Einblick in das Leben eines Schweins in der modernen Landwirtschaft

Ferkel „111“ lernt, sich durchzusetzen

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Am Trog fressen die Ferkel noch gemeinsam, wie sie es von der Muttersau her kennen. 

Bühren - Von Ove Bornholt. Unsere Zeitung begleitet das Schwein mit der Ohrmarke „111“ über seine Lebensabschnitte auf dem Hof von Ralf Stöver in Bühren (Landgemeinde Wildeshausen). Es geht darum, wie in der modernen Landwirtschaft gearbeitet wird. Im vierten Serienteil geht es um die Wochen nach der Trennung von der Muttersau.

Ein bisschen ramponiert sieht das Ferkel mit der Ohrmarke „111“ schon aus. Auf der rosigen Haut sind besonders im Schulterbereich noch deutlich die kleinen Wunden und Kratzer zu sehen, die es bei den Rangkämpfen in seiner neuen Gruppe davongetragen hat. Unter den Geschwistertieren hatte sich die „Hackordnung“ bereits kurz nach der Geburt ausgebildet. Doch nach der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsäugezeit von 21 Tagen hat Bauer Ralf Stöver den Nachwuchs von verschiedenen Säuen vor zwölf Tagen zusammengesetzt – eine längere Säugezeit lehnt er ab, weil die Ferkel die Sau dann zu sehr beanspruchen würden. Die Paarhufer sortierten daraufhin ihre Hierarchie neu. Mit einem Lächeln spricht Stöver von „Chef-Ferkeln“. Nach ein paar Tagen stehe die Rangfolge. Die Tiere kämpfen also nicht ständig miteinander.

Da der „Hundertelfer“ zu den kräftigeren Tieren gehört, hatte er keine Probleme sich durchzusetzen. Zum Beispiel am Futtertrog, der in den ersten Wochen noch aufgestellt wird, weil die Ferkel es von der Muttersau gewohnt sind, gemeinsam zu trinken. Dort behauptet sich „111“ problemlos. An einer weiteren Futterstation bedienen sich die Tiere je nach Hunger. Auch Trinkwasser gibt es nach Bedarf.

Um den Jungtieren den Übergang von Milch zu fester Nahrung zu vereinfachen und den Verdauungstrakt vollständig auszubilden, ist im Futter außer Gerste, Weizen, Soja und Mineralstoffen ein hoher Rohfaser-Anteil enthalten. Dieser ist grob und schwer verdaulich. Deswegen bleibt er länger im Tier, und der Darm kann sich besser entwickeln, erklärt Stöver. Beim Einsatz von normalem Futter könne es wegen des noch nicht ausgereiften Verdauungstraktes zum Wachstum von E.-coli-Bakterien kommen, was den Einsatz von Antibiotika nötig mache, den Stöver zu vermeiden sucht.

Wenn die Ferkel – rund 35 Stück sind in der etwa 2,70 Meter breiten und fünf Meter langen Bucht untergebracht – nicht fressen, dösen oder schlafen, spielen sie. Dazu stehen ihnen pro Gruppe ein Beiß-Stern aus gepresstem Holz und ihre Artgenossen zur Verfügung. Über den Tag verteilt haben die Tiere Ruhe- und Aktivitätsphasen. In Letzteren gehe es durchaus mal wild zu, wenn sie herumtoben, berichtet Stöver. „Da geht die Post ab.“

Kein Wunder, die Ferkel sind gerade mal knapp fünf Wochen alt. Da steckt der Spieltrieb noch drin. Allerdings haben sie schon ein gutes Sechstel ihres Lebens hinter sich gebracht – rund sechs Monate nach der Geburt geht es zum Schlachter. Diejenigen, die schneller an Gewicht zulegen – wie „111“ –, haben ein kürzeres Leben als nicht so kräftige Schweine. Letztere bleiben noch einige Wochen länger auf dem Betrieb, um zuzulegen.

Die jungen Ferkel sind gut dabei: Wogen sie bei der Geburt noch rund 1,5 Kilogramm, haben sie nun im Schnitt rund 8,5 Kilogramm auf den Rippen. Ein bisschen mehr soll es allerdings noch werden. In sechs Wochen verlassen sie die Ferkelstation, um dann rund 100 Tage gemästet zu werden.

Im nächsten Teil unserer Serie begleiten wir voraussichtlich einen Tierarzt bei seinem Besuch im Stall von Stöver.

Lesen Sie auch: 

Teil 3: Eber kommt um Kastration herum

Teil 2: Routinierte Geburtshilfe hilft Ferkel auf die Welt

Teil 1: Die erste Milch ist entscheidend für ein Ferkel

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