/ Gruppe für jedermann

Trauergesprächskreis soll über schlimme Zeit hinweghelfen

Ulla Meier-Sperling (links) und Iris Schaar sind schon seit Jahren in der Trauerbegleitung tätig. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. „Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares“, hat Albert Schweitzer einmal gesagt. Genau nach diesem Standpunkt ist Ulla-Meier Sperling (64) verfahren, als sie sich noch während des Studiums zur Heilpädagogin für die Hospizausbildung entschieden hat, um in der Hospizhilfe Wildeshausen tätig zu werden. Seit Jahren ist sie mit Iris Schaar (52) auch in der Trauerbegleitung aktiv. Die beiden bieten monatlich den offenen Trauer-Gesprächskreis an.

„Jeder Mensch weiß, dass er sterben muss, aber keiner redet darüber“, sagen die beiden Frauen, die den Gesprächskreis als besonders wichtig empfinden, um den Menschen zu helfen, über die schlimme Zeit etwas hinwegzukommen. „Es gibt viele Ehepaare, die niemanden haben. Wenn jetzt einer der Partner stirbt, fragt sich oft der Hinterbliebene, was er machen soll, wohin er gehen kann“, erklärt Meier-Sperling die Intention des Kreises. Trauer sei eine anstrengende Arbeit, einen Verlust müsse jeder in sein Leben einbauen, um dann zu sehen, was ihm selbst noch hilft.

„Da es sich um eine offene Gruppe handelt, kann jeder zu uns kommen, wann er möchte. Auf Wunsch bieten wir auch Einzelgespräche an, weil es Menschen gibt, die in der Gruppe einfach nicht frei sprechen können oder sich nicht mitteilen wollen“, erklärt Schaar, die bereits zehn Jahre im Besuchskreis der Kirchen tätig war, als sie von Meier-Sperling angesprochen wurde: „Ulla hat mich gefragt, ob ich nicht eine Ausbildung machen und dann in der Hospizhilfe mitarbeiten möchte.“

Wer Interesse habe, könne einfach am ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr unverbindlich im Hospizzimmer im Johanneum vorbeischauen. Der Eingang erfolgt über die Deekenstraße. Telefonisch zu erreichen sind die Frauen rund um die Uhr über die Telefonnummer des Krankenhauses (04431/9820). „Die Mitarbeiter an der Zentrale informieren uns dann umgehend“, betont Meier-Sperling.

Aber wie läuft der Gesprächskreis ab? „Nach der Begrüßung stellen sich alle vor. Um etwas lockerer zu werden, lesen wir zunähst einen Vers vor, ehe die Gespräche beginnen“, erklären die Frauen. Wichtig zu wissen sei, dass es sich um einen geschützten Raum handele, in dem geweint und auch gelacht werden könne: „Beides gehört eben zur Trauer dazu und hilft den Menschen. Hinzu kommt, dass wir unter Schweigepflicht stehen. Alles kann in den Raum rein, aber nichts dringt nach außen.“

Aber was bringt den Menschen das Gespräch? „Sterben gehört einfach zum Leben. Wir wollen ein Stück dazu beitragen dass sie nicht allein bleiben“, so Meier-Sperling. Außerdem seien Trauernde oft die besten Trauerbegleiter: „Jeder Mensch trauert eben anders, und in der Gruppe ist das oft einfacher, zumal wenn jemand neben mir sitzt, dem es gerade genauso geht.“

Keinen Hehl machen die Frauen daraus, dass es durchaus Menschen gibt, denen sie in ihrer Trauer nicht helfen können: „Wenn Eltern zum Beispiel ihr Kind verloren haben, leiten wir sie auch weiter an den Verein ,Trauernde Eltern‘ in Bremen. Ähnlich verhalte es sich mit Menschen, die um einen Angehörigen trauern, der Suizid begangen hat: „Das ist völlig anders als normales Sterben. Für diese Angehörigen gibt es in Cloppenburg eine spezielle Gruppe.“

Wichtig sei, dass sie die Trauernden nicht allein lassen. „Wenn wir absolut nicht weiterkommen, dann raten wir den Menschen, dass sie in eine Familientherapie gehen sollten“, so Meier-Sperling, die regelmäßig mit Schaar Fortbildungen besucht, um stets auf dem neuesten Stand zu bleiben: „Zuvor haben wir eine eineinhalbjährige Ausbildung genossen, um überhaupt in der Trauerbegleitung tätig werden zu können und zu dürfen.“

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