Zahlreiche Diebstähle und Schwarzfahrten

21-Jährige kommt in Handschellen

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - In Handschellen wurde am Mittwoch eine 21-jährige Wildeshauserin vor dem Jugendschöffengericht aus der Justizvollzugsanstalt Vechta vorgeführt. Dort ist sie bereits seit einem halben Jahr untergebracht, weil sie gegen eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aus dem Juli 2015 wegen mehrfachen Diebstahls und Schwarzfahrens verstoßen hatte.

Aller Voraussicht nach dürfte die junge Frau aber schon bald das Gefängnis verlassen, da sie einen großen Teil ihrer Strafe absolviert hat und das alte Strafmaß in eine neue Verurteilung einbezogen wird, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Dann lautet die Strafe auf ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe, die zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt ist. Die 21-Jährige muss zudem sechs Monate mit der Jugendstraffälligenbetreuung „Die Brücke“ zusammenarbeiten, sich in psychologische Behandlung begeben und einen Kurs zum Erreichen des Hauptschulabschlusses antreten.

Zur Anklage kamen am Mittwoch zehn Fälle des Schwarzfahrens im Zug sowie drei Ladendiebstähle in Oldenburg, zwei Beleidigungen gegen eine Zugbegleiterin und eine vorsätzliche Körperverletzung. Es stand zudem die Frage im Raum, ob drei Diebstähle in Wildeshauser Märkten einbezogen werden sollten, um „alles auf den Tisch zu bringen“, wie der Verteidiger es formulierte. Da die junge Frau die Taten in der Kreisstadt jedoch im Alter von 21 Jahren verübt hatte, musste das Schöffengericht auch klären, ob es zu einer Verhandlung nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht kommen soll.

Sowohl ein Gutachten als auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe kamen zu dem Eindruck, dass die Frau noch einen „gewaltigen Nachreifungsprozess“ vor sich hat und deshalb nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist. Offenbar geriet sie durch die Scheidung ihrer Eltern und die Auslandstätigkeit ihres Vaters aus der Bahn. Bei ihrem Vater in Wildeshausen wird sie zukünftig aber wieder leben können. Von ihrem bisherigen Freundeskreis hat sie sich wohl losgesagt.

Die 21-Jährige konnte unter Tränen nicht erklären, warum sie sich gegen alle Regeln gestellt hatte. „Ich weiß nicht, was mit mir los war“, sagte sie. „Ich schäme mich dafür.“

Offenbar hatte erst die Haftstrafe bei ihr für ein Umdenken gesorgt. Im Gefängnis hatte sie sich um die Hauptschulbildung gekümmert und darum, die Schule nach der Entlassung besuchen zu können. Nun bekommt sie die allerletzte Chance, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Andernfalls wird sie nach dem härteren Erwachsenenstrafrecht verurteilt.

dr

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