Die Polizei gibt Auskunft

Wie kriminell sind Flüchtlinge?

Einbrüche werden in aller Regel nicht von Flüchtlingen, sondern von anderen Tätern verübt. - Symbolfoto: dpa

Landkreis - Von Ove Bornholt. Sind viele Flüchtlinge kriminell? Ein Teil der deutschen Öffentlichkeit beantwortet diese Frage mit „Ja“. Dafür sprechen zumindest ausländerfeindliche Kommentare einiger Nutzer auf der Facebook-Seite unserer Zeitung, Pegida-Demos und „Bild“-Zeitungsüberschriften wie „Sex-Mob in Schwimmbädern“. Doch wie sieht es wirklich aus? Die Polizei gibt Antworten.

„Auf alle Straftaten bezogen ist der Anteil der Flüchtlinge verschwindend gering“, sagt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion (PI) Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, Carsten Hoffmeyer. Er und seine Kollegen haben den Anteil von Asylbewerbern an allen Straftaten erfasst. Konkrete Zahlen müssen die Beamten allerdings schuldig bleiben. Diese dürfen sie auf Anweisung des Innenministeriums erst nach Ablauf des Jahres nennen.

Die Polizisten haben sich im vergangenen Herbst gemeinsam mit den Kommunen auf die Flüchtlingswelle vorbereitet. Es ging zum Beispiel darum, Szenarien zu entwickeln und sich auszutauschen. Die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen, so Michael Lüken, der bei der PI für das Thema „Flüchtlinge“ zuständig ist. Niemand habe sich auf seine Zuständigkeiten zurückgezogen.

Grundsätzlich geht Oliver Lenz, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, davon aus, dass das Dunkelfeld bei kriminellen Flüchtlingen geringer ist, als bei Einheimischen, weil „die Sensibilität höher ist“. Sprich: Flüchtlinge fallen eher auf und werden auch eher angezeigt. Im Folgenden geht der Artikel auf verschiedene Tatbestände ein und beleuchtet die Bedeutung von Flüchtlingen für diese.

Sexuelle Belästigung in Schwimmbädern

Besonders sexuelle Belästigung und Nötigung von Frauen und Mädchen in Schwimmbädern erregt die Gemüter vieler Menschen. Die Polizei ordnet die Belästigung in den Bereich der „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ ein. Dazu gehören sowohl verletzende oder herabsetzende Worte, als auch das Grapschen. Nötigung ist beispielsweise ein Griff unter den Badeanzung.

Nur bezogen auf Schwimmbäder ist die Fallzahl vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2016 im Gesamtbereich der PI im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um ein paar Fälle gestiegen, stellt Polizeisprecherin Melissa Oltmanns fest. Allerdings handele es sich um eine einstellige Anzahl von Vorfällen. Die PI betreut sowohl die Stadt Delmenhorst, als auch die Landkreise Wesermarsch und Oldenburg – ein Gebiet, in dem rund 290 000 Menschen leben und das sich von Colnrade bis Nordenham erstreckt.

Doch nicht alles, was den Beamten gemeldet wird, können sie ahnden. Was ist zum Beispiel mit aufdringlichen Anmachen? Oltmanns bestätigt, es gebe Fälle, in denen Flüchtlinge mit Luftküssen, Hinterherschwimmen oder Glotzen ein unangenehmes Gefühl bei weiblichen Badegästen auslösen.

