Auch wenn Liridon behindert ist, darf er in der Jugendfeuerwehr mitmachen

„Inklusion wird im wahrsten Sinne des Wortes gelebt“

In Holzhausen hieß es auch für Liridon (links) zunächst einmal „absitzen und hinter dem Fahrzeug angetreten“. - Fotos: Dejo

WILDESHAUSEN - Von Joachim Decker. Er ist neun Jahre alt und seit seiner Geburt leicht geistig behindert – Liridon Fejza aus der Kreisstadt. Das aber spielt für die Jugendfeuerwehr keine Rolle – mit offenen Armen wurde er in den Reihen der Kinder und Jugendlichen aufgenommen. Wir haben Liridon während seines nunmehr vierten Dienstes besucht. Stolz präsentierte er dabei Kleidung und Helm.

Durch Zufall sind wir auf den Neunjährigen aufmerksam geworden. Seine Mutter Andrea hatte Folgendes auf der Facebook-Seite der Ortswehr gepostet: „Ich möchte mich öffentlich bei Ihnen bedanken, dass Sie meinen Sohn Liridon aufgenommen haben. Er ist total stolz, und für ihn ist es auch eine super Chance, mit ,normalen Kindern‘ zusammenzukommen. Auch wenn er nicht lesen und schreiben kann, denke ich, kommt er gut zurecht. Das nenne ich tolle Inklusion seitens der Feuerwehr.“

Diese Aussage bestätigten die Eltern Andrea und Mehdi Fejza am Sonnabend noch einmal: „All reden doch heute von Inklusion, hier wird sie im wahrsten Sinne des Wortes gelebt.“ Dieser Post sei mehr als 300 Mal geteilt worden und sogar bis in die Schweiz gelangt: „Außerdem wurde er bis heute rund 2 200 Mal geliked.“

Liridon findet die Feuerwehr schon seit langer Zeit toll. „Wir haben auch schon richtig mit Wasser gespritzt. Das war wirklich spannend. Wenn ich groß bin, möchte ich auch in die Feuerwehr, um anderen Menschen zu helfen.“ Dabei wusste er schon ganz genau, welche Aufgaben die aktive Wehr hat: „Die fahren zu Unfällen und retten Menschen. Außerdem müssen sie Feuer löschen. Das habe ich aber noch nicht gesehen.“ Nicht ohne Stolz beobachteten die Eltern ihren Sohn, wie er sich in die Gruppe seiner Kameraden integriert: „Die sind alle sehr nett.“

„Ich habe ihn seinerzeit einmal angesprochen, ob er Interesse hätte, in die Jugendwehr einzutreten“, erzählt die Mutter. Liridon sei sofort Feuer und Flamme gewesen: „Uns war es sehr wichtig, dass er in seiner Freizeit etwas macht und mit Kindern zusammen ist.“ Schon während des ersten Gesprächs hätten die Verantwortlichen der Jugendwehr die Aufnahme des Sohnes zugesagt.

„Ob behindert oder nicht spielt für uns keine Rolle, jeder darf bei uns mitmachen“, waren sich Stadt-Jugendfeuerwehrwart Frederik Kazuch und sein Stellvertreter Simon Schmidt einig: „Bei uns ist es wichtig, dass die Kinder auch Lust haben, mitzuwirken und voll hinter der Sache stehen. Der Mensch und nicht etwa Konfession, Hautfarbe oder Krankheit steht im Mittelpunkt.“

Schon bald ging es Sonnabend auf den Übungsplatz in Holzhausen, wo sich die Jugendwehr auf den Bundeswettkampf vorbereitet, der am 4. September in Falkenburg über die Bühne geht. Daran nehmen alle Jugendwehren aus dem Landkreis Oldenburg teil. Dort hatte Liridon die Möglichkeit, seinen Eltern zu zeigen, dass er voll und ganz integriert ist. Denn er musste kräftig mit anpacken, um alles, was für die Übung benötigt wurde, aus dem Fahrzeug zu laden und aufzubauen.

„Die Jugendwehr kommt alle zwei Wochen zusammen. Dann stehen praktische Fahrzeug- und Feuerwehrkunde auf dem Programm. „Reine Theorie bringt bei dem Nachwuchs nicht viel, die Kinder müssen was zum Anfassen haben“, so Kazuch.

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