Besuch bei der Wildeshauser Tafel / Gespräch mit einigen Kunden

„Anfangs schämst du dich schon, hierher zu kommen“

Ohne Tafel wüssten die Kunden oft nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollten. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Karin, ihren Nachnamen möchte sie nicht sagen, ist 70 Jahre alt und kommt aus Dötlingen Woche für Woche zur Ausgabestelle der Wildeshauser Tafel, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Ihre Einkünfte sind zu gering, als dass sie sich auf „normalem Wege“ versorgen könnte.

„Ich lebe allein, habe 25 Jahre lang gut verdient“, erzählt sie. Dann aber habe sie sich selbstständig gemacht und nur recht geringe Beträge in die Künstlersozialkasse eingezahlt: „Das Resultat ist eine Rente von etwa 400 Euro. Hinzu kommt die Grundsicherung im Alter, sodass ich auf 730 Euro komme.“ Der finanzielle Status werde jedoch Jahr für Jahr erneut überprüft: „Dann muss ich alles offenlegen, auch das Bankkonto, alles wird genau unter die Lupe genommen.“

Daher sei sie froh, dass es die Tafel gibt: „Allerdings war es anfangs ein schwieriger Schritt, hierher zu kommen. Aber das Personal nimmt einem alle Scheu. Ich weiß diese Einrichtung zu schätzen.“

Katharina ist 33 Jahre alt und stammt aus Polen. Seit zehn Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Wildeshausen, die beiden haben zwei Kinder und sind auf die Tafel angewiesen: „Mein Mann ist seit einem Jahr arbeitslos und sucht ganz dringend eine neue Anstellung als Gebäudereiniger.“ Sie seien sehr glücklich, dass es die Tafel gebe, denn das Arbeitslosen- und Kindergeld reiche einfach nicht aus: „Dadurch, dass wir hier unsere Lebensmittel bekommen, für die ich pro Einkauf sechs Euro zahle, kann ich meinen Kindern mal etwas kaufen. Sie müssen ohnehin schon auf vieles verzichten.“ Auch die Kleinen wüssten schon, was die Tafel ist und dass sie den Familien helfe.

Oksana Krass stammt aus Russland und ist seit etwa eineinhalb Jahren Kundin bei der Tafel: „Ich habe lange Zeit unseren fünf Kindern, das älteste ist 17 Jahre alt, nichts von der Tafel erzählt. Heute wissen sie es und finden es auch okay.“ Ihr Mann habe mehrmals die Arbeit verloren, sodass es finanziell sehr eng geworden sei: „Unser Geld reicht einfach nicht aus, wir haben gebaut und somit sehr viele Ausgaben.“ Durch eine Freundin habe sie von dieser Einrichtung erfahren. Anfangs habe sie sich schon sehr geschämt, zur Ausgabestelle zu kommen: „Allerdings fühlst du dich hier nicht als Bittsteller. Dieses Gefühl nimmt dir das nette Personal sehr schnell.“

Das hörte Tafel-Vorsitzender Peter Krönung sehr gerne: „So soll es sein, die Leute haben schließlich alle eine Berechtigung, hier zu sein. Hinter jedem Kunden steckt eine Geschichte, die der Grund dafür ist, zur Tafel zu gehen.“ Er erwähnte auch, dass es in den vergangenen Wochen weniger Neuanmeldungen aus dem Flüchtlingsbereich gegeben habe: „Und, was sehr wichtig ist, diese Kunden gewöhnen sich langsam an die Gepflogenheiten.“ Sie hätten begriffen, dass die Tafel kein Selbstbedienungsladen ist: „Das war nicht immer so, ich bin hier auch schon als Nazi beschimpft worden. Aber wir können eben nur das ausgeben, was wir auch haben.“

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