Hoffmeyer kennt das Problem. „Wir können uns in die Situation der Frauen hineinversetzen. Das ist strafrechtlich aber nicht relevant. Manche verstehen das nicht. Die Polizei steckt da zwischen Baum und Borke.“

Die Beamten nehmen die Meldungen über Anmachen ernst, versichern sie. „Wir sind da sehr sensibel. Das hat großen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl“, betont Oltmanns. Kriminaldienstleiter Lenz empfiehlt Opfern, sich sofort zu melden: „Keine Scheu haben und 110 anrufen.“

Die Kollegen vor Ort setzen auf Ansprachen an die Flüchtlinge und die Information der Bad-Mitarbeiter. Hoffmeyer ergänzt, das sei ein langfristiger Prozess. Asylbewerber ließen sich nicht „auf einen Schlag überzeugen“. Zudem sei die Polizei auf die Kooperation mit den Präventionsräten der Gemeinden angewiesen. „Dadurch, dass wir zusammenarbeiten, wird es gelingen.“

Einfache Körperverletzung

Bei einfachen Körperverletzungen hat es im Landkreis Oldenburg einen Anstieg der Fallzahlen im ersten Halbjahr 2016 gegeben. Flüchtlinge haben daran laut den Beamten einen Anteil von unter zehn Prozent. „Angesichts der vielen Menschen in Turnhallen ist es bemerkenswert, dass es nicht mehr waren“, meint Hoffmeyer und spricht von unterschiedlichen Kulturen und Möglichkeiten, um Konflikte zu lösen. Bei rund einem Drittel aller Taten, die die Polizei Asylbewerbern zugeordnet hat, handelt es sich um einfache Körperverletzungen.

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch

Bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch liegt der Anteil der von Flüchtlingen begangenen Taten im einstelligen Prozentbereich. Im ersten Halbjahr 2014 und 2015 waren es jeweils 26 Taten im Landkreis Oldenburg.

Straftaten gegen das Leben

Bei Straftaten gegen das Leben handelt es sich laut Hoffmeyer um „absolute Einzelfälle“, die sich im ersten Halbjahr 2016 im Landkreis Oldenburg an einer Hand abzählen ließen. Es habe keine Beteiligung von Flüchtlingen gegeben. Allerdings hatte im November 2015 ein Flüchtling in Ahlhorn versucht, seine Frau zu töten. Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn im Juni zu neuneinhalb Jahren Haft (wir berichteten).

Schwerer Diebstahl/Einbruch

Insgesamt ging die Zahl der Einbrüche, die grundsätzlich als schwere Diebstähle klassifiziert werden, im Landkreis Oldenburg im ersten Halbjahr geringfügig zurück. Hoffmeyer: „Der Anteil der Flüchtlinge geht fast gegen Null.“ Wie in den Vorjahren gilt, dass reisende Täter – auch aus dem Ausland – das Hauptproblem sind.

Taschen- und Ladendiebstähle

Der Anteil der Flüchtlinge an Taschen- und Ladendiebstählen – der Kriminalist spricht von „Einfachen Diebstählen“ – liegt laut Hoffmeyer prozentual im unteren einstelligen Bereich. Häufig gehe es um ein Getränk oder Zigaretten, die in Unterkünften, also unter den Flüchtlingen, widerrechtlich den Besitzer wechseln.

Lesen Sie auch:

Beide Seiten müssen ihren Teil leisten. Ein Kommentar des Autors Ove Bornholt

Mehr zum Thema:

Bilder aus Paris: Schüsse in Supermarkt - Täter verschanzt sich

Bilder aus Paris: Schüsse in Supermarkt - Täter verschanzt sich

4. Trecker Treck auf dem Möhrchen-Hof

4. Trecker Treck auf dem Möhrchen-Hof

Notfall-Pick-Up: Nissan Navara Enguard Concept

Notfall-Pick-Up: Nissan Navara Enguard Concept

Verein Simbav feiert Geburtstag

Verein Simbav feiert Geburtstag

Meistgelesene Artikel

Friedenswünsche: Keine Waffen und Ballerspiele

Friedenswünsche: Keine Waffen und Ballerspiele

Kleider brennen im ersten Obergeschoss

Kleider brennen im ersten Obergeschoss

Schröder zeigt, was Baugeräte können

Schröder zeigt, was Baugeräte können

Ein Bass im Glitzerkostüm

Ein Bass im Glitzerkostüm

Kommentare