Angeklagte zahlt Schmerzensgeld

Heilerzieherin schlug fünf Behinderte

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Wegen fünf gewalttätiger Übergriffe auf behinderte Menschen in der Diakonie Himmelsthür stand am Mittwoch eine 50-jährige Heilerzieherin aus Visbek vor dem Amtsgericht in Wildeshausen. Die Frau erklärte sich nach einem Geständnis bereit, insgesamt 2.500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Das Verfahren wurde gegen diese Auflage eingestellt. Deutlich wurde in diesem Zusammenhang, dass die Betreuer in der Einrichtung unter extremer Belastung arbeiten und die Gefahr der Überforderung und falscher Reaktionen groß ist.

Die Staatsanwältin listete fünf Vorfälle auf, die sich in der Zeit von Ende 2013 bis August 2015 ereignet haben sollen. Der Frau wurden unter anderem Ohrfeigen und ein Schlag mit dem Löffel gegen die Zähne beim Füttern vorgeworfen. Drastischer klang ein Fall, bei der die Frau einen bettlägrigen Mann mit dem rechten Knie auf dem Brustkorb niedergedrückt und geschlagen haben soll.

Die Fälle wurden von den Mitarbeitern erst deutlich später beim Vorgesetzten gemeldet, weil sie Angst hatten, dass ihre Aussagen nicht ernst genommen werden. Drei Kollegen gingn schließlich zusammen zum Wohngruppenleiter.

Der Heilerzieherin war kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt worden. Vor dem Arbeitsgericht wurde ein Vergleich geschlossen. Eine Unterlassungserklärung – wie vom Anwalt der Klägerin beantragt – mussten die Mitarbeiter der Diakonie damals aber nicht abgeben. 

Damit konnten sie vor dem Amtsgericht aussagen, wurden jedoch hier von einem Anwalt begleitet, der mehrmals ein Auskunftsverweigerungsrecht geltend machen wollte. Seine Befürchtung ging dahin, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund der Zeugenaussagen Ermittlungen einleiten würde – diese signalisierte jedoch schon früh, daran kein Interesse zu haben.

Eine Zeugin beschrieb sodann einen Vorfall am 3. August vergangenen Jahres. Drei Betreuerinnen seien damals für 17 Bewohner zuständig gewesen. Als eine Rollstuhlfahrerin auf dem Flur Lärm mit Deckeln des Pflegewagens gemacht habe, sei die Angeklagte aus einem Zimmer gekommen, habe bei der Bewohnerin eine Ohrfeige angedeutet, den Kopf weggeschoben und ihr dann auf die Hände geschlagen.

Deutlich wurde in den Aussagen, dass die Belastung der Betreuer oft extrem ist, weil wenig Personal vor Ort ist. Eine Supervision werde nicht angeboten, erfuhr die Richterin auf Nachfrage.

Die Angeklagte gab zu, dass sie durch die Überforderung krank geworden sei. Ihr Job sei ihr dennoch wichtig. Sie entschuldigte sich. Ihr Verteidiger bot an, jedem Geschädigten 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Das fand auch die Zustimmung des Nebenklägers, sodass die Richterin das Verfahren mit Auflagen einstellen konnte. 

Ihr war es wichtig gewesen, dass die Vorfälle nicht „unter den Teppich“ gekehrt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass es den Schwächsten in unserer Gesellschaft gut geht“, betonte sie. Auf der anderen Seite sei es erforderlich, die Umstände im Blick zu behalten und bei einem Verhalten, das keinesfalls in Ordnung und damit zu sanktionieren sei, nicht gleich eine Verurteilung anzustreben.

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