Kinder mit Migrationshintergrund drei Tage auf dem Gestüt Brumund

Das Glück dieser Erde...

Drei interessante Tage verbrechten Wildeshauser Kinder jetzt mit den Pferden in Colnrade. - Foto: Beumelburg

Wildeshausen - Von Jörg Beumelburg. Hilfe, die ankommt, das stand für Linda Vietor vom Projekt „Gemeinsam stark – Kinder unserer Stadt“ erneut mit einem ganz besonderen Angebot im Fokus ihrer Bemühungen für Kinder mit Migrationshintergrund. Für drei Tage war sie mit den Acht- bis Zwölfjährigen aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie beispielsweise dem Sudan, Syrien und der Türkei bis zum Freitag auf dem Gestüt der Reittherapeutin Marina Brumund in Colnrade zu Gast.

Während dieser besonderen Freizeitmaßnahme ging es in erster Linie um den Spaß und in zweiter Instanz darum, dass die Mädchen und Jungen ein Abenteuer mit ernsthaften Hintergrund zu erleben. Dabei erfuhren sie hautnah, was neben dem Reiten zur Pferdehaltung gehört.

So standen jeden Tag die Themen wie Fell- und Hufpflege sowie Futterkunde auf dem Plan. Doch zunächst ging es darum, den Kindern die Scheu vor den großen Tieren zu nehmen. „Anfangs waren sie sehr aufgeregt, was sich sicher auch etwas auf die Pferde übertragen könnte“, erzählte Vietor. Allerdings zeigten sich die Vierbeiner sehr geduldig, denn sie sind als Therapiepferde speziell ausgebildet. Mit dem Kleinpferd, einem Irish Tinker, das auf den Namen „Arthur“ hört und dem Westernpferd konnte die Reittherapeutin recht schnell bei den Kindern punkten.

„Es ist kein Problem für die Pferde, wenn die Kinder ein wenig hektisch sind. Denn die Tiere sind schon lange an Kindern gewöhnt und wissen genau, wie sie sich verhalten haben. Trotzdem gibt es Spielregeln, die auch die Kinder im Umgang mit Pferden beachten müssen“, sagte Brumund. Letztlich merkten die Kinder recht schnell und hautnah, dass das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde liegt.

Auch für den neunjährigen Monadel aus dem Sudan, glich kein Tag dem anderen. Ständig gab es für ihn etwas Neues zu erleben. „Es macht richtig Spaß“, meinte er. „Narin, mach dich schon mal startklar und setz deinen Helm auf, gleich bist du an der Reihe!“, hieß es von der Therapeutin. Die Achtjährige wusste genau, was zu tun ist. „Es ist toll hier und wir können uns richtig austoben. Besonders freue ich mich schon darauf, wenn der Hund Pitschi, der hier auf den Hof gehört, uns seine Kunststücke vorführt“, schwärmte das Mädchen aus der Türkei.

„Ob Anfänger oder schon ein halber Profi, das spielt bei mir keine Rolle. Denn neben dem Spaß gehört auch die Pflege der Pferde dazu. Auch wenn beispielsweise das Ausmisten eklig ist“, erzählte die Therapeutin. Und genau wie das Ausmisten gehöre es eben auch dazu, dass jedes Kind dem Pferd nach dem Reiten ein kleines Leckerchen gebe.

Am Ende eines jeden Tages brachten alle die Pferde in ihre Ställe zurück. Denn es gehörte auch dazu und war besonders wichtig, dass sich die Kinder mit den Vierbeinern vertraut machten. Für die meisten Kinder dieser Gruppe bedeuteten diese Tage auch Stressabbau. Auf der anderen Seite konnten die eigenen Stärken und Fähigkeiten entdeckt und ausgebaut werden. „Aufbau von Vertrauen und Beziehungen zum Tier sind nur wenige Möglichkeiten in der Reittherapie“, sagte Vietor.

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