Ein Blick ins Turbinenhaus des Wildeshauser Wasserkraftwerkes

Eine Million Kilowattstunden für etwa 350 Haushalte

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Wildeshausen - Von Joachim Decker. Für 280 bis 350 Haushalte reicht der Strom, der im Wasserkraftwerk Wildeshausen an der Mühlenstraße erzeugt wird. Rund eine Million Kilowattstunden speist Betreiberin Christine Rebentisch Jahr für Jahr ins Netz ein. „Meine Vergütung wird jedoch nicht subventioniert, ich bekomme weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde“, erzählt die Energieelektronikerin und Maschinenbaumechanikerin.

Wir haben uns einmal mit ihr im Turbinenhaus umgesehen. Derzeit laufen beide Turbinen. „Die Hunte führt viel Wasser, es ist ein relativ nasses Jahr“, erklärt die Expertin. Es sei die alte Technik, die sie sehr spannend finde und am Betrieb des Kraftwerkes reize: „Auch wenn sie schon recht alt ist, so verrichtet sie noch immer ihre Arbeit. Allerdings möchte ich schon noch einiges modernisieren“, so Rebentisch. Das sei jedoch stets eine Kostenfrage: „Das ist auch bei Ersatzteilen der Fall. Für diese Anlagen gibt es eben einfach nichts von der Stange, nur wenige Firmen können die Dinge noch liefern.“

Zurzeit wird der Strom von einer Turbine aus dem Jahr 1939 und einer aus 1962 produziert. „Zweitere habe ich 1997 mit meinem Vater eingebaut, da die vorige defekt gewesen ist. Sie ist schon wesentlich einfacher und moderner aufgebaut“, sagt die Betreiberin. Eigentlich sei die Stromerzeugung ganz simpel zu erklären: „Im Wasser hängt ein Flügelrad ähnlich einer Schiffsschraube, das vom fallenden Wasser angetrieben wird. Die Welle führt ins Getriebe, in dem die senkrechte in eine waagerechte Drehung umgewandelt wird, um den Generator anzutreiben. Die Energie wird dann in der Trafostation direkt ins 400-Volt-Netz eingespeist.“

Erste Erwähnung des Kraftwerks in den 870er-Jahren

Tatsächlich aber hänge noch einiges mehr daran, dass Strom erzeugt werden könne. „Wichtig ist, dass das Wasser stets einen bestimmten Stand am Flügelrad hat. Das wird mit dem Wehr und und den Turbinen geregelt“, erklärt Rebentisch.

Momentan ist die Reinigung defekt, sodass die Betreiberin vieles von Hand machen muss. „Im Herbst ist die Arbeit ganz extrem, wenn die Laubberge die Hunte runter kommen und von den Gittern entfernt werden müssen“, betont Rebentisch. Besonders schlimm sei, dass immer mehr Müll ankomme, der entfernt werden müsse: „Darin findet sich alles wieder. Manchmal ist es kaum zu glauben, was die Leute alles in die Hunte werfen.“

Christine Rebentisch an der jüngeren Turbine. Wesentlich mehr Technik und Mechanik ist für die neuere erforderlich. 

Seine erste Erwähnung fand das Kraftwerk bereits in den 870er-Jahren mit der Gründung des Alexanderstiftes, als dort zur Versorgung des Stiftes eine Wassermühle gebaut wurde. 1270 erfolgte die Übereignung der halben Mühle durch den Bremer Erzbischof. Später wurde der Rest übereignet. 1851 wurde die Zeitpacht in Erbzins umgewandelt – vorhanden waren Getreide-, Walk- und Sägemühle. Während die Anlage mit sieben Wasserrädern 1861 an Müller D. Dierßen verkauft wurde, erfolgte der Einbau der ersten Turbine 1891. Im Jahr 1897 war es dann so weit: Mit einem 25-PS-Wasserrad wurde erstmals Strom erzeugt, der ab 1898 für die Straßenbeleuchtung Verwendung fand. Von 1906 bis 1909 übernahmen zwei Dampflokomobile die Erzeugung der Energie, ehe 1910 eine größere Turbine mit 95 kW in Betrieb ging. Nach 1920 übernahm eine Dieselmotorenanlage die Stromerzeugung. Aufgrund des Energiesicherungsgesetzes des Dritten Reiches erfolgte die Stilllegung der Anlage 1936.

Getreidemühle durch Beschuss zerstört

Es war 1937, als Planung und Einbau einer neuen Turbine mit 175 kW im Zuge der Hunteregulierung in Angriff genommen wurden. Der Baustopp kam kriegsbedingt 1942. Drei Jahre später wurde die Getreidemühle durch Beschuss zerstört. 1946 erfolgte der Einbau der Turbine aus dem Jahr 1939 und die Reparatur der zerstörten von 1910. Zudem wurden Wehranlage sowie Schutzbaracke für die Turbinen gebaut. 1954: Umbau der zerstörten Mühle zum Wärterwohnhaus und Neubau der Turbinenhalle. 1976: Einstellung des Betriebes durch die EWE.

„1983 hat mein Vater Dieter alles rekonstruiert, repariert und die die Stromerzeugung wieder aufgenommen“, erzählt Rebentisch. 1986 sei die zweite Turbine mit 93 kW in Betrieb genommen worden: „Die Wehranlage mit Hydraulik wurde 1997 gebaut. 2004 habe ich das Kraftwerk dann übernommen. Bis heute musste ich schon einige Reparaturen vornehmen.“

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