24-jähriger Wildeshauser muss jahrelang für Kurzschlussreaktion zahlen

Faustschlag beim Gildefest: Kieferbruch und späte Reue

Wildeshausen - Ein Faustschlag in einer Nacht des Gildefestes 2015 hat langwierige Konsequenzen: Während der 24-jährige Täter aus Wildeshausen viele Jahre für seine Kurzschlussreaktion finanziell büßen muss, steht für den 19-jährigen Geschädigten aus Klein Henstedt demnächst die nächste große Kieferoperation an. Der Knochen wurde ihm am 31. Mai um 4 Uhr gebrochen, einige Zähne wurden zertrümmert. Der Mann kann seitdem nur mühsam sprechen und hat täglich Schmerzen.

Gestern trafen die beiden jungen Männer im Amtsgericht das erste Mal nach der folgenschweren Nacht aufeinander. Was damals passiert war, ließ sich schnell klären, weil der Angeklagte geständig war. Schwieriger war danach die Strafbemessung unter finanziellen Aspekten. Der Täter ist verschuldet und befindet sich in einer Ausbildung über das Bildungswerk. Er sicherte gestern im Rahmen eines Vergleichs die Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 5 000 Euro in Raten zu und übernimmt die Kosten des Vergleichs. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss er zudem in zwölf Raten 600 Euro Strafe zahlen. Das Urteil fiel unter anderem deshalb recht milde aus, weil die Jugendstrafen bereits aus dem Register gelöscht waren.

Der 24-Jährige hatte in der Nacht in einer Diskothek gefeiert. Als er um 3 Uhr alkoholisiert nach Hause kam, war seine damals 17-jährige Freundin, die beim Gildefest feiern wollte, noch nicht daheim.

Seinen Angaben zufolge sollte ein Kumpel auf sie aufpassen. Als er bei ihm angerufen habe, habe der aber nicht gewusst, wo die Freundin sei. Der Angeklagte beschrieb, dass er darauf zum Festzelt gegangen sei. Er habe dort seine Freundin ohne Begleitung angetroffen. Als er seinen Bekannten dann gesehen habe, habe er mit der Faust zugeschlagen.

Für diese Tat entschuldigte sich der junge Mann im Gerichtssaal. Der Geschädigte nahm an. Er hatte zuvor geschildert, dass er nach dem Schlag zu Boden gegangen war. Der Kiefer habe im Krankenhaus mit Schrauben fixiert werden müssen. Mehr als drei Monate habe er Nahrung nur durch einen Strohhalm aufnehmen können und deswegen zehn Kilo Gewicht verloren.

„Die Zähne des rechten Oberkiefers sind komplett abgebrochen. Ich habe jeden Tag Schmerzen. Es knackt ständig im Gelenk, und der Arzt hat gesagt, dass es so bleiben wird.“ Demnächst wird nach Angaben des 19-Jährigen eine Metallplatte aus dem Kiefer entfernt, dann beginnt der Zahnaufbau.

„Wir haben massive Folgen. Die Mimik ist zerstört, er hat Gewicht verloren, die Zähne wurden abgetragen, und mein Mandant hat Schwierigkeiten beim Sprechen“, so der Anwalt des Nebenklägers. Für eine hinterlistige Tat sprach jedoch nach übereinstimmender Einschätzung aller Beteiligten nichts. Es blieb die einfache Körperverletzung, für die eine Strafe gefunden werden musste.

„Leider hat er schlecht getroffen“, so der Verteidiger sarkastisch. „Normalerweise sind die Verletzungen danach nicht so extrem.“

Das sah auch die Richterin so. Sie betonte jedoch, dass es im Falle eines ungünstigen Sturzes, zum Beispiel auf einen Bordstein, noch viel schlimmer hätte kommen können. Den Angeklagten sieht sie in der kommenden Woche wieder. Dann ist er wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

dr

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