Die Geschichte der Gerichtsbarkeit in Wildeshausen von Hans Siedenburg (Teil 1)

„Im Amtshaus herrscht eine gesundheitswidrige Luft“

Amtshaus (links) und Amtsgericht in früheren Jahren.

Wildeshausen - Das Wildeshauser Amtsgericht lädt anlässlich des 25-jährigen Bestehens für kommenden Sonntag zum Tag der offenen Tür ein. Die Gerichtsbarkeit in der Wittekindstadt hat aber eine wesentlich längere Gesichte. So hat hat Hans Siedenburg, ehemaliger Amtsgrichtsdirektor, vor einigen Jahren ein Buch veröffentlicht, in dem auch diese beschrieben wird. Dafür hat er auf das umfangreiche Archiv von Alfred Panschar zurückgegriffen.

„Beim Inkrafttreten des Oldenburgischen Ämtergesetzes zum 1. November 1858 war das im Jahr 1730 errichtete alte Amtshaus, der heute noch vorhandene zweigeschossige Fachwerkbau, Amts- und Wohnsitz des großherzoglichen Amtshauptmannes. Es wurde durch einen kleinen Anbau mit dem Dienstzimmer des Amtsrichters, der Registratur und einem Expeditionsraum erweitert. Weitere Diensträume wurden 1879 in der damals schon maroden Amtsscheune geschaffen, die seinerzeit im Bereich des späteren Amtsgerichtsneubaus stand. Der Gesamtkomplex wurde von der großherzoglichen Bauverwaltung unter dem Titel „Amts- und Amtsgerichtsgebäude mit Dienstwohnung und Amtsschließerei zu Wildeshausen“ geführt.

Der Komfort der Diensträume dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Wohl auch wegen den eher bescheidenen Arbeitsbedingungen hielt es den Amtsrichter Heinrich Ludwig Wilhelm Hayen (1834 bis 1918) nicht sehr lange in Wildeshausen. Er trat sein Amt im Jahre 1874 an, ließ sich 1875 als Abgeordneter in den oldenburgischen Landtag wählen, um schon ein Jahr später nach Oldenburg zu gehen, wo er zuletzt als Geheimer Oberkirchenrat tätig war. Anders der Oberamtsrichter Carl von Heimburg (1847 bis 1935): Er schätzte Wildeshausen anscheinend sehr. Im Sommer 1884 versuchte er, seine Situation dadurch zu verbessern, dass er sich um den Ankauf eines Teiles des Amtshausgartens bewarb, um dort ein Wohnhaus zu errichten.

In seinem Schreiben an die Bau- und Grundstücksverwaltung in Oldenburg heißt es unter anderem: ,Die den Gemüse- und Obstgarten bildende Parzelle 724 ist 45,86 Ar groß, nach Abtretung von etwa 14 Ar bleibt eine Fläche von 31,86 Ar – groß genug, um auch eine mit Kindern gesegnete Beamtenfamilie mit Gemüse und Obst hinlänglich zu versorgen.“

Es kam aber nicht dazu, dass er einen Teil seiner Arbeit in einem häuslichen Arbeitszimmer direkt neben seinem Amtssitz erledigen konnte. Er sah sich schließlich nicht in der Lage, ein Kaufangebot zum Preis von 500 Mark anzunehmen, blieb aber trotzdem und ließ sich von den Wildeshausern im Jahr 1887 sogar in den Landtag wählen. In den Jahren 1881 und 1882 hat er bei Grashorn vor großem Publikum aus Fritz Reuters „Ut mine Stromtied“ vorgelesen und 1885 als Vereinsvorsitzender zur Errichtung einer Badeanstalt im Bereich des Mühlenteiches beigetragen.

,Die Geschäftsräume für das Amt und für das Amtsgericht sind unzureichend, die vorhandenen Einfügungen mangelhaft. So dürfte die Erbauung eines neuen Dienstgebäudes für Amt und Amtsgericht für die nächste Finanzperiode in Aussicht zu nehmen sein‘, notierte die Baudirektion des Großherzogs im Dezember 1891. Im Februar 1892 legte sie das Konzept für einen Neubau für die Finanzperiode 1894/96 vor. Dieses wurde später auch im Wesentlichen verwirklicht.

Anbau und Amtsscheune mussten dafür abgerissen werden. Wegen begrenzter Finanzmittel verzögerte sich das Vorhaben jedoch um einige Jahre, worüber die Wildeshauser nicht glücklich waren – besonders aber die Bediensteten nicht. Der Amtshauptmann schaltete den Amtsarzt ein. Im Januar 1894 hielt Dr. Strahlmann in seinem Bericht unter anderem. fest: ,In dem engen und dunklen Büro des Amtshauses herrscht eine geradezu gesundheitswidrige Luft. 

Ursache: schlechte Heizungsverhältnisse, alte undichte Öfen, Schornsteine ziehen nicht richtig, mangelhafte Ventilation, kein Sonnenlicht. Mit den Diensträumen des Amtsgerichts ist es noch schlechter bestellt. Auch hier ziehen vorzugsweise die Schornsteine nicht, die Zimmer sind obendrein feucht und fußkalt. Sehr schlimm sieht es hier mit den Wänden und Decken aus. Schmutzig, erhebliche Einrisse, welche befürchten lassen, dass ganze Stücke einmal herunter fallen‘.“

Lesen Sie auch:

- Teil 2: Amtshauptmann Bödeker wollte andere Baupläne

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