Vortrag über extreme Muslime am 1. März in Vechta

Verfassungsschützerin: „Diskussion um Salafismus versachlichen“

Vechta - Daniela Schlicht, Referentin für Prävention beim niedersächsischen Verfassungsschutz, spricht am Dienstag, 1. März, von 19 bis 21 Uhr im Antoniushaus Vechta auf Einladung des Landes-Caritasverbandes zum Thema „Salafismus ist nicht gleich Islam“. Im Interview erklärt Schlicht Verbandssprecher Dietmar Kattinger, welche Angst begründet und welche unbegründet ist

Viele Menschen kriegen Gänsehaut oder gar Angst, alleine wenn sie das Wort „Salafist“ hören? Ist das übertrieben?

Daniela Schlicht

Schlicht: Ja und Nein. Was uns momentan besonders Kopfzerbrechen bereitet, ist die Wechselwirkung zwischen Salafisten und Rechtsextremisten. Vertreter der letztgenannten hetzen gegen alle Muslime. Vor dieser gegenseitigen Abhängigkeit kann man gesellschaftlich Angst haben: Denn beide Gruppen beziehen sich aufeinander und schaukeln sich gegenseitig hoch. Es bleibt abzuwarten, was sich da entwickelt.

Aber was Salafisten angeht: Da schwingt bei vielen Bürgern die Angst vor Terror und Attentaten mit. Hier bestehen Ängste, die wir ernst nehmen müssen. Jedoch gilt es zu bedenken, dass nicht alle Salafisten gewaltbereit sind. Die allermeisten der in Deutschland lebenden Salafisten lehnen Gewalt ab. Es ist nur ein kleiner Teil, der zu drastischen Maßnahmen greift. Da muss man nicht alarmistisch werden.

So wie ich nicht vor jedem Salafisten Angst haben muss, gilt ebenso wenig die Gleichung ‚Jeder Muslim ist gefährlich‘?

Ganz genau. Das ist die Methode, die Rechtsextremisten im Moment leider anwenden: Sie spielen mit den Ängsten der Bevölkerung. Sie nutzen sie, um ihre rassistische und fremdenfeindliche Kampagne zu verankern. Islamfeindlichkeit wird hierfür als Mittel benutzt. Wer also Muslime unter Generalverdacht stellt, begibt sich genau in die Argumentation von Rechtsextremisten. Das sollte jeder vermeiden.

Dennoch: Eine kleine Gruppe von Salafisten ist gewaltbereit. Wie würden Sie diese zahlenmäßig für Niedersachsen beschreiben?

In Zahlen ist es schwierig: Wir haben die eine oder andere Salafisten-Hochburg zum Beispiel in Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim oder Hannover. Unter diesen Salafisten gibt es welche, die sich am Syrien-Irakkrieg beteiligt haben. Von solchen Personen ist theoretisch mit Gewalt zu rechnen, aber eher in dem Sinne, dass sie kampfbereit sind und ausreisen. Fraglich ist eher, was mit denen ist, die zurückkommen.

Das heißt ich muss mir in Niedersachsen nicht mehr Sorgen machen als in anderen Bundesländern.

Nein, das sieht in anderen Bundesländern zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Hessen anders aus.

Wenn ich in der Nachbarschaft oder gar bei meinem eigenen Sohn den Verdacht habe, dass sich jemand dem Salafismus nähert: Ab wann muss ich so etwas melden?

In der Regel kennt man die Personen und beobachtet sie über einen längeren Zeitraum. Das Beste ist, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Es gibt eben nicht die klassischen Radikalisierungs-Faktoren, wo man sagen kann: „Dieser und jener Aspekt ist erfüllt. Nun müssen wir handeln.“ Es sind meist Entwicklungen. Auch wenn man unsicher ist, gibt es Stellen, bei denen man ganz unverfänglich nachfragen kann.

Zum Beispiel?

Da gibt es etwa die Beratungsstelle „Beraten.ev“ in Hannover. Sie berät insbesondere das Umfeld von sich Radikalisierenden. Man kann sich aber auch direkt an uns, den Verfassungsschutz, in Hannover wenden oder an die Staatsschutzstelle der Polizei vor Ort.

Wie lautet ihr grundsätzlicher Rat?

Wir brauchen ganz dringend eine Versachlichung der Diskussion. Das heißt, wenn ich meine Meinung in der Öffentlichkeit oder in sozialen Medien mitteilen will: Sich informieren, Verstand einschalten und nüchtern überlegen, bevor ich ein Urteil fälle. Denn darin sind Rechtsextremisten und Salafisten ganz ähnlich: Sie spielen mit den Ängsten der Bezugsgruppen, bei denen sie ankommen möchten. Dem sollte man keine zusätzliche Nahrung geben.

Anmeldungen für den Vortrag sind bis zum 26. Februar beim Landes-Caritasverband unter Tel. 04441/8707624 möglich.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kr eiszeitung

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