Urteil im Zweifel für den Angeklagten

Freispruch nach Schlag in Notwehr

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Anders als geplant endete ein Verfahren vor dem Amtsgericht Wildeshausen für einen 60 Jahre alten Schlosser aus der Wittekindstadt: Er war von einem 42-jährigen Kollegen aus Wildeshausen im Speiseraum einer Firma in der Kreisstadt mit einem Faustschlag niedergestreckt worden und hatte auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung gehofft. Doch das Gericht sprach den Angeklagten frei, weil eine Notwehr-Situation nicht auszuschließen war. Zudem läuft nun ein Verfahren wegen einer Falschaussage gegen den Nebenkläger.

Zur Sache: Der 42-Jährige wollte nach eigenen Angaben am 19. Januar in der Mittagspause sein Essen in einer von drei Mikrowellen erhitzen. Ein Gerät sei ausgestellt gewesen, es habe sich aber ein Essen darin befunden. „Der Kollege hat es entnommen, und ich habe mein Essen hin-eingestellt“, so der Angeklagte. Offenbar sei das Essen aber noch nicht heiß gewesen, weshalb er zum Kollegen „Wie kann man nur so doof sein?“ gesagt habe.

Als sich der 42-Jährige danach umgedreht hatte, verspürte er einen durch einen Tritt verursachten Schmerz im Gesäß, wandte sich um und schlug mit der Faust zu. Der Kontrahent ging zu Boden, prallte mit dem Hinterkopf auf und war bewusstlos. „Ich habe mich sofort um ihn gekümmert“, berichtete der Angeklagte im Gericht über die der verheerende Wirkung seiner Tat.

Das Opfer erlitt eine Hirnblutung und eine Prellung. Es leidet seitdem unter Angststörungen, Schwindelgefühlen und innerer Anspannung.

Der 60-Jährige schilderte den Vorfall im Januar ganz anders. Er habe das Gefühl gehabt, geärgert worden zu sein, indem jemand die Mikrowelle vor der Zeit ausgestellt habe. Dann habe ihn der Kollege „Blödmann“ genannt. „Ich fragte ihn, warum er mich beleidigt“, so der Schlosser. „Dann schlug er mich grundlos.“ Dass er selbst zugetreten habe, bestritt der 60-Jährige vehement.

Das kam nicht gut an. In ihrem Plädoyer sagte die Staatsanwältin, es sei erwiesen, dass der Nebenkläger den Angeklagten vor dem Schlag getreten habe. Mehrere Zeugen hätten das ausgesagt. Daraufhin habe der Angeklagte in Notwehr gehandelt. Ähnlich sah es auch der Verteidiger.

Einzig die Anwältin des Nebenklägers hielt dagegen: „Der Angriff war beendet.“ Sie bezog sich auf den Zeugen, der berichtet hatte, Angeklagter und Nebenkläger hätten sich vor dem Schlag angesehen. Der Angriff des Angeklagten sei eine Bestrafung gewesen. Sie sah die Körperverletzung als erwiesen an und verlangte eine angemessene Strafe.

Dem kam die Richterin nicht nach. Es habe unstreitig eine Körperverletzung mit schwerwiegenden Folgen gegeben, erklärte sie. „Doch die Situation schließt eine Notwehr nicht aus. Es steht für mich fest, dass der Tritt erfolgt ist.“ Deswegen sei der Schlag des Angeklagten letztlich gerechtfertigt gewesen. Dieser hatte sich noch bei dem Nebenkläger entschuldigt. „Es tut mir leid, dass ich dich so getroffen habe.“

Auf den Nebenkläger kommt nun ein Verfahren wegen seiner Falschaussage wegen des Trittes zu. Zwar war er nach Rücksprache mit seiner Anwältin etwas zurückgerudert, doch das reichte dem Gericht und der Staatsanwaltschaft nicht aus. - bor/dr

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