Totschlagsprozess in Oldenburg 

Schmerzhafte Verhandlung

Delmenhorst/Oldenburg - Im Delmenhorster Totschlagsprozess wurde der telefonische Mitschnitt von der Tötung des Opfers angehört. Das hat den Anwesenden einiges abverlangt.

Vor dem Oldenburger Schwurgericht muss sich ein 48-jähriger Mann aus Delmenhorst wegen Totschlags verantworten, Er hatte am 7. März diesen Jahres seine Frau mit mehreren Messerstichen getötet. Der Live-Telefonmitschnitt, auf dem die Tötung der Frau zu hören ist, wurde am Donnerstag präsentiert. Die Frau muss Schlimmes geahnt haben. Vermutlich deswegen soll sie unmittelbar vor der Tat den Notruf angerufen haben. Die Verbindung blieb dann die ganze Zeit über bestehen.

Der Vorsitzende Richter Frederik Franz hatte die anwesenden Zuhörer, darunter die Mutter und weitere Angehörige der Getöteten, gewarnt. Was zu hören sei, sei grausam.Jeder solle sich gut überlegen, ob er im Sitzungssaal bleiben wolle. Die Angehörigen hatten sich zunächst entschieden, zu bleiben. Doch als zu hören war, wie das Töten begann, stürzten alle aus dem Saal.

Augen- und Ohrenzeugen des unfassbaren Geschehens waren die beiden gemeinsamen Kinder (eine zehnjährige Tochter und ein 14-jähriger Sohn) sowie ein Austauschschüler aus Frankreich (14).

Direkt nachdem er seine Frau, die sich von dem Angeklagten getrennt hatte, getötet hatte, rief der 48-Jährige seine Kinder zu sich. Auch das ist am Telefon zu hören.

Kinder sollten die Polizei rufen

„Eure Mutter stirbt, eure Mutter ist jetzt tot“, schrie er den Kinder entgegen und forderte sie dann auf, die Polizei zu rufen.

Hatte das Mithören des Tötungsvorgangs die Anwesenden bereits stark gefordert, nötigte das Abspielen des Notrufes, den der 14-jährige Sohn abgesetzt hatte, allen das Letzte ab. Panisch und weinend ruft er ins Telefon: „Mein Vater sticht meine Mutter ab.“ Nach dem Vorspielen der Grausamkeiten wurde stets eine Pause eingelegt.

Bevor der Mitschnitt überhaupt abgespielt wurde, hatte der Angeklagte denWunsch geäußert, nicht anwesend sein zu müssen, wenn seine Tat öffentlich angehört wird. Das Gericht lehnte dieses Ansinnen jedoch ab. - wz

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