Alte Brennerei öffnet zum „Tag des offenen Denkmals“

„Das Gebäude ist scheußlich“

Dampfmaschinenmonteur Willi Michel (rechts, hier mit Karin Holtmann-Kolloge) brachte die große Dampfmaschine des Hauses, erbaut um 1888, wieder zum Laufen. - Foto: Brennereiverein

Wildeshausen - Viele schüttelten verständnislos den Kopf, als der „Freundeskreis Schnapsfabrik“ in der zweiten Jahreshälfte 1978 begann, die alte Kornbrennerei Kolloge in Wildeshausen zu restaurieren. Mit dem Ziel, ein Museum zu schaffen. „Scheußlich“ sei das Gebäude, fand Ratsherr Heinrich-August Schütte, nur die Innereien seien schützenswert.

Doch der Freundeskreis ließ nicht locker. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 11. September, 14 bis 17 Uhr, zeigt der Museumsverein der Brennerei in einer Foto-Ausstellung, wie sich das Gebäude zum heutigen Museum entwickelte. „Gemeinsam Denkmale erhalten“ heißt das Thema. Der Eintritt ist frei. Kostenfreie Führungen werden nach Bedarf den Tag über angeboten.

Einer der ersten, der auf die Einzigartigkeit des urigen Hauses und vor allem seiner Innereien aufmerksam gemacht hatte, war der Wildeshauser Künstler Hartmut Berlinicke. Er hatte am 9. November 1974 den „Tag der Dampfmaschine“ ausgerufen und veranstaltete gemeinsam mit Kornbrenner Ulrich Kolloge einen Tag der offenen Tür. In dem Gebäude hatte Berlinicke viele Motive für seine Arbeit gefunden.

1978, nach dem Tod von Ulrich Kolloge, machten im Wildeshauser Rathaus Überlegungen die Runde, die Wittekindstraße im unteren Bereich zu begradigen. Da war die Brennerei im Weg. Die Stadtverwaltung legte so hohe Kostenschätzungen vor, dass eine Sanierung des Gebäudes unmöglich schien.

Für die Skepsis von damals hat Karin Holtmann-Kolloge, seit 2004 Vorsitzende des Museumsvereins, Verständnis. Die verwinkelte alte Destille sei keine Schönheit, das sei sie 1978 nicht gewesen und auch heute nicht. Doch das Staunen der Gäste beginne nicht vor dem Gebäude, sondern drinnen.

Die weiteren Stationen in der Geschichte des Hauses: Nachdem der „Freundeskreis Schnapsfabrik“ von 1978 bis 1982 unentgeltlich die Innensanierung des Gebäudes weit vorangetrieben hatte, wurde am 2. Februar 1982 mit Unterstützung unter anderem des Landkreises Oldenburg, der Oldenburgischen Landschaft und auch der Stadt Wildeshausen der heutige Museumsverein gegründet. 

Er erfüllte, großenteils mit öffentlichen Mitteln, in den 1980er-Jahren die baulichen Anforderungen an ein Museum und packte auch größere Maßnahmen an, etwa einen ersten Außenanstrich. Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte: Am 2. November 1989 wurde die Dampfmaschine feierlich wieder in Betrieb genommen.

Mittlerweile hat angesichts gestrichener laufender Zuschüsse (Ausnahme: Landkreis Oldenburg) wieder der ehrenamtliche handwerkliche Einsatz an Bedeutung gewonnen. Größere Aufträge an Firmen betrafen neuerliche Teil-Außenanstriche (2005, 2010, 2016) und die Instandsetzung der Blitzschutzanlage (2016). - eb

www.brennerei-museum-wildeshausen.de

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