahre zu spät.“

Die Verordnung wurde schließlich durch die Stimmen der Abgeordneten von SPD, UWG und den Grünen beschlossen. Die CDU stimmte dagegen, die FDP enthielt sich.

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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