Die Geschichte der Gerichtsbarkeit in Wildeshausen von Hans Siedenburg (Teil 2)

Amtshauptmann Bödeker wollte andere Baupläne

Mehrfach trafen sich seinerzeit die Amtsmänner und Amtsrichter der gesamten Region in Wildeshausen.

Wildeshausen - Das Wildeshauser Amtsgericht lädt anlässlich des 25-jährigen Bestehens für kommenden Sonntag zum Tag der offenen Tür ein. Die Gerichtsbarkeit in der Wittekindstadt hat aber eine wesentlich längere Gesichte. So hat Hans Siedenburg, ehemaliger Amtsgrichtsdirektor, vor einigen Jahren ein Buch veröffentlicht, in dem auch diese beschrieben wird. Dafür hat er auf das umfangreiche Archiv von Alfred Panschar zurückgegriffen.

„Anfang 1894 hat Dr. Strahlmann ein Mängelliste über die unhaltbaren Zustände in Amtshaus und Amtsgericht aufgestellt. Der Magistrat der Stadt richtete eine Petition an den Landtag und bat darum, die Finanzierung für die Neubauten doch noch vorzuziehen. ,Wenn auch Wildeshausen keine Ansprüche auf ein Monumentalgebäude erheben kann, so spottet der Zustand des jetzigen im Äußeren und im Inneren jeder Beschreibung. Für die Wohlbefindlichkeit der Beamten und des Publikums ist nichts geschehen. Als Wartezimmer dient ein schmales fensterloses Gemach, das den Eindruck einer Arrestzelle macht‘ schrieb die Stadt.

,Bei Hofe‘ reagierte man jedoch eher verstimmt und der Landtag ging über die Petition des Stadtmagistrats hinweg und zur Tagesordnung über. Im März 1894 bewilligte der Landtag die Mittel für den Neubau für die nächste Finanzperiode. Als der Amtshauptmann Kückens 1896 nach Birkenfeld versetzt wurde, versuchte sein Nachfolger Bödeker, eine Änderung der Baupläne zu erreichen. Er schlug vor, das Gebäude an höherer Stelle westlich des Amtshauses zu errichten und dort auch das Dienstzimmer des Amtshauptmannes einzuplanen, da sein Zimmer im Amtshaus feucht sei. Eine halbkreisförmige Anordnung der Gebäude würde zu einem ,Schmuck der Herrlichkeit‘ werden, schrieb er.

Diese Vorschläge stießen in der Baudirektion wegen der Mehrkosten von 5 000 Mark auf wenig Gegenliebe. Oberbaurat Johann Gustav Heinrich Janssen hielt fest, der jetzige Platz sei von den Beteiligten für gut befunden worden. Es handele sich um die Meinung eines Einzelnen, sein Nachfolger werde es sicher anders sehen. Im Juli 1896 wurde Bödeker nach Varel versetzt und durch Amtsassessor Buchholtz ersetzt.

Wegen des Abrisses der alten Diensträume verrichteten Amtsrichter, Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher ihren Dienst während der Bauzeit von Mai 1897 bis Mai 1898 in sechs angemieteten Geschäftsräumen im Hause Nolte an der Huntestraße/Ecke Kirchstraße. Der Abbruch kostete im Übrigen nichts. Vielmehr wurden die Arbeiten für den Abriss ausgeschrieben und erbrachten noch einen Erlös von 1 600 Mark. Auch gebrauchtes Baumaterial war damals ein kostbares Gut.

Der Neubau mit einer Verbindung zum alten Amtsgebäude an der südöstlichen Ecke des Amtshauses wurde in der vorgesehenen Zeit errichtet, der Kostenrahmen sogar unterschritten.“

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- Teil 1: „Im Amtshaus herrscht eine gesundheitswidrige Luft“

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