Johannes „Hänel“ Spille stirbt 101-jährig im Kreise seiner Familie

Abschied von einem großen Sohn Wildeshausens

Bis ins hohe Alter rüstig und der Schützengilde verbunden: So kannte Wildeshausen Johannes Spille. - Archivfoto: Rohdenburg

Wildeshausen - Nur wenige Menschen haben das Vereinsleben in Wildeshausen so geprägt wie Johannes „Hans“ Spille. Er hat zahlreiche Vereine gegründet, galt als „Original“ der Kreisstadt und feierte am 26. November 2015 seinen 101. Geburtstag. Am Donnerstag ist das älteste Mitglied und gleichzeitig Generalmajor der Wildeshauser Schützengilde im Wohnpark an der Hunte im Kreise seiner Familie gestorben.

Es gibt kaum einen Wildeshauser, der ihn nicht kannte und schätzte. Eigentlich wurde Johannes Spille seit früher Kindheit nur „Hänel“ gerufen, weil sein im Jahr 2010 verstorbener Zwillingsbruder Willy in der Phase des Sprechenlernens „Hans“ nicht aussprechen konnte.

Spille wurde am 26. November 1914 in Wildeshausen geboren und blieb seiner Heimatstadt sein Leben lang treu. Nach dem Besuch der Volks-/Bürger- und der höheren Handelsschule ging er im elterlichen Bauunternehmen in die Lehre. „Für Sport und Bewegung war ich immer zu haben. Ich liebte die Gemeinschaft und war gern mit anderen Menschen zusammen“, sagte Spille anlässlich seines 100. Geburtstages, der mit einem großen Empfang und Fackelumzug der Schützengilde zum Hotel „Gut Altona“ gefeiert wurde.

Der Wildeshauser Junge spielte beim VfL Wittekind Fußball und bezeichnete sich rückblickend mit seinem Bruder als „Sturmtank“ in den Jugendklassen sowie bei den Herren.

Fußball faszinierte Spille bis ins hohe Lebensalter. Er verpasste so gut wie kein Spiel der Bundesliga und der Champions-League im Fernsehen, wobei sein Herz für den FC Bayern München schlug. Zuletzt konnte der Senior zwar keine Fernsehbilder mehr sehen. Er verfolgte das Geschehen aber im Liegen, weil er der TV-Übertragung lauschte.

Der Zweite Weltkrieg prägte das junge Leben des Wildeshausers. Spille kehrte jedoch unversehrt in die Heimat zurück und setzte seine Ausbildung mit einem Studium in Bremen fort. 1949 übernahm er zusammen mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb und entwickelte ihn weiter.

Neben der beruflichen Tätigkeit engagierte sich Spille ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen. Ganz oben stand bei ihm die Wildeshauser Schützengilde. Nach seiner Zeit als Fähnrich durchlief er alle Ämter. Er wurde 1971 zum Major und vier Jahre später zum Oberstleutnant befördert. Von 1994 bis 1998 leitete Spille als Oberst die Geschicke der Gilde.

Weil er sich als Offizier über das normale Maß hinaus für die Belange der Gilde und die Stadt Wildeshausen eingesetzt hatte, wurde Spille 1994 der Orden für besondere Verdienste und 2002 das Verdienstkreuz verliehen. Als Generalmajor gehörte er weiter dem Offizierskorps an und wurde als Ehrenmitglied geführt

. Im Tennisclub Altona, dem Musikkorps Wittekind, dem CDU-Stadtverband und in der Bezirkshandwerkerschaft machte sich der Unternehmer als Gründungsmitglied verdient.

Politisch engagiert, saß Spille für die CDU im Stadtrat und war Kreistagsabgeordneter, über 80 Jahre gehörte er der Kolpingsfamilie an. Seine Liebe zur Musik lebte Spille unter anderem im Männergesangverein „Euphonia“ aus, den er mehr als 70 Jahre als Pianist begleitete. Mit Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen dankten die Vereine ihrem Mentor für sein Schaffen.

Spille war ein geselliger Typ. Gottvertraut, von innerer Zufriedenheit geprägt, war er ein Familienmensch im besten Sinne. Schwächebedingt musste der 101-Jährige im Juli ins Krankenhaus Johanneum. Anschließend wurde er als einer der ersten Bewohner des Wohnparks an der Hunte nach Angaben der Familie liebevoll gepflegt, bevor er im Kreise seiner Liebsten für immer einschlief.

Die Trauerandacht zur Beisetzung ist für Mittwoch, 12. Oktober, um 14 Uhr in der Friedhofskapelle in Wildeshausen geplant. - dr

Anmerkung der Redaktion: Die Veröffentlichung des Textes zu diesem Zeitpunkt ist mit der Familie abgesprochen.

